Zahl der Todeszonen nimmt zu 10.12.2019, 12:07 Uhr

Sauerstoffmangel in den Ozeanen

Der Klimawandel bringt für die Weltmeere drastische Veränderungen mit sich. Betroffen sind die Pflanzen und Bewohner. Das hat auch Auswirkungen auf die Menschheit. Auch die Ostsee ist schon angezählt.

Meer Blick Himmel

Gefahrenzone Meer.

Foto: panthermedia.net/Iakov

Was vielen Meeresregionen noch passieren wird ließ sich in den vergangenen Jahren schon vor der Küste des US-Bundesstaats Oregon beobachten. Der Sauerstoffgehgalt nahm dramatisch ab. Das führte zu einem Massensterben von Krebsen und Fischen. Die neue Todeszone ist vermutlich auf Veränderungen im Klima zurückzuführen. Die vor der Westküste der USA vorherrschenden Winde haben ihre Richtung und Intensität geändert. Damit veränderten sich auch die Meeresströmungen, die bis vor einigen Jahren sauerstoffreiches Oberflächenwasser heran trieben. Die Folge: Aus der Tiefe steigt mehr sauerstoffarmes oder gar -freies Wasser auf. Mittlerweile gibt es rund 700 dieser küstennahen Todeszonen.

Sauerstoffmangel: Vor allem größere Meerestiere sind bedroht

In den Sechzigerjahren gab es weltweit nur 45 dieser Todeszonen. Das steht in einem Bericht, den die Weltnaturschutzunion (IUCN) bei der Weltklimakonferenz in Madrid vorstellte. „Das ist möglicherweise das letzte Alarmsignal“, mahnt Dan Laffoley, einer der Herausgeber des Berichts und weltweit anerkannter Meeresforscher. Die Ausweitung der Todeszonen bedroht vor allem größere Tiere. Sie weichen in Zonen aus, in denen sie noch genügend Sauerstoff finden.

Die Weltnaturschutzunion hat zu ihrem Bericht eine Infografik zum Sauerstoffmangel in den Weltmeeren veröffentlicht. Hier können Sie die Grafik downloaden.

Die Todeszonen könnten sich schneller ausdehnen als bisher vermutet. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Sabine Lengger von der University of Plymouth im Vereinigten Königreich leitete. Sie und ihre Kollegen gehen davon aus, dass die Menge an abgestorbenen und auf den Meeresgrund absinkenden Algen immer schneller wächst. Dafür gibt es 3 Ursachen:

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  1. Eintrag von übermäßig vielen Nährstoffen. Diese lassen Algen übermäßig wachsen. Nach einer Weile sterben sie ab und sinken dem Meeresboden entgegen. Zersetzt werden sie von Bakterien, die dazu Sauerstoff benötigen.
  2. Durch Erwärmung des Oberflächenwassers wird die Durchmischung mit Tiefenwasser gestört, sodass tiefer liegende Schichten nicht mehr mit sauerstoffreichem Wasser versorgt werden.
  3. In einigen Regionen gelangt nährstoffreiches Tiefenwasser durch veränderte Windrichtungen auf. Das führt, wie im ersten Fall, zu verstärktem Algenwachstum.

Ostsee: Todeszone wuchs um das Zwölffache

Auch Europa ist bereits betroffen. 2014 berichtete ein dänisch-schwedisches Forscherteam von der Universität Aarhus, dass die Areale in der Ostsee mit extremem Sauerstoffmangel zwischen 1898 und 2012 von 5000 auf 60.000 Quadratkilometer und damit um das Zwölffache angewachsen seien.

Seit 1960 sei der Sauerstoffgehalt in den Weltmeeren im Durchschnitt um 2 % zurückgegangen, so Forscher um Sunke Schmidtko vom Ozean-Forschungszentrum Geomar in Kiel. „Zwei oder drei Prozent weniger Sauerstoff sind keine Überlebensfrage; das ist ähnlich wie wenn wir in die Berge gehen, wo die Luft dünner ist“, sagt Schmidtkos Kollege Martin Visbeck. „Aber es ist sicher nicht gut, jeder weitere Stressfaktor ist ein Problem.“ Ohnehin kämpft das Meer bereits gegen Versauerung durch die Aufnahme von übermäßig viel Kohlendioxid, auch das eine Folge des Klimawandels.

Sauerstoffproduktion ist bedroht

„In nicht berechenbarer Weise werden sich sowohl die Bestände selbst als auch ihre Verbreitung – sowohl kommerziell bedeutender als auch nicht kommerziell genutzter Fischarten – verändern, stellte das Umweltbundesamt bereits im März dieses Jahres fest. Das dürfte zum Problem für die Fischerei werden. Auch die Pflanzenwelt ist betroffen, mit besonders drastischen Folgen. Photosynthetisch aktive Pflanzen und Bakterien, die im Wasser leben, erzeugen etwa genauso viel Sauerstoff und binden dabei genauso viel Kohlenstoff wie sämtliche Landpflanzen zusammen. Dabei macht ihre Masse nur ein Zweihundertstel der Landpflanzen aus. Die Wasserpflanzen sind demnach 200 Mal aktiver in der Sauerstoffproduktion und der Bindung von Kohlendioxid. Wenn dieser Kreislauf ernsthaft gestört wird sind die Folgen kaum auszudenken.

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Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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