Katastrophenschutz 21.02.2025, 12:15 Uhr

Antennen der Mücken sollen vor Tsunamis und Erdbeben warnen

Mücken haben feine Antennen, mit denen sie Vibrationen wahrnehmen können. Forschende haben sie nachgebaut und wollen sie im Katastrophenschutz einsetzen.

Mücke auf Haut

Mücken mag eigentlich keiner, doch ihre feinen Antennen könnten dabei helfen, eine Technik zu entwickeln, die vor Erdbeben oder Tsunamis warnt.

Foto: PantherMedia / Daniel Neumann

Mücken gehören zweifellos zu den unbeliebtesten Lebewesen auf unserem Planeten. Doch genau diese kleinen Insekten könnten zukünftig eine große Rolle im Katastrophenschutz spielen. Forschende der US-amerikanischen Purdue University haben entdeckt, dass die besondere Fähigkeit der Mücken, Vibrationen über ihre Antennen wahrzunehmen, technologische Innovationen inspirieren könnte – insbesondere bei der Früherkennung von Naturkatastrophen wie Erdbeben und Tsunamis.

Die unsichtbaren Ohren der Mücken

Obwohl Mücken keine Ohren im herkömmlichen Sinne besitzen, sind sie keineswegs taub. Sie nutzen ihre Antennen als empfindliche Sinnesorgane, um Schallwellen wahrzunehmen. Diese Antennen sind mit winzigen Sinneshaaren bedeckt, die auf die geringsten Vibrationen in der Luft reagieren. Dadurch können Mücken gezielt Geräusche herausfiltern, die für ihr Überleben relevant sind – wie die Flügelschläge von Artgenossen oder die Laute potenzieller Fressfeinde.

Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Purdue University, geleitet von den Professor*innen Pablo Zavattieri und Ximena Bernal, hat sich die Fähigkeit der Mücken zunutze gemacht, um neue Wege für akustische Sensoren zu erforschen. Ihre Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Acta Biomaterialia veröffentlicht.

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„Wir befinden uns noch in der Anfangsphase, aber wir sind ziemlich optimistisch, dass wir zumindest eine Menge lernen werden“, sagt Zavattieri, Professor für Bauingenieurwesen. Er betont, wie sehr die Technik schon immer von der Natur inspiriert wurde, um innovative Lösungen zu entwickeln.

3D-gedruckte Moskitokopf

Pablo Zavattieri hält einen 3D-gedruckten Moskitokopf in der Hand. Sein Team stellt Mückenantennen nach, um ihre Empfindlichkeit gegenüber Vibrationen besser untersuchen zu können, was die Überwachung und Erkennung von Naturkatastrophen verbessern könnte.

Foto: Purdue University photo/Drew Stone

Erkenntnisse aus der Analyse der Mückenantennen

Die Doktorandin Phani Saketh Dasika hat mithilfe moderner Mikro-CT-Bildgebung hochpräzise 3D-Modelle der Mückenantennen erstellt. Diese Modelle dienten als Grundlage für eine Finite-Elemente-Analyse, mit der die Forschenden herausfinden wollten, wie genau die Antennen Schallwellen erkennen und verarbeiten.

Die Studie ergab, dass die architektonischen Merkmale der Mückenantennen eine gezielte akustische Wahrnehmung ermöglichen. Selbst in einer lauten Umgebung können Mücken gezielt relevante Geräusche wahrnehmen. Zudem zeigte sich, dass die Antennen ein größeres Frequenzspektrum erfassen, als bislang angenommen wurde – auch wenn nicht alle Frequenzen aktiv genutzt werden.

Der Weg zu neuen Sensoren

Die Forschungsergebnisse eröffnen spannende Perspektiven für die Entwicklung neuer akustischer Sensoren. Das Team verglich die Antennen verschiedener Mückenarten, die Schall für unterschiedliche Zwecke nutzen – etwa zur Partnersuche oder zum Belauschen von Beutetieren wie Fröschen. Diese Analysen ermöglichten es, Merkmale zu identifizieren, die die Hörempfindlichkeit beeinflussen.

„Das Verständnis der Funktionsweise dieser Strukturen ist der erste Schritt zur Entwicklung akustischer Sensoren, die von ihren empfindlichen Antennen inspiriert sind“, erklärt Ximena Bernal, Professorin für Biowissenschaften.

Potenzielle Anwendungen

Neben der Erkennung von Naturkatastrophen könnten die gewonnenen Erkenntnisse auch in anderen Bereichen Anwendung finden. So könnten beispielsweise intelligente, geräuschunterdrückende Materialien entwickelt werden, die den Lärmpegel in Gebäuden reduzieren oder bei Kopfhörern für bessere Klangqualität sorgen.

Zavattieri denkt bereits weiter: „Stellen Sie sich städtische Umgebungen vor, die mit bioinspirierten Sensoren ausgestattet sind, die wie ‚große Ohren‘ funktionieren und bestimmte Geräusche inmitten des Trubels erkennen.“ Diese Technologie könnte in Krisensituationen – wie Erdbeben oder Gebäudeeinstürzen – helfen, schwache Notsignale zu erfassen und so Rettungskräfte schneller zu den Betroffenen führen.

Die nächsten Schritte

Aktuell arbeitet das Forschungsteam daran, die besonderen Eigenschaften der Mückenantennen durch 3D-Druck nachzubilden. Dabei kommen unterschiedliche Materialien und Größen zum Einsatz, um herauszufinden, welche Strukturen sich am besten für bestimmte Frequenzbereiche eignen.

Sollte dieser Ansatz erfolgreich sein, könnten bioinspirierte Sensoren bald eine Schlüsselrolle bei der Überwachung von Umweltphänomenen spielen. Dies würde nicht nur die Erkennung von Naturkatastrophen verbessern, sondern auch in anderen Bereichen neue technologische Möglichkeiten eröffnen.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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