CLIMATE ENGINEERING 26.02.2014, 13:14 Uhr

Kurios: Die Erde wird wärmer durch neue Wälder

Spiegel im Weltraum und andere Großtechnologien zur Verhinderung einer Klimakatastrophe auf der Erde würden alles nur noch schlimmer machen. Das ist das Fazit einer Studie Kieler Wissenschaftler.

Spiegel im Weltall, hier eine Simulation der NASA, könnten noch am ehesten den Klimawandel auf der Erde bremsen. Wenn die Spiegel ausfallen, würde sich aber der Klimawandel noch stärker beschleunigen, so eine Studie von Klimaforschern in Kiel. Fazit der Studie: Geo-Engineering schadet mehr als es nutzt.

Spiegel im Weltall, hier eine Simulation der NASA, könnten noch am ehesten den Klimawandel auf der Erde bremsen. Wenn die Spiegel ausfallen, würde sich aber der Klimawandel noch stärker beschleunigen, so eine Studie von Klimaforschern in Kiel. Fazit der Studie: Geo-Engineering schadet mehr als es nutzt.

Foto: NASA

Finger weg von allen Technologien, mit denen sich die Klimafolgen vermeintlich mildern lassen: Das ist das Resümee einer groß angelegten Computersimulation am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GeoMar). Ein Team um den Forscher David Keller berücksichtigte drei Vorschläge zur Senkung oder Stabilisierung der Temperatur auf der Erde: riesige Spiegel im Weltraum, die einen Teil der Sonneneinstrahlung durch Reflektion verhindern, die Aufforstung gewaltiger Wüstengebiete und eine Düngung der Ozeane, sodass sie mehr Kohlendioxid aufnehmen können.

Die einzige Maßnahme, die die Erderwärmung verringern könnte, seien Spiegel im Weltraum, fanden die Forscher heraus. Sollten diese allerdings aus technischen oder politischen Gründen irgendwann ausfallen, setze sich die Erderwärmung schneller fort als ohne diesen Eingriff.

Aufforstung der Wüsten heizt die Erde zusätzlich auf

Den Klimawandel noch verstärken würde die Aufforstung von Wüstengebieten in Nordafrika und Mittelaustralien. Zwar würden die neuen Wälder große Mengen an Kohlendioxid für lange Zeit einlagern. Weil aber der Anteil der dunklen Landfläche um hunderttausende Quadratkilometer zunehme, erwärme sich die Erde noch schneller. Heller Sand schleudert die Infrarotstrahlen der Sonne ins Weltall zurück. Dunkle Wälder dagegen absorbieren die Wärme.

Klimaforscher Dr. David Keller simulierte in einem globalen Erdmodell fünf verschiedene Climate Engineering-Maßnahmen. Die meisten Projekte schaden mehr als sie nutzen. Nur Spiegel im All erreichen eine positive Wirkung.

Klimaforscher Dr. David Keller simulierte in einem globalen Erdmodell fünf verschiedene Climate Engineering-Maßnahmen. Die meisten Projekte schaden mehr als sie nutzen. Nur Spiegel im All erreichen eine positive Wirkung.

Quelle: Rita Erven/Geomar

Besonders gefährlich seien Chemikalien, die für eine verstärkte Aufnahme von Kohlendioxid in den Weltmeeren sorgen. Sie regen das Wachstum von Algen an, sorgen aber für eine Zunahme sauerstoffarmer Zonen, in denen Meeresbewohner nicht überleben können. Auch die zunehmende Versauerung des Wassers – Kohlendioxid verwandelt es in Kohlensäure – beeinträchtigt die Meeresfauna.

Climate Engineering nennen sich derartige Eingriffe, die weltweit diskutiert werden, weil die Menschheit es nicht schafft, die Emissionen von Klimagasen zu reduzieren. Im Gegenteil: Der Ausstoß von Klimagasen nimmt weiter zu. Schuld daran sind nicht zuletzt Länder, die ihre Industrialisierung mit Macht vorantreiben wie Indien und China, das derzeit im Smog nahezu erstickt. Er bildet sich aus den Abgasen von veralteten Kohlekraftwerken, die minderwertigen Brennstoff verfeuern, und aus ineffizienten Automotoren. Beide emittieren neben Rußpartikeln und anderen Schadstoffen unverhältnismäßig viel Kohlendioxid. 400 Millionen Menschen sind aktuell weltweit vom Smog betroffen.

Bisherige Studien nur Schwer vergleichbar

Bisher gab es zwar auch schon Untersuchungen zu den Folgen von Climate Engineering, die allerdings keine zuverlässige Aussagekraft hatten. „Das Problem bei bisherigen Studien war, dass meist nur einzelne Techniken mit unterschiedlichen Modellen und verschiedenen Grundannahmen untersucht wurden“, sagt Keller. „Dabei gab es zwar Hinweise auf einzelne Nebenwirkungen, aber verschiedene Studien berücksichtigten verschiedene Teilaspekte des Erdsystems und waren damit schwer vergleichbar.“

Die Kieler Wissenschaftler betrachten dagegen das Gesamtsystem, wobei auch die Einflüsse der Einzelmaßnahmen aufeinander berücksichtigt werden. Die Studie erschien in der internationalen Fachzeitschrift „Nature Communications“.

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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