Geschichte des Fliegens 27.02.2026, 16:00 Uhr

Muss die Luftfahrtgeschichte umgeschrieben werden?

Eine Fotoanalyse wirft die Frage auf, ob die Brüder Wright wirklich den ersten motorisierten Flug der Welt realisiert haben.

Das Archivfoto zeigt eine Schwarzweiß-Aufnahme des motorisierten Doppeldeckers der Brüder Wright.

Bild vom Flug der Brüder Wright: Historiker hat Zweifel am Entstehungsdatum.

Foto: John T. Daniels / Library of Congress

Ein Flughistoriker und ausgebildeter Fotograf hat das ikonische Bild vom angeblichen Erstflug der Gebrüder Wright mit modernster Technik analysiert- Er kommt zu einem brisanten Ergebnis: Die Schatten auf dem Foto zeigen in verschiedene Richtungen. Das deute darauf hin, dass zwei Aufnahmen übereinandergelegt wurden.

Sollte sich das bestätigen, rückt ein anderer Pionier in den Fokus: Gustav Weißkopf aus dem fränkischen Leutershausen. Er soll bereits am 14. August 1901 den ersten Motorflug der Geschichte absolviert haben – mehr als zwei Jahre vor den Wrights.

Eines der berühmtesten Fotos der Welt und seine Geheimnisse

Am Donnerstagabend hat John Brown „eines der berühmtesten Fotos der Welt“ seziert. Es stammt offiziell aus dem Jahr 1903 und soll den ersten Motorflug der Geschichte zeigen, also jenen am 17. Dezember mit Orville Wright auf dem Fluggerät Flyer I. Brown wies vor allem auf jede Menge Details dieses Bildes hin.

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Der Flughistoriker, Pilot und qualifizierte Fotograf ist seit langer Zeit davon überzeugt, dass nicht die Wrights, sondern der in Leutershausen geborene Gustav Weißkopf der weltweit erste Motorflieger war. Denn für John Brown steht fest, dass die Flüge von Gustave Whitehead, wie der sich in den USA nannte, schon ab 1901 stattgefunden haben. Darüber hat er viel veröffentlicht. Doch den knapp 150 im Saal „Roter Würfel“ der Hochschule München Anwesenden sowie den per Live-Übertragung Zuschauenden präsentierte John Brown an diesem Abend vor allem Überraschendes zu dem Bild, das den Wright’schen Erstflug zeigen soll.

Schatten im Foto vom Erstflug der Gebrüder Wright

Vor allem auf die Schatten von Orville auf dem Flieger, von seinem Bruder Wilbur im Sand des Strands von Kitty Hawk in North Carolina und von einer kleinen Sitzbank, die mitten in der Szene steht, verweist Brown: Denn die gehen in verschiedene Richtungen. Vor etwa sechs Wochen hatte er jenen „Gänsehautmoment“, als ihm auf einmal ein Licht aufging – oder besser: jene verschiedenen Schattenverläufe. Und seitdem habe er selbst lang sehr genau hingeschaut.

„123, nein 118 Jahre hat das niemand gemerkt“, erklärte der Flughistoriker. Denn das Foto hatten die Wrights nicht gleich nach dem selbstproklamierten Erstflug vom 17. Dezember 1903 öffentlich gemacht, sondern erst vier Jahre später. Tatsächliche Zeugenaussagen zu dem Flug gibt es laut Brown ohnehin nur zwei: die eines 17-Jährigen, der auch das Foto gemacht haben soll, und eines Herrn, der bestätigt, dass er „das Gleiche wie der Junge gesehen“ habe.

Brown, der am New York Institute of Photography zum Profi-Fotografen ausgebildet wurde, hat sich deshalb intensiv mit besagtem Wright-Foto befasst. Dafür hat er modernste Technik eingesetzt. Denn auch er sah bisher eher Verschwörungstheorien hinter Aussagen, die Wrights seien damals gar nicht geflogen. Doch nun tat er das, was gemeinhin gemacht wird, um Fake-Fotos zu erkennen: Er suchte nach Sachen, die nicht da sein sollten – und nach Schatten, die in die falsche Richtung zeigen.

Genaue Bildanalyse verstärkt Zweifel des Historikers

Und tatsächlich: Er fand auf dem Foto Dinge an Stellen, „wo sie nicht sein dürften“. Beispielsweise ein Stück Startschlitten, der unten am Flugzeug zu sehen ist – obwohl es in der Luft sein soll. Das konnte er aus Vergleichsfotos mit dem am Boden stehenden „Flyer“ herausfinden.

„Die Digitalisierung ermöglicht es heutigen Forschern, technische Details und Einzelheiten hinsichtlich der Bestandteile, die vorher unklar waren, zu erkennen“, hob John Brown die Vorteile moderner Analysetechnik hervor. Damit erkannte er auch, dass die Kufen auf dem Bild gebogen sind – was nur unter Last der Fall sei, also wenn die Maschine am Boden wäre.

Dass die eingesetzte „Korona“-Glasplatten-Kamera an diesem trüben Tag gar keine solch scharfen Bilder hätte produzieren können – auch das erläuterte Brown ausführlich. Wie er ebenso Details zum falschen Horizontverlauf und mehr analysierte.

Nicht zuletzt aber sind es die Schatten, die für den Foto-Analytiker ein untrügliches Zeichen darstellen: „Da sind zwei Aufnahmen übereinandergelegt.“ So verläuft dieser bei Wilbur Wright, der am Boden steht, nach links; bei Orville auf dem Flieger werfen die Schuhe ihre Schatten nach rechts. Also müsse die eine Aufnahme vormittags, die andere nachmittags gemacht worden sein, so John Browns eindeutige Schlussfolgerung. Und er nennt die Wrights deshalb „Hochstapler“.

In der Heimat des Wright-Konkurrenten Weisskopf zeigt man sich gelassen

Der Erstflug des in Leutershausen geborenen Gustav Weißkopf am 14. August 1901, wäre demnach der erste belegte Motorflug. Laura Gebauer, die Leiterin des „Gustav Weisskopf Museum Pioniere der Lüfte“ in dessen Geburtsort Leutershausen gibt sich diplomatisch: „Wir als Museum freuen uns, dass aktuell wieder viel an dem Thema geforscht wird.“

Doch was passiert jetzt? „Was sagt nun das Deutsche Museum dazu?“ fragte Brown sein Publikum. Beim bekannten Münchner Technikmuseum, das bislang die Wrights als die ersten Motorflieger benennt, wollte man sich nicht dazu äußern: Man kenne bislang die Beweisführung nicht, hieß es auf unsere Nachfrage.

Ein weiterer kaum bekannter Aspekt spricht für den deutschen Flugzeugbauer: Während der Weißkopf-Nachbau „21B“ am 4. Oktober 1999 auf einem oberbayerischen Militärflugplatz seine Flugfähigkeit bewies, stellte eine Wissenschaftlergruppe des US-Berufsverband für Luft- und Raumfahrttechnik AIAA im Jahre 2003 im Nasa-Windkanal dem Originalnachbau des „Flyer“ das Prädikat aus: „Unstabil bei jeder Geschwindigkeit.“

Ein Beitrag von:

  • Heinz Wraneschitz

    Freier Fachjournalist in der Metropolregion Nürnberg. Der Ingenieur für Elektrische Energietechnik arbeitet viele Jahre in der Industrie, u.a. Zentrumsleiter für ein herstellerunabhängiges Solarberatungsunternehmen. Seit 2005 ist er mit dem Redaktionsbüro bildtext.de hauptberuflich journalistisch tätig. Seine Themen sind Umwelt, Energie und Wirtschaft.

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