Schifffahrt 08.05.2025, 17:30 Uhr

Mayday: Wenn Schiffe sinken oder spurlos verschwinden

Ein neues Forschungsprojekt am Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven widmet sich den Auswirkungen von Schiffsunglücken auf die menschliche Wahrnehmung des Meeres. Anhand von vier dramatischen Unglücken analysiert die Historikerin Deike Reddig, wie sich die kulturelle Bedeutung des Meeres im Laufe der Geschichte verändert hat und welche Rolle die Erinnerung an diese Ereignisse dabei spielt.

Ein Fischerboot in stürmischer See.

Oft sind es Stürme und unberechenbare Wellen, die zu Schiffsunglücken führen.

Foto: PantherMedia / dpcrestock (Igor Chaykovsky)

Schiffe üben seit jeher eine besondere Faszination auf den Menschen aus. Doch wenn die Naturgewalten des Meeres sie bezwingen, löst dies nicht nur Entsetzen, sondern auch eine tiefgreifende Verunsicherung aus. Das neue Forschungsprojekt „Katastrophen auf See und maritime Erinnerungskultur im 20. und 21. Jahrhundert“ am Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM) / Leibniz-Institut für Maritime Geschichte in Bremerhaven nimmt sich dieser Thematik an. Die Historikerin Deike Reddig untersucht, wie Schiffsunglücke die menschliche Sicht auf das Meer beeinflussen und welche Bedeutung die Erinnerung an diese Ereignisse dabei einnimmt.

Als im Herbst 2023 die Frachter VERITY und POLESIE auf der Nordsee kollidierten, verfolgte Reddig das Geschehen mit großem Interesse. Die bundesweite Berichterstattung innerhalb von 24 Stunden bestätigte ihr, dass Schiffskatastrophen Ereignisse von gesamtgesellschaftlicher Relevanz sind.

Während ihres wissenschaftlichen Volontariats am DSM stieß Reddig auf einen blinden Fleck in der Forschung. Obwohl Schiffsunglücke seit der Odyssee Teil der westlichen Kulturgeschichte sind und viele Menschen von Katastrophen wie dem Untergang der TITANIC oder der LUSITANIA wissen, wurde diesem Thema in der Forschung des DSM bisher nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei ist durchaus Archivmaterial vorhanden. Reddig wählte für ihr Projekt vier dramatische Beispiele aus, die nicht nur lokale Bezüge aufweisen, sondern auch als Fenster dienen, um die sich wandelnde kulturelle Bedeutung des Meeres in verschiedenen historischen Kontexten zu analysieren. Der „Mystery-Faktor“, also die Ungewissheit über den genauen Hergang vieler Unglücke auf See, ist für Reddig von besonderem Interesse. Sie fragt: „Was macht es mit unserer Sicht auf das Meer, wenn Schiffe spurlos verschwinden?“

Segelschulschiff PAMIR: Eine Nation nimmt Anteil

Als das Segelschulschiff PAMIR 1957 sank und 80 Besatzungsmitglieder ums Leben kamen, nahm die gesamte Nation Anteil. Reddig fand in Zeitungsartikeln Hinweise darauf, dass mehrere Rundfunkanstalten ihr geplantes Tanzmusikprogramm in Klassik änderten, um der Tragödie Rechnung zu tragen. Ein weiteres Beispiel ist das Containerschiff MÜNCHEN, das 1978 mit einer Länge von 261 Metern als eines der größten seiner Zeit galt. Von Bremerhaven aus auf dem Weg nach Amerika, kämpfte der erfahrene Kapitän gegen Schneestürme und Hagel an. Am 12. Dezember ging plötzlich ein schwaches SOS über Funk – kurz darauf versank das Schiff. Bis heute ist die genaue Unglücksstelle unklar. Beim Gedenkgottesdienst im Bremer Dom nahmen mehr als 2.000 Menschen Abschied von der 28 Personen starken Mannschaft. Gutachter-Unterlagen der damaligen Seeamtsverhandlung im Scharoun-Bau befinden sich heute im DSM-Depot.

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Auch zum ESTONIA-Unglück von 1994 finden sich im DSM-Archiv Untersuchungsberichte, Gutachten und Vernehmungstranskripte. Ein Orkan riss damals die Bugklappe der Fahrzeugfähre heraus, wodurch rund 15.000 Tonnen Seewasser das Schiff fluteten. Innerhalb von weniger als 30 Minuten sank die ESTONIA vor der finnischen Insel Utö. „Viele Verschwörungstheorien ranken sich um die ESTONIA, auch weil die Unglücksstelle noch immer nicht überfahren oder betaucht werden darf und die Toten nicht geborgen wurden“, erläutert Reddig. Ein ungewöhnliches Exponat im DSM-Bestand ist ein Wrackmodell der gesunkenen Fähre. Während Schiffsmodelle sonst die Pracht und Schönheit von Schiffen hervorheben, zeigt dieses die Zerstörung. Reddig sucht gezielt nach solchen Objekten, die später im Ausstellungsbereich „Schiffsunglücke“ im sanierten Scharoun-Bau präsentiert werden können.

Erinnerungskultur: Wie Schiffsunglücke wahrgenommen werden

Ein Schwerpunkt von Reddigs Forschung liegt auf der Erinnerungskultur zu Schiffskatastrophen. Sie geht davon aus, dass die Art und Weise, wie über ein Thema gesprochen und in den Medien berichtet wird, beeinflusst, wie es sich als Teil unserer Vergangenheit manifestiert. Im 20. Jahrhundert vollzog sich ein Wandel in der menschlichen Wahrnehmung des Meeres. Reddig möchte ergründen, welche Rolle Schiffsunglücke bei dieser Veränderung spielten. Das Beispiel des Frachtschiffs PALLAS verdeutlicht exemplarisch, wie sich das Denken über das Meer von einer unerschöpflichen Ressourcenquelle hin zu einem bedrohten Naturraum entwickelt hat. 1998 fing die PALLAS in der Nordsee Feuer. Trotz aller Rettungsversuche scheiterte die Brandbekämpfung. Sturm und die geladenen 2,5 Tonnen Holz beschleunigten das Flammenmeer. Das ausgebrannte Geisterschiff strandete schließlich vor Amrum, sank und verlor Öl.

Obwohl Reddig in der DSM-Sammlung und in den Archiven der Seenotretter bereits umfangreiches Material zu den ausgewählten Schiffsunglücken gefunden hat, plant sie weitere Recherchereisen. Gedenkstätten und Archive in Schweden und Estland stehen auf ihrer Agenda, um auf europäischer Ebene kooperative Forschungen anzustoßen. Denn die Erinnerung an Katastrophen auf See ist nicht nur von lokalem Interesse, sondern berührt oft eine internationale Öffentlichkeit. Durch den Vergleich unterschiedlicher Erinnerungskulturen erhofft sich Reddig neue Erkenntnisse darüber, wie Schiffsunglücke die Sicht der Menschen das Meer geprägt haben und welche Lehren sie aus diesen Tragödien ziehen können.

Vom Schiffsunglück zur maritimen Tragödie

Die Forschungsarbeit von Deike Reddig zeigt, wie sich hinter jedem gesunkenen Schiff eine maritime Tragödie verbirgt, die nicht nur die direkt Betroffenen, sondern oft eine ganze Gesellschaft erschüttert. Durch die Analyse verschiedener Schiffsunglücke des 20. und 21. Jahrhunderts leistet sie einen Beitrag zum Verständnis der kulturellen Bedeutung des Meeres und der Rolle, die Katastrophen bei deren Wandel spielen.

Ein Beitrag von:

  • Julia Klinkusch

    Julia Klinkusch ist seit 2008 selbstständige Journalistin und hat sich auf Wissenschafts- und Gesundheitsthemen spezialisiert. Seit 2010 gehört sie zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Klima, KI, Technik, Umwelt, Medizin/Medizintechnik.

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