Öl-Kollaps droht 20.03.2026, 07:55 Uhr

IEA fordert radikale Fahrverbote und Tempolimits wegen Nahost-Krieg

Ölkrise im Nahen Osten: Die IEA empfiehlt Tempolimit, Homeoffice und weniger Autofahrten, um Haushalte und Unternehmen zu entlasten.

Autobahn im Siegerland

Wird es bald leerer auf unseren Autobahnen? Die Internationale Energieagentur fordert weniger Autofahrten und Tempolimits wegen des Iran-Kriegs und der Ölkrise.

Foto: picture alliance / Rene Traut Fotografie | Rene Traut

Die Lage auf dem Ölmarkt ist angespannt wie nie zuvor. Angesichts der Zuspitzung des Konflikts im Nahen Osten empfiehlt die Internationale Energieagentur (IEA) nun drastische Schritte: Ein allgemeines Tempolimit, mehr Homeoffice und ein Verzicht auf unnötige Autofahrten sollen Haushalte und Unternehmen entlasten.

In ihrem neuesten Bericht beschreibt die IEA die aktuelle Situation als die schwerste Angebotsstörung in der Geschichte des globalen Ölhandels. Das Nadelöhr ist dabei die Straße von Hormus. Normalerweise passieren täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte diese Meerenge – das entspricht etwa einem Fünftel des weltweiten Verbrauchs. Zuletzt kamen diese Lieferströme fast zum Erliegen, was die Preise für Diesel, Kerosin und Flüssiggas massiv nach oben treibt.

Warum der Verkehr im Fokus steht

Dass die IEA den Hebel vor allem beim Verkehr ansetzt, hat einen simplen Grund: Der Straßenverkehr verschlingt weltweit rund 45 % der Ölnachfrage. Wer hier spart, erzielt sofort Wirkung.

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Die Agentur schlägt deshalb zehn Sofortmaßnahmen vor, die ohne lange Vorlaufzeit umsetzbar sind:

  • Geringere Tempolimits auf Autobahnen.
  • Mehr Homeoffice, um Pendelwege zu streichen.
  • Fahrgemeinschaften und effizientere Logistik im Güterverkehr.
  • Alternative Zufahrtsregeln in Städten (z. B. nach geraden/ungeraden Kennzeichen).
  • Verzicht auf Kurzstreckenflüge, wo Videokonferenzen ausreichen.

Die Botschaft der IEA ist klar: „Die Nachfrageseite ist ein entscheidender Teil der Gleichung für unsere Energiesicherheit.“

Langsamer fahren, deutlich sparen

Ein zentrales Instrument ist die Reduzierung der Geschwindigkeit. Wer das Tempo auf Schnellstraßen um nur 10 km/h drosselt, senkt seinen persönlichen Kraftstoffverbrauch sofort um 5 % bis 10 %.

Dahinter steckt einfache Physik: Der Luftwiderstand wächst quadratisch zur Geschwindigkeit. Wer langsamer fährt, spart überproportional viel Energie – ein Effekt, der sich besonders auf Langstrecken spürbar summiert.

Homeoffice als Pendel-Bremse

Auch die Arbeit von zu Hause aus ist ein mächtiger Hebel. Laut Berechnungen der IEA könnten drei Tage Homeoffice pro Woche den nationalen Ölverbrauch durch Autos um bis zu 6 % senken. Für den Einzelnen, der gar nicht erst ins Auto steigt, liegt das Einsparpotenzial sogar bei bis zu 20 %.

Zwar räumt die IEA ein, dass dies in Schwellenländern schwieriger umzusetzen ist als in Industrienationen, doch das kurzfristige Potenzial bleibt enorm.

Bus, Bahn und der Verzicht aufs Fliegen

Neben dem Auto rücken Busse und Bahnen in den Fokus. Ein Umstieg auf den ÖPNV sowie mehr Radverkehr könnten den Ölverbrauch um weitere 1 % bis 3 % drücken. Auch beim Fliegen sieht die Agentur Spielraum: Würden Unternehmen 40 % ihrer Geschäftsreisen durch virtuelle Meetings ersetzen, sänke die Nachfrage nach Kerosin um bis zu 15 %.

Reserven allein reichen nicht aus

Bisher haben die Mitgliedstaaten bereits 400 Millionen Barrel aus strategischen Reserven freigegeben – die größte Menge der Geschichte. Doch die IEA warnt: Das Angebot allein wird das Problem nicht lösen. Nur wenn wir auch die Nachfrage aktiv senken, lässt sich der Druck auf die Preise und die Märkte wirksam begrenzen.

Fazit: Was in Deutschland seit Jahren als ideologische Debatte geführt wird, mutiert in der Krise zur Sachzwangs-Frage. Das IEA-Papier ist kein klassischer Umweltappell, sondern ein knallharter Krisenplan für die kommenden Wochen. Die Devise lautet: Langsamer fahren, Wege bündeln und Alternativen nutzen – jetzt kommt es auf jeden Liter an.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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