Mahlwerk schützen 20.03.2025, 11:00 Uhr

Steinschutz für Kaffeemühlen: Forscher setzen auf Schall statt Sieb

Steine zwischen den Kaffeebohnen können das Mahlwerk der Mühlen beschädigen. Mit Hilfe von Schall wollen Forschende das verhindern.

Kaffeemühle

Wie lässt sich verhindern, dass Steine zwischen den Kaffeebohnen das Mahlwerk beschädigen? Forschende aus Singapur haben eine spannende Lösung gefunden.

Foto: PantherMedia / kikujungboy

In vielen Cafés gehört das Brummen der Kaffeemühle zur typischen Klangkulisse. Doch was viele nicht wissen: Zwischen den Kaffeebohnen können sich kleine Steine verbergen. Diese gelangen oft unbemerkt in die Mühle und können dort die empfindlichen Mahlscheiben schwer beschädigen. Ein Austausch dieser präzisionsgefertigten Bauteile ist kostspielig und mit Betriebsunterbrechungen verbunden.

Um dies zu verhindern, setzen Forschende nun auf eine neuartige Methode: Schallanalyse statt mechanischer Siebe. Ein Team der Singapore University of Technology and Design (SUTD) hat ein System entwickelt, das Steine akustisch erkennt und so teure Reparaturen vermeiden hilft.

Warum klassische Siebverfahren oft nicht ausreichen

Großbetriebe setzen bei der Kaffeeproduktion auf aufwendige Siebtechniken, um Steine und andere Fremdkörper zu entfernen. Doch diese Verfahren sind teuer und für kleine und mittlere Betriebe oft nicht praktikabel. In geschäftigen Cafés fehlt zudem der Platz für große Screening-Systeme. Das neue akustische Verfahren könnte hier eine einfache und kosteneffiziente Alternative bieten.

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Mikrofone als Schutzschild für das Mahlwerk

Das Prinzip ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Ein Mikrofon wird innerhalb der Mühle strategisch platziert. Sobald die Bohnen in die Mühle gelangen und das Mahlwerk in Bewegung kommt, zeichnet das Mikrofon das akustische Profil auf. Ein eingemahlener Stein erzeugt dabei ein anderes Klangmuster als reine Kaffeebohnen.

Die Methode basiert auf der sogenannten „Empirical Mode Decomposition“ (EMD). Dieser Algorithmus zerlegt das komplexe Schallsignal in einzelne Komponenten, die als „Intrinsic Mode Functions“ (IMFs) bezeichnet werden. So lassen sich Fremdkörper zuverlässig identifizieren.

Echtzeitanalyse mit FPGA-Prozessoren

Besonders entscheidend ist die Echtzeitverarbeitung der akustischen Signale. Die Forschenden setzen dabei auf „Field Programmable Gate Arrays“ (FPGA). Diese spezialisierten Prozessoren können komplexe Datenströme schnell analysieren und direkt auf Veränderungen reagieren. Laut Dr. Teo Tee Hui, Leiter der Forschungsgruppe, ist FPGA ideal für den Einsatz in kommerziellen Kaffeemühlen: „Wir haben uns speziell für FPGA entschieden, weil es Echtzeit-Verarbeitungsfähigkeiten und Kosteneffizienz bietet. Das ist entscheidend für den Einsatz in kleinen gewerblichen Einrichtungen.“

Herausforderungen bei kleinen Steinfragmenten

In umfangreichen Tests hat das System eine hohe Erfolgsquote bei der Erkennung von Steinen erzielt. Besonders problematisch sind jedoch sehr kleine Fragmente. „Die Erkennung winziger Fragmente bleibt eine Herausforderung, da sich ihre akustischen Signaturen überlappen und durch das Bohnengeräusch verdeckt werden können“, erklärt Dr. Teo. Das Team arbeitet jedoch bereits an einer Verfeinerung des Algorithmus, um noch empfindlicher auf feinste akustische Unterschiede zu reagieren.

Potenzial für die kommerzielle Anwendung

Ein großer Vorteil der Technologie ist ihre einfache Integration in bestehende Kaffeemühlen. Cafébetreiber müssten keine aufwendigen Umrüstungen vornehmen. Das System bietet eine wirtschaftliche Alternative zu großflächigen Siebverfahren, die für viele kleinere Betriebe nicht umsetzbar sind.

Die Forschenden sehen langfristig noch weiteres Potenzial für ihre Methode. „Unser Ziel ist einfach: Wir wollen verhindern, dass Steine jemals wieder eine Kaffeemühle beschädigen“, so Dr. Teo. Eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Algorithmus könnte dafür sorgen, dass akustische Erkennungsmethoden bald zum Standard in der Kaffeeindustrie werden.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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