Kunststoffverwertung 06.07.2012, 11:00 Uhr

EU-Kriterien für Kunststoffrecycling sollten praxistauglich sein

Mit rechtlichen Vorgaben greift die EU immer stärker in das Kunststoffrecycling ein. Vor allem die gesetzlichen Vorgaben zu „End-of-Waste“, die das Ende der Abfalleigenschaft für mehrere Abfallströme beurteilen, bedeuten für die Wiederverwertung der Kunststoffe eine entscheidende Weichenstellung. Im Expertenkreis kommen jedoch immer mehr Zweifel auf, ob der End-of-Waste-Prozess die werkstoffliche Kunststoffverwertung tatsächlich fördern wird.

Die EU greift verstärkt in das Kunststoffrecycling ein.

Die EU greift verstärkt in das Kunststoffrecycling ein.

Foto: Duales System Deutschland

Den unverbindlichen europäischen Programmen und nationalen Strategien müssen nun endlich konkrete politische Entscheidungen folgen, die mehr Kunststoffrecycling ermöglichen. Dies forderte Eric Rehbock beim 15. Internationalen Altkunststofftag des Bonner Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung (Bvse) Mitte Juni in Bad Neuenahr. Schließlich, so begründete der Bvse-Hauptgeschäftsführer die Forderung der meist mittelständischen Verwerter, schone das Kunststoffrecycling Ressourcen, spare Energie und vermindere die Kohlendioxidemissionen (CO2).

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
MB Global Engineering GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Projektleiter Elektrotechnik (m/w/d) MB Global Engineering GmbH & Co. KG
Darmstadt Zum Job 
Nitto Advanced Film Gronau GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur (m/w/d) im Bereich Maschinen- und Anlagentechnik Nitto Advanced Film Gronau GmbH
Städtische Wohnungsgesellschaft Eisenach mbH-Firmenlogo
Bauingenieur Hochbau / Architekt (m/w/d) Städtische Wohnungsgesellschaft Eisenach mbH
Eisenach Zum Job 
Dorsch Gruppe-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Tragwerksplanung mit Perspektive auf Fachbereichsleitung Dorsch Gruppe
Wiesbaden Zum Job 
IT-Consult Halle GmbH-Firmenlogo
Trainee SAP HCM / Personalwirtschaft (m/w/d) IT-Consult Halle GmbH
Halle (Saale) Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern-Firmenlogo
Projektingenieur für Brückenbau / Tunnelbau / Ingenieurbau (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern
München Zum Job 
Regierungspräsidium Freiburg-Firmenlogo
Bachelor / Dipl. Ing. (FH) (w/m/d) der Fachrichtung Wasserwirtschaft, Umwelt, Landespflege oder vergleichbar Regierungspräsidium Freiburg
Freiburg im Breisgau Zum Job 
Clariant SE-Firmenlogo
Techniker* für Automatisierungstechnik Clariant SE
Oberhausen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieurin oder Bauingenieur in der Schlichtungsstelle (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Hannover Zum Job 
Big Dutchman International GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker / Meister (m/w/d) Big Dutchman International GmbH
BOGE KOMPRESSOREN Otto Boge GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Entwickler / Konstrukteur für die Verdichterentwicklung (m/w/x) BOGE KOMPRESSOREN Otto Boge GmbH & Co. KG
Großenhain Zum Job 
Griesemann Gruppe-Firmenlogo
Ingenieur Verfahrenstechnik / Prozessingenieur (m/w/d) Griesemann Gruppe
Wesseling, Köln Zum Job 
Energieversorgung Halle Netz GmbH-Firmenlogo
Fachingenieur Netzbetrieb Strom (m/w/d) Energieversorgung Halle Netz GmbH
Halle (Saale) Zum Job 
Hamburger Wasser-Firmenlogo
Ingenieur/Referent (m/w/d) Vergabe Ingenieur-/ Bauleistungen Hamburger Wasser
Hamburg Zum Job 
Möller Medical GmbH-Firmenlogo
Industrial Engineer (m/w/d) Möller Medical GmbH
RWE Technology International GmbH-Firmenlogo
Projektmanager (m/w/d) Anlagenrückbau RWE Technology International GmbH
MÜNZING CHEMIE GmbH-Firmenlogo
Prozessoptimierer (m/w/d) für die chemische Industrie MÜNZING CHEMIE GmbH
Elsteraue Zum Job 
über ifp | Executive Search. Management Diagnostik.-Firmenlogo
COO (m/w/d) über ifp | Executive Search. Management Diagnostik.
Norddeutschland Zum Job 
JOSEPH VÖGELE AG-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) Elektrotechnik Hardwareentwicklung/Elektrokonstruktion JOSEPH VÖGELE AG
Ludwigshafen am Rhein Zum Job 

Praxisgerechte Kriterien entscheidend für die Zukunft des Kunststoffrecyclings

Rehbock betonte vor den mehr als 400 Teilnehmern des internationalen Altkunststofftags, dass die Zukunft des Kunststoff-Recyclings entscheidend von praxisgerechten Kriterien für End-of-Waste sowie einer konsequenten Kaskadennutzung von Kunststoffen mit einer klaren Priorität des Recyclings vor der Verbrennung und anspruchsvollen Recyclingquoten abhängt. In der Praxis hätten die Kunststoffrecyclingunternehmen mit dem Abfall-, Chemikalien- und Produktrecht drei hochkomplexe Rechtsgebiete zu beachten. Das führe zu nicht zu unterschätzenden Schwierigkeiten und zu Beschränkungen im Alltagsgeschäft der Kunststoffrecycler.

Rehbock: „Gerade deshalb haben wir ja so große Hoffnungen in den End-of- Waste-Prozess gesetzt.“ Inzwischen kommen bei den Branchenvertretern aber immer mehr Zweifel auf, ob der von der EU-Kommission vorgeschlagene End-of-Waste-Prozess tatsächlich das Kunststoffrecycling fördern wird. Unter Verweis auf die Schrottwirtschaft, die aufgrund von Überregulierung und praxisfernen Kriterien weitgehend auf die Anwendung der End-of-Waste-Kriterien verzichten will, warnte Rehbock vor einer ähnlichen Entwicklung im Kunststoffbereich. Er verwies darauf, dass die Herbeiführung eines vorzeitigen Abfallendes als Instrument zur Förderung des Recyclings gedacht war.

End-of-Waste-Prozess für das Kunststoffrecycling von besonderer Bedeutung

„Man gewinnt immer mehr den Eindruck, dass praxisferne Detailregelungen dieser Maxime nicht folgen, sondern geradezu verhindern sollen, dass wertvolle Materialien vorzeitig aus dem Abfallrecht entlassen werden“, kritisierte Rehbock. Doch sei gerade das Kunststoffrecycling auf den Produktstatus in besonderer Weise angewiesen. „Unsere Position ist daher klar: Der bestehende Produktstatus für Rezyklate ist unter allen Umständen zu erhalten“, betonte der Branchensprecher und forderte die europäischen Parlamentarier auf, genau hinzusehen, ob die End-of-Waste-Kriterien auch tatsächlich zu mehr Ressourcenschutz und mehr Recycling führen werden.

In der momentanen Realität aber würden zu viele Kunststoffe verbrannt oder deponiert, obwohl sie ein besonderes Stoff- und Energiepotenzial besäßen, das ökologisch und ökonomisch vorteilhaft vor allem durch die werkstoffliche Verwertung genutzt werden könne. Rehbock: „Es ist an der Zeit, diesen Trend mithilfe einer speziellen Kunststoffverordnung zu stoppen und umzukehren. Wir brauchen dazu einen Abbau der vorhandenen Überkapazitäten der Müllverbrennungsanlagen in Deutschland und ein europaweit wirksames Deponierungsverbot.“

Auch Dirk Textor, Vorsitzender des Fachverbandes Kunststoffrecycling im Bvse, verwies in Bad Neuenahr darauf, dass die europäischen rechtlichen Vorgaben immer mehr in das tatsächliche Kunststoffrecycling eingreifen. Gleichzeitig erfahre das Recycling von Kunststoffen europaweit immer mehr Aufmerksamkeit. „Es gibt noch ein großes Ressourcenpotenzial, das ökologisch und ökonomisch vorteilhaft genutzt werde sollte“, so der Experte von der Hubert Eng Kunststoffverwertung, Gescher.

Daher begrüße der Bvse prinzipiell den von der EU initiierten Prozess, das Ende der Abfalleigenschaft auf europäischer Ebene verbindlich zu definieren. Aber aus seiner Sicht sei das Abfallende dann erreicht, wenn die gewonnenen Rezyklate direkt bei den Kunststoffverarbeitern als Substitut für Neuware eingesetzt werden können. Die End-of-Waste-Kriterien und auch deren Überprüfung dürften dieser Zielstellung nicht zuwiderlaufen.

End-Of-Waste-Vorgaben für Kunststoffrecycling sind komplex

„Mit Sorge erfüllt uns, dass die Vorgaben bei End-of-Waste für Altpapier auf Kunststoffe übertragen werden sollen. Kunststoffe sind von Schrotten und Altpapier vollkommen unterschiedlich“, erklärte Textor. Das Kunststoffrecycling sei kunststoffartenspezifisch durchzuführen und dabei abhängig von den unterschiedlichen Polymeranteilen beim Altkunststoffinput. Hocheffiziente, sehr unterschiedliche Systeme würden sich deshalb den kleinteilig angelieferten verschiedenen Kunststoffen widmen. Marktnahe End-of-Waste-Kriterien müssten daher einen sehr großzügigen Rahmen für das Kunststoffrecycling zulassen. Textor: „Kunststoffrezyklate haben heute bereits weitgehend den Produktstatus, und das europäische Recht darf dies nicht ändern. Hier sind dann Vorgaben von nur 1 % an Fremdstoffen für einen Teil der Rezyklate äußerst wirklichkeits- und marktfremd.“

Herbert Snell berichtete im Rahmen des Altkunststofftags von deutlichen Umbrüchen beim Kunststoffrecycling. Ein Indiz dafür sieht der Bvse-Vizepräsident in den vermehrt auftretenden Insolvenzen von Kunststoffrecyclern, die seit Jahren auf dem Markt tätig gewesen sind.

„Die Dualen Systeme greifen jetzt verstärkt in die Märkte ein, und zwar über die gesamte Kette der Sammlung, Sortierung, Aufbereitung und Verwertung bis hin zum Handeln und Makeln. Die vertikale Integration der Dualen Systeme weitet sich auf diese Weise zunehmend aus“, kritisierte Snell. Für die angedachte Einführung der Wertstofftonne forderte der Bvse-Vizepräsident daher, dass die Neuregelung der Wertstofferfassung auf eine breite Basis gestellt wird. „Wir brauchen ein Modell, das nicht ständig in Frage gestellt oder durch unnötige Streitigkeiten belastet wird, wie bei den Dualen Systemen“, forderte Snell. Deshalb sei eine Arbeitsteilung von Privatwirtschaft und Kommunen sinnvoll. Das vom Bundesumweltministerium in Auftrag gegebene Gutachten, das die rechtlichen Möglichkeiten zur Einführung der Wertstofftonne untersuchen sollte, habe zuverlässig herausgearbeitet, dass die Ausschreibungsverpflichtung der Kommunen unter Ausschluss der Inhouse-Vergabe – auch in Hinblick auf die kommunale Selbstverwaltungsgarantie – als verfassungsrechtlich zulässige Beschränkung anzusehen ist.

Eigentumsverhältnisse beim Kunststoffrecycling: Gesetzliche Regelung notwendig

Snell: „In diesem Gesetz muss noch ein Punkt geregelt werden: Wir wehren uns gegen den Eigentumsanspruch des Dualen Systeme an den Wertstoffen. Die Praxis aller Dualen Systeme, sich den physischen Zugriff auf die Wertstoffe, egal welcher Fraktion, vorzubehalten, ist nach unserer Auffassung rechtlich unzulässig und marktverzerrend.“ Mit Sorge sehe der Bvse eine zunehmende Oligopolisierung (eine Marktform, bei der viele Nachfrager wenigen Anbietern gegenüberstehen) bei der Lizenzierung, die jetzt auch vermehrt in die Entsorgung und Verwertung eingreift.

„Wenn sich die Anbieterstruktur auf den Wertstoffmärkten durch eine faktische Andienungspflicht der Wertstoffe aus Haushaltungen bei den Systemen in ähnlicher Weise entwickelt, werden die mittelständischen Strukturen der deutschen Sekundärrohstoffwirtschaft verschwinden und das Recycling, gerade auch das Kunststoffrecycling, weiter schwächen“, prognostizierte der Branchensprecher.

Ein Beitrag von:

  • Rolf Müller-Wondorf

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.