Öl-Kollaps droht 23.03.2026, 11:00 Uhr

IEA-Chef warnt: Deutschland droht die nächste Energiekrise mit voller Wucht

Fatih Birol schlägt Alarm: Die globale Energieversorgung steht vor einer historischen Belastungsprobe. Warum Deutschland jetzt besonders heikel dasteht.

Autobahn im Siegerland

Wird es bald leerer auf unseren Autobahnen? Die Internationale Energieagentur fordert weniger Autofahrten und Tempolimits wegen des Iran-Kriegs und der Ölkrise.

Foto: picture alliance / Rene Traut Fotografie | Rene Traut

Ein Weckruf aus Paris erinnert uns daran, wie verletzlich Deutschland aktuell ist. Laut IEA-Direktor Fatih Birol steht die weltweite Energieversorgung vor ihrer größten Prüfung. Deutschland spürt das besonders massiv: Mit dem Ende der Atomkraft haben wir uns für einen neuen Weg entschieden, stehen aber nun ohne die alten Puffer da, während die geopolitischen Spannungen eskalieren. Wir verlassen uns heute stärker auf globale Märkte und funktionierende Lieferketten, als es in dieser unsicheren Zeit ideal wäre.

Was sich derzeit im Nahen Osten zuspitzt, ist deshalb nicht nur eine weitere regionale Krise. Es ist ein Stresstest für das globale Energiesystem – und damit auch für den Industriestandort Deutschland. Krieg, gestörte Handelswege, bedrohte Infrastruktur und nervöse Märkte treffen auf ein System, das in vielen Ländern robuster wirkt, als es tatsächlich ist. Die Frage ist längst nicht mehr, ob Deutschland die Folgen spürt. Die entscheidende Frage lautet, wie hart sie ausfallen.

Die Straße von Hormus ist das Nadelöhr der Weltwirtschaft

Das eigentliche Beben geht von der Straße von Hormus aus – eines der wichtigsten Nadelöhre der Weltwirtschaft. Die Meerenge zwischen Iran und Oman ist eine zentrale Route für den globalen Öl- und LNG-Handel. Normalerweise passieren dort täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte. Das entspricht etwa einem Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs. Hinzu kommt ein erheblicher Teil des internationalen Flüssiggas-Handels.

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Wird dieser Korridor massiv gestört, bleibt das nicht regional begrenzt. Dann gerät ein zentraler Knoten des Weltenergiesystems unter Druck. Genau das geschieht derzeit. Nach Angaben der IEA sind die Ölströme durch die Straße von Hormus massiv eingebrochen. Damit wird aus einem geopolitischen Konflikt ein akutes Versorgungsproblem. Die wirtschaftliche Sprengkraft liegt nicht allein in steigenden Preisen. Sie liegt vor allem darin, dass an einem neuralgischen Punkt des Welthandels plötzlich Öl, Gas, Transporte, Lieferketten und industrielle Prozesse gleichzeitig unter Druck geraten.

Birols Warnung klingt drastisch – ist aber durch Zahlen gedeckt

Man könnte Birols Warnung für Alarmismus halten – doch die nackten Zahlen sprechen eine andere Sprache. Nach Angaben der IEA sind bereits rund 11 Millionen Barrel Ölversorgung pro Tag sowie rund 140 Milliarden Kubikmeter Gasangebot aus dem Markt gefallen. Damit übertrifft die aktuelle Störung laut IEA den kombinierten Effekt der Ölkrisen von 1973 und 1979 sowie des Gasausfalls nach Russlands Angriff auf die Ukraine.

Wir erleben hier keine gewöhnliche Marktschwankung mehr, sondern eine globale Versorgungskrise neuen Ausmaßes. Das Gefährliche daran: Früher traf es meist nur einen Rohstoff oder eine Region. Heute brennt es überall gleichzeitig – bei Öl, Gas, auf den Meeren und beim Vertrauen der Anleger. Diese Mischung treibt nicht nur die Preise; sie versetzt das gesamte System in eine Nervosität, die wie ein Brandbeschleuniger wirkt.

Strategische Reserven verschaffen Luft – mehr aber nicht

Dass die Lage ernst ist, zeigt auch der Blick auf die Notfallreserven. Die IEA-Staaten haben bereits 400 Millionen Barrel aus ihren strategischen Reserven freigegeben. Solche Reserven können die Märkte kurzfristig beruhigen und Engpässe abfedern. Aber sie lösen das Grundproblem nicht. Sie verschaffen Zeit.

Sollten zentrale Öl- und Gasströme über längere Zeit ausfallen oder stark gestört bleiben, lassen sich diese Lücken nicht dauerhaft mit Notvorräten schließen. Genau darin liegt eine unbequeme Wahrheit dieser Krise. Viele Volkswirtschaften haben sich daran gewöhnt, dass es im Zweifel noch Reserven, Puffer oder Ausweichrouten gibt. Wenn jedoch mehrere Belastungen gleichzeitig auftreten, wird diese Annahme schnell brüchig. Dann kann aus einer Marktstörung sehr schnell eine echte Versorgungsfrage werden.

Darum ist in Deutschland besonders heikel

Für Deutschland ist die Lage deshalb so heikel, weil hier alle Risiken gleichzeitig aufschlagen. Als exportorientierte Industrienation hängen wir am Tropf stabiler Lieferketten und berechenbarer Preise. Wenn Energie zum Luxusgut wird und Transportwege unsicher werden, trifft das nicht nur eine Branche – es trifft das Herz unserer Wirtschaft.

In diesem Licht bekommt die Kritik von IEA-Chef Birol eine besondere Schärfe. Man muss daraus keine ideologische Debatte über die Atomkraft machen, und die heutige Verwundbarkeit hat sicher mehr als nur eine Ursache. Doch zur Wahrheit gehört auch: Deutschland hat in einer Zeit wachsender globaler Spannungen feste Kapazitäten aus dem Netz genommen, ohne zeitgleich eine krisenfeste Ersatz-Architektur fertigzustellen. Das war schon unter normalen Bedingungen mutig – in der aktuellen Weltlage wirkt es riskant.

Dennoch wäre es zu billig, alles nur am Atomausstieg festzumachen. Echte Energiesicherheit hängt nicht an einer einzelnen Technologie. Sie entscheidet sich an modernen Speichern, intelligenten Netzen, vielfältigen Bezugsquellen und der Fähigkeit, Schocks abzufedern. Die Krise legt keinen isolierten Fehler offen, sondern zeigt uns die Baustellen in unserem gesamten System.

Was Trumps Drohung anrichten kann

Die Eskalation hat eine neue, beunruhigende Stufe erreicht: Sie greift nach dem Fundament unseres Alltags. Wenn US-Präsident Donald Trump damit droht, Irans Stromnetz anzugreifen, und Teheran im Gegenzug die Energieanlagen der gesamten Region ins Visier nimmt, verändert das den Charakter des Konflikts grundlegend. Es geht nicht mehr nur um militärische Stärke oder wirtschaftlichen Druck – es geht um die technischen Lebensadern der zivilen Gesellschaft.

Sobald Stromnetze, Kühlketten oder die Wasserversorgung zu legitimen Zielen erklärt werden, verlassen wir das Feld der klassischen Geopolitik. Ein Ausfall dieser Systeme wäre weit mehr als ein regionales Problem; es wäre ein humanitäres und wirtschaftliches Beben mit globalen Folgen. Genau dieser Übergang – weg von der fernen Krise, hin zum direkten Angriff auf die Infrastruktur des Lebens – macht die aktuelle Lage so brandgefährlich.

Was die IEA ändern will

Da die Angebotsseite allein das Loch nicht stopfen kann, rückt die IEA jetzt unsere Nachfrage in den Fokus. Homeoffice, weniger Geschäftsflüge oder ein Tempolimit auf Autobahnen – das klingt für viele nach einem verstaubten Echo der 70er-Jahre. Doch in Wahrheit ist es die nüchterne Antwort auf eine instabile Welt.

Besonders beim Tempolimit verfängt sich die Debatte hierzulande oft in Grabenkämpfen. Dabei ist die Logik dahinter keine Ideologie, sondern schlichte Physik: Der Luftwiderstand steigt im Quadrat zur Geschwindigkeit. Wer langsamer fährt, senkt den Verbrauch sofort und messbar.

Ähnlich verhält es sich mit Homeoffice und Geschäftsreisen. Weniger Pendelverkehr senkt die Ölnachfrage, weniger Flüge den Kerosinverbrauch. Keine dieser Maßnahmen ist für sich genommen eine Wunderlösung. In der Summe können sie aber dazu beitragen, den Druck auf das System zu verringern. Und genau darauf kommt es in einer angespannten Versorgungslage an.

Die eigentliche Lehre ist für Deutschland unangenehm

Die vielleicht wichtigste Lehre dieser Krise ist unbequem: Wir in Deutschland und Europa sind bei weitem nicht so krisenfest, wie wir es uns gerne einreden. Begriffe wie ‚Resilienz‘ und ‚Souveränität‘ zierten jahrelang jedes Strategiepapier – doch die Realität zeigt nun gnadenlos, wie schnell unser hochkomplexes System wackelt, wenn nur ein paar zentrale Knotenpunkte unter Druck geraten.

Für alle, die unsere Energie und Industrie planen, ist die Botschaft unmissverständlich: Effizienz und Dezentralität sind keine netten Nebenschauplätze mehr. Lokale Erzeugung, intelligente Speicher, flexible Netze und breiter aufgestellte Importwege sind das neue Fundament unserer staatlichen Sicherheit. Jede Kilowattstunde, die wir vor Ort erzeugen oder gar nicht erst verbrauchen, macht uns ein Stück unangreifbarer. Echte Krisenfestigkeit entsteht nicht durch Hoffen auf ruhige Weltmeere, sondern durch ein System, das Schocks aus eigener Kraft abfedern kann.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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