Audi RS 5 im Technik-Check: Kann ein 2,4-t-Hybrid noch Sportwagen sein?
First Drive in Marokko: Der Audi RS 5 kombiniert V6-Biturbo und Elektromotor. Wie gut funktioniert der Hybrid-Sportler wirklich?
In Marokko musste der Audi RS 5 beim "First Drive" seine technische Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen.
Foto: AUDI AG
Audi elektrifiziert seine RS-Modelle – und der neue RS 5 ist der erste Schritt. Zum ersten Mal kombiniert Audi Sport einen klassischen Biturbo-Sechszylinder mit einem Plug-in-Hybridantrieb. Das Ergebnis ist ein Fahrzeug mit 639 PS Systemleistung und 825 Nm Drehmoment.
Die Zahlen wirken beeindruckend. Gleichzeitig bringt der neue RS 5 eine Eigenschaft mit, die im Sportwagensegment selten geworden ist: ein Gewicht von rund 2,4 t. Beim „First Drive“ in Marokko musste der elektrifizierte RS zeigen, ob moderne Fahrwerkstechnik diese Masse tatsächlich kaschieren kann.
Inhaltsverzeichnis
Rennstrecke als erster Prüfstand
Die Testfahrten begannen auf dem Circuit de Marrakech. Der Kurs kombiniert schnelle Richtungswechsel mit engen Kurven und eignet sich gut, um Fahrwerk und Antrieb zu analysieren.
Im Mittelpunkt steht ein neues quattro-System mit Dynamic Torque Control. Dabei handelt es sich um eine elektromechanisch gesteuerte Drehmomentverteilung an der Hinterachse. Ein spezielles Hinterachsgetriebe verteilt die Kraft aktiv zwischen den Rädern.
Die Steuerung erfolgt über Kupplungen und Aktuatoren, die innerhalb von Millisekunden eingreifen können. Steffen Bamberger, Leiter Technische Entwicklung bei Audi Sport, beschreibt das Konzept so: „Unser Ziel war klar: Ein Fahrzeug, das leichtfüßig, präzise und jederzeit kontrollierbar ist.“
Auf der Strecke zeigt sich schnell, warum Audi diese Technik einsetzt. Trotz der hohen Masse reagiert der RS 5 überraschend direkt auf Lenkbefehle. Beim Einlenken stabilisiert die Drehmomentverteilung das Fahrzeug, beim Herausbeschleunigen verhindert sie ein Durchdrehen der Räder.

Hybridantrieb mit klarer Leistungsstrategie
Der Antrieb kombiniert einen 2,9-Liter-V6-Biturbo mit einer im Getriebe integrierten E-Maschine. Der Verbrenner liefert 510 PS, der Elektromotor rund 177 PS. Zusammen ergibt das 639 PS Systemleistung.
Der Vorteil dieser Kombination liegt vor allem im Drehmomentverlauf. Elektromotoren liefern ihre Kraft sofort. Dadurch reagiert das Fahrzeug beim Beschleunigen spontaner als klassische Turbomotoren.
Rolf Michl, Geschäftsführer der Audi Sport GmbH, sagt dazu: „Mit dem Audi RS 5 eröffnen wir eine neue Leistungsklasse im Segment – dank neuer PHEV-Technologie ist er knapp 200 PS stärker als der erfolgreiche Vorgänger RS 4.“ Die Leistungswerte sind entsprechend hoch. Der RS 5 beschleunigt in 3,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht bis zu 285 km/h.
Das zentrale Problem: das Gewicht
Der Hybridantrieb bringt jedoch eine klare Konsequenz mit sich: mehr Masse.
Batterie, Elektromotor, Leistungselektronik und zusätzliche Kühlung treiben das Fahrzeuggewicht auf rund 2,4 t. Für ein Fahrzeug der Mittelklasse ist das ungewöhnlich hoch. Viele große Luxuslimousinen liegen in einem ähnlichen Bereich.
Damit zeigt der RS 5 ein grundlegendes Dilemma moderner Performance-Autos. Elektrifizierung steigert Leistung und Effizienz – bringt aber auch zusätzliche Technik und Gewicht.
Audi versucht diesen Nachteil mit aufwendiger Fahrwerkstechnik zu kompensieren. Torque Vectoring, adaptives Fahrwerk und elektrische Unterstützung sollen die zusätzliche Masse kaschieren. Das gelingt überraschend gut. Trotzdem bleibt der RS 5 eines der schwersten Fahrzeuge in seiner Klasse.

Warum Audi beim V6 bleibt
Interessant ist auch die Motorstrategie. Audi bleibt beim Sechszylinder, während Konkurrenten einen anderen Weg gehen. Bei Mercedes-AMG ersetzte ein hochgezüchteter Vierzylinder-Hybrid den früheren V8 im C 63. Die Entscheidung stieß bei vielen Kundinnen und Kunden auf Kritik.
Audi wollte diesen Schritt offenbar vermeiden. Rolf Michl sagte dazu: „Wir haben nicht eine einzige Sekunde darüber nachgedacht, den RS-5-Motor zu verkleinern.“ Der Sechszylinder bleibt also ein wichtiger Teil der RS-Identität.
Kurvenjagd im Atlasgebirge
Nach der Rennstrecke führte die Route in das Atlasgebirge. Die engen Serpentinen sind ein realistischer Test für Fahrwerk und Traktion. Hier arbeitet das RS-Sportfahrwerk mit Zwei-Ventil-Dämpfern. Diese Technik erlaubt eine schnelle Anpassung der Dämpferkräfte. Unebenheiten werden absorbiert, während die Karosseriebewegungen begrenzt bleiben.
Zusätzlich erhielt der RS 5 eine direktere Lenkung. Die Übersetzung liegt bei etwa 13:1, während Serienfahrzeuge meist bei etwa 15:1 liegen. Das Ergebnis ist ein deutlich präziseres Lenkgefühl. Besonders auf engen Bergstraßen wirkt der Wagen agiler, als das Gewicht vermuten lässt.
Audi-Chef Gernot Döllner betont: „Unsere Weltneuheit, quattro mit Dynamic Torque Control, zeigt eindrucksvoll, dass höchste Agilität und souveräne Stabilität keine Gegensätze sind.“

Elektrisch unterwegs – auch im RS
Der Plug-in-Hybrid ermöglicht auch rein elektrisches Fahren. Der Akku besitzt rund 22 kWh Kapazität. Damit soll der RS 5 laut Hersteller bis zu 80 Kilometer elektrisch fahren können. Im Elektromodus erreicht das Fahrzeug Geschwindigkeiten von bis zu 140 km/h.
Diese Werte gelten allerdings nach WLTP-Norm. In der Praxis dürfte die Reichweite deutlich variieren – besonders bei dynamischer Fahrweise.
Gleichzeitig entsteht ein ungewöhnlicher Charakter. Der RS 5 kann über längere Strecken nahezu lautlos fahren. Das passt zur Logik moderner Hybridtechnik – wirkt im Kontext eines RS-Modells jedoch fast paradox.
Driftmodus und digitale Spielereien
Neben klassischer Fahrdynamik setzt Audi auch auf neue digitale Funktionen. Im RS Torque Rear Mode kann das System gezielt Drehmoment an ein Hinterrad schicken. Dadurch lässt sich das Fahrzeug kontrolliert zum Driften bringen.
Eine App zeichnet dabei Driftwinkel und Querkräfte auf. Fahrerinnen und Fahrer können die Daten anschließend analysieren.
Technisch ist das interessant – gleichzeitig zeigt es, wie stark moderne Performance-Autos auch auf digitale Erlebnisfunktionen setzen.
Alltagstauglichkeit als Verkaufsargument
Audi betont, dass der RS 5 nicht nur auf der Rennstrecke funktionieren soll. Das Fahrzeug bietet relativ viel Innenraum, eine große Heckklappe und komfortable Sitze. Damit positioniert Audi den RS 5 auch als Dienstwagen für leistungsorientierte Kundschaft.
Der Plug-in-Hybrid bringt dabei steuerliche Vorteile in vielen europäischen Märkten. Genau diese Kombination aus Leistung und elektrischer Reichweite könnte für viele Käuferinnen und Käufer entscheidend sein.
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