Revolution für Heimwerker? 13.03.2017, 12:10 Uhr

Dieses Plastikband ist angeblich hart wie Stahl

Ein neues Glied für eine Metallkette formen, kurzerhand ein Abschleppband bauen oder in der Wildnis eine passgenaue Schiene für den gebrochenen Finger anfertigen: Braeön macht´s möglich. Das Plastikband lässt sich erwärmen, formen und soll beim Abkühlen so hart wie Stahl werden. 

Eine Lage des Braeön-Plastikbandes hält laut Hersteller einem Zug von knapp 1.000 kg stand.

Eine Lage des Braeön-Plastikbandes hält laut Hersteller einem Zug von knapp 1.000 kg stand.

Foto: Braeön

Braeön nimmt den Mund im Produktvideo ganz schön voll. Angeblich hat das Start-up aus Las Vegas mit einem neuen Material nicht weniger als eine Revolution für Heimwerker in Gang gesetzt. „Das ist das leichteste, widerstandsfähigste und flexibelste Material, das jemals erfunden wurde“, behaupten die Erfinder. Gemeint ist eine Plastikband, das auf den ersten Blick wie eine Gaffa-Rolle aussieht.

Eine Lage hält einem Zug von 1.000 kg stand

Der Clou: Sobald man das Plastikband auf 40 °C erhitzt, lässt es sich formen. Die Erfinder begründen das mit der Molekularstruktur. Beim Erhitzen trennen sich die Moleküle und machen das Band formbar. Beim Abkühlen schließlich verbinden sich die Moleküle wieder und fixieren die neue Form. Und diese Form scheint robust zu sein.

Die Erfinder wollen 2017 in Serienproduktion gehen. Bei Kickstarter kostet eine 6-m-Rolle des Bandes 18 US-Dollar. 

Die Erfinder wollen 2017 in Serienproduktion gehen. Bei Kickstarter kostet eine 6-m-Rolle des Bandes 18 US-Dollar.

Quelle: Braeön

Angeblich hält eine Lage des Bandes einem Zug von knapp 1.000 kg stand. Und um einen Baum gewickelt, kommt selbst eine Kettensäge nur mit Mühe durch das Material hindurch. Dabei wiegt es auf einer Länge von 30 m gerade einmal 450 g und ist so dünn wie Papier.

Der Fantasie von Heimwerkern sind keine Grenzen gesetzt

Falls doch, gibt Braeön einige Anregungen. Mit dem Plastikband lässt sich zum Beispiel ein Glied für eine gerissene Metallkette herstellen. Einfach das Material mit dem Feuerzeug erhitzen, ein Kettenglied formen und abkühlen lassen. Im Video ist die Kette nach dieser Reparatur stabil genug, um einen Baumstamm durch den Wald zu ziehen. Auch ein Abschleppband lässt sich problemlos improvisieren.

Reparierte Kette: Das Plastikband lässt sich erwärmen, formen und ist danach hart wie Stahl. 

Reparierte Kette: Das Plastikband lässt sich erwärmen, formen und ist danach hart wie Stahl.

Quelle: Braeön

Doch nicht nur das. Heimwerker optimieren mit dem Material ihre Werkzeuge. Sie stellen zum Beispiel einen individualisierten Griff für ein Messer her. Und zwar, indem sie das Band in einem Wasserbad erwärmen, mehrere Lagen um den ursprünglichen Griff wickeln, mit einem festen Zupacken die eigenen Fingerabdrücke ins Material einbringen und abkühlen lassen.

Individueller Griff: Einfach das Band erwärmen, um das Messer wickeln, kräftig zupacken und abkühlen lassen. 

Individueller Griff: Einfach das Band erwärmen, um das Messer wickeln, kräftig zupacken und abkühlen lassen.

Quelle: Braeön

Et voilà: Schon ist ein Griff fertig, den es so nicht zu kaufen gibt. Im Notfall lässt sich in der Wildnis auch eine passgenaue Schiene für den gebrochenen Finger herstellen.

6-m-Rolle kostet 18 US-Dollar

Zu kaufen gibt es Braeön noch nicht. Doch die Erfinder haben auf der Crowdfundingplattform Kickstarter erfolgreich um Unterstützer geworben. Sie können mit dem Produkt in Serienproduktion gehen.

Knapp 75.000 US-Dollar sind im Topf gelandet – Finanzierungsziel waren 15.000 US-Dollar. Nach der Kampagne braucht das Start-up nach eigenen Angaben drei Monate, um Produktionslinien aufzubauen. Frühestens Mitte 2017 kommt das Produkt auf den Markt. Bei Kickstarter kostete eine 6-m-Rolle 18 US-Dollar.

Sie sind eher Fahrradfahrer als Heimwerker. Dann dürfte Sie dieses textile Fahrradschloss interessieren: Es soll einem Bolzenschneider minutenlang standhalten und ebenso einer 1.200 °C heißen Flamme. Und zugleich punktet die tex–lock genannte Erfindung mit einem unglaublich geringen Gewicht. Mehr dazu lesen Sie hier.

Fast wie Glas: So steif kann Wasser werden

Aus den Laboren der TU Dortmund stammt ein ebenfalls spannendes Material: ein Hydrogel, das zu 90 % aus Wasser besteht und trotzdem ultrasteif und extrem zäh ist. Dieses Hydrogel könnte künftig als druckstabile Trennmembran in der Mehrwasserentsalzung oder als hochporöses Elektrodenmaterial für Batterien oder Brennstoffzellen zum Einsatz kommen.

 

Ein Beitrag von:

  • Patrick Schroeder

    Patrick Schroeder arbeitet als freiberuflicher Journalist für Zeitschriften und Onlinemagazine wie die VDI Nachrichten und Ingenieur.de.

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