Forschung aus Potsdam 28.10.2025, 12:30 Uhr

Zwerggalaxien liefern neuen Hinweis auf Dunkle Materie

Eine neue Studie des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam (AIP) liefert starke Hinweise darauf, dass die Bewegungen von Sternen in Zwerggalaxien nur durch Dunkle Materie erklärt werden können.

Neue AIP-Studie zeigt: Nur Dunkle Materie erklärt die Bewegung von Zwerggalaxien – MOND-Theorie verliert an Boden.

Foto: ESO/ DSS2 (D. De Martin); DES (S.E. Koposov), composition: AIP ( M. P. Júlio)

Neue AIP-Studie zeigt: Nur Dunkle Materie erklärt die Bewegung von Zwerggalaxien – MOND-Theorie verliert an Boden.

Foto: ESO/ DSS2 (D. De Martin); DES (S.E. Koposov), composition: AIP ( M. P. Júlio)

Das Forscherteam um das AIP analysierte die Sternengeschwindigkeiten in extrem kleinen, lichtschwachen Galaxien und fand heraus: Die beobachteten Gravitationsfelder lassen sich nicht allein aus der sichtbaren Materie ableiten. Damit stellt die Arbeit ein zentrales Element der alternativen Gravitationstheorie MOND (Modifizierte Newtonsche Dynamik) infrage, die bislang als mögliche Erklärung für ungewöhnliche Galaxienbewegungen galt.

Der ewige Streit um Dunkle Materie

Die Frage, warum sich Galaxien schneller drehen, als es ihre sichtbare Masse erlaubt, beschäftigt die Astronomie seit über 50 Jahren. Schon in den 1970er-Jahren bemerkte die US-Astronomin Vera Rubin, dass die Rotationsgeschwindigkeiten in Spiralgalaxien nicht – wie nach Newtons Gesetzen zu erwarten – mit wachsendem Abstand vom Zentrum abnehmen. Stattdessen blieben sie konstant. Diese Beobachtung lässt sich nur schwer mit der bekannten Materie in den Galaxien erklären.

Seither konkurrieren hauptsächlich zwei Theorien miteinander:

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Titan Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Einkäufer (m/w/d/) Titan Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung Umweltplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Excelitas Deutschland GmbH-Firmenlogo
Qualitätsingenieur (w/m/d) Produktentwicklung Excelitas Deutschland GmbH
Feldkirchen Zum Job 
Heraeus Site Operations GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) für Bauprojekte Heraeus Site Operations GmbH & Co. KG
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur mit Projektverantwortung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts-Firmenlogo
Experte / Expertin Bauwesen (w/m/d) in der Abteilung Gebäudemanagement / Verwaltung Mainz SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts
J.P. Sauer & Sohn Maschinenbau GmbH-Firmenlogo
Elektroingenieur (m/w/d) Produktindustrialisierung J.P. Sauer & Sohn Maschinenbau GmbH
ai6 SOLUTIONS GmbH-Firmenlogo
Entwickler Mechanik / Konstruktion (m/w/d) ai6 SOLUTIONS GmbH
Dessau-Roßlau Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Key Account Manager Sicherheit und Verteidigung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
KLEBL GmbH-Firmenlogo
Technischer Angestellter (m/w/d) Nachhaltigkeitsmanagement im Bereich Hochbau KLEBL GmbH
Neumarkt Zum Job 
Schöpflin Stiftung-Firmenlogo
Head of Operations (m/w/d) Schöpflin Stiftung
Lörrach Zum Job 
Humboldt-Universität zu Berlin Abteilung Haushalt und Personal Referat Personalwirtschaft III C 6-Firmenlogo
Ingenieur*in Nachrichtentechnik (m/w/d) Humboldt-Universität zu Berlin Abteilung Haushalt und Personal Referat Personalwirtschaft III C 6
Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr-Firmenlogo
Bauingenieur - Sachgebietsleitung Kreisstraßenmanagement (w/m/d) Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr
Staatliches Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig-Firmenlogo
Ingenieur/-in / Naturwissenschaftler/-in (m/w/d) für den Einsatz im Bereich Medizintechnik/-Produkte Staatliches Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig
Braunschweig Zum Job 
Aerologic GmbH-Firmenlogo
Engineer Aircraft Reliability & Maintenance Program (m/f/x) Aerologic GmbH
Schkeuditz Zum Job 
Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH-Firmenlogo
Kalkulator Tiefbau (m/w/d) für den Bereich Wasser/Abwasser Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH
Halle (Saale) Zum Job 
Seppeler Holding & Verwaltungs GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Verfahrenstechniker / Ingenieur Verfahrenstechnik (m/w/d) Seppeler Holding & Verwaltungs GmbH & Co. KG
Rietberg Zum Job 
GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur*in oder Physiker*in (d/m/w) GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH
Darmstadt Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) konstruktiver Ingenieurbau Die Autobahn GmbH des Bundes
GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur*innen (d/m/w) GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH
Darmstadt Zum Job 

Dunkle Materie: Nach dem Modell besteht ein Großteil der Masse des Universums aus unsichtbarer Materie, die weder Licht aussendet noch reflektiert. Sie wirkt ausschließlich über die Gravitation und sorgt dafür, dass Galaxien stabil bleiben. Laut Schätzungen macht Dunkle Materie rund 85 % der gesamten Materie des Universums aus.

MOND – Modifizierte Newtonsche Dynamik: In den 1980er-Jahren schlug der israelische Physiker Mordehai Milgrom die MOND-Theorie vor. Sie geht davon aus, dass die bekannten Gravitationsgesetze bei extrem kleinen Beschleunigungen, wie sie auch in den Außenbereichen von Galaxien herrschen, nicht mehr gelten. Demnach wäre keine Dunkle Materie nötig.

Die neuen Ergebnisse aus Potsdam bringen Bewegung in diese jahrzehntelange Kontroverse. Sie zeigen, dass selbst in den kleinsten Galaxien die Gravitation stärker wirkt, als sichtbare Materie – also Sterne und Gas – erklären kann. Ein klares Indiz für die Existenz Dunkler Materie und ein Rückschlag für die MOND-Hypothese.

Zwerggalaxien als Schlüssel zum Rätsel

Um die grundlegenden physikalischen Prozesse im Universum zu verstehen, richten Forschende ihren Blick auf sogenannte Zwerggalaxien. Diese Systeme sind winzig im Vergleich zur Milchstraße oder der Andromedagalaxie. Sie enthalten oft nur wenige Millionen Sterne und gehören zu den lichtschwächsten Strukturen des Kosmos. Gerade deshalb sind sie für Astrophysiker besonders interessant: In ihnen treten die Einflüsse Dunkler Materie oder Abweichungen der Gravitationseffekte besonders deutlich auf, da der Anteil der sichtbaren Materie extrem gering ist.

Das Team des AIP untersuchte daher zwölf solcher Galaxien und analysierte die Sternenbewegungen mit großer Präzision. Die Daten stammen aus bodengebundenen Großteleskopen und wurden durch numerische Simulationen ergänzt, die auf dem britischen DiRAC National Supercomputer durchgeführt wurden.

In diesen Simulationen berechneten die Forschenden, wie sich die Sterne innerhalb der Galaxien bewegen sollten, wenn ihre Gravitation ausschließlich durch die sichtbare Materie bestimmt wäre.

„Sowohl unsere Beobachtungen als auch die EDGE-Simulationen zeigen eindeutig: Die Dynamik dieser Systeme lässt sich nicht ohne Dunkle Materie erklären“, erklärt Mariana Júlio, Hauptautorin der Studie.

Nur Modelle, die einen massereichen, unsichtbaren Halo aus Dunkler Materie um jede dieser Zwerggalaxien voraussetzen, reproduzierten die gemessenen Bewegungen korrekt. Diese Dunkle-Materie-Halos scheinen die Strukturen stabil zu halten und verhindern, dass sie durch äußere Einflüsse, etwa die Gravitation benachbarter Galaxien, auseinandergerissen werden.

Alte Annahmen über Galaxienverhalten infrage gestellt

Die neue Untersuchung stellt auch eine bislang als gesichert geltende Regel, die radiale Beschleunigungsbeziehung, auf den Prüfstand. Diese beschreibt, wie eng in einer Galaxie die sichtbare Materie mit der Gravitationskraft verknüpft ist, die ihre Bewegung bestimmt. Vereinfacht gesagt: Je mehr sichtbare Masse vorhanden ist, desto stärker sollte auch die Gravitation sein.

Für große Galaxien wie die Milchstraße oder Andromeda funktioniert dieses Prinzip erstaunlich gut. Doch die Studie zeigt, dass diese Regel in den kleinsten Galaxien nicht mehr gilt. Die untersuchten Zwerggalaxien weichen deutlich von diesem Muster ab. Sie zeigen höhere Gravitationsbeschleunigungen, als die sichtbare Materie erwarten ließe. In manchen Fällen erzeugt dieselbe Menge an leuchtender Materie völlig unterschiedliche Gravitationsfelder. Ein Hinweis darauf, dass unsichtbare Komponenten das Verhalten dominieren.

„Unsere Ergebnisse bestätigen, dass die Gravitation in diesen Zwerggalaxien nicht allein durch das bestimmt wird, was wir sehen“, sagt Dr. Marcel Pawlowski vom AIP.

Bedeutung für die Kosmologie

Die neuen Erkenntnisse haben weitreichende Folgen für das Verständnis der Gravitationseffekte und der Entwicklung des Universums. Mit der klaren Abweichung der Zwerggalaxien von den Vorhersagen der MOND-Theorie verengt die Studie den Spielraum alternativer Gravitationserklärungen erheblich. Modelle, die ohne Dunkle Materie auskommen, geraten zunehmend unter Druck.

Ein Beitrag von:

  • Tim Stockhausen

    Tim Stockhausen ist Volontär beim VDI Verlag. 2024 schloss er sein Studium der visuellen Technikkommunikation an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ab. Seine journalistischen Interessen gelten insbesondere Künstlicher Intelligenz, Mobilität, Raumfahrt und digitalen Welten.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.