Kälter als der Weltraum 18.03.2026, 13:41 Uhr

Tief unter der Erde, extrem kalt: Jagd auf Dunkle Materie startet neu

Kälter als der Weltraum: SuperCDMS beginnt die Suche nach leichten Teilchen der Dunklen Materie.

Forscher der University of Minnesota arbeiten an der Entwicklung einer Abschirmung mit geringem Hintergrund

Foto: Greg Stewart/SLAC National Accelerator Laboratory

Tausendstel Grad über dem absoluten Nullpunkt. In diesem Temperaturbereich arbeitet jetzt ein Experiment, das eine zentrale Frage der Physik adressiert: Woraus besteht Dunkle Materie?

Das „Super Cryogenic Dark Matter Search“-Experiment (SuperCDMS) hat seine Betriebstemperatur erreicht. Damit endet die Aufbauphase. Die Anlage geht in den wissenschaftlichen Betrieb über. Die Detektoren sind nun empfindlich genug, um extrem schwache Signale zu erfassen.

Warum extreme Kälte notwendig ist

Der absolute Nullpunkt beschreibt den Zustand minimaler thermischer Bewegung. Atome kommen nicht vollständig zum Stillstand, aber ihre Bewegung wird stark reduziert. Genau das ist entscheidend.

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Denn die gesuchten Signale sind extrem schwach. Sollte ein Teilchen der Dunklen Materie mit einem Atomkern wechselwirken, entsteht nur ein minimaler Energieeintrag. Ohne starke Kühlung würde dieser Effekt im thermischen Rauschen untergehen.

Die Detektoren registrieren solche Ereignisse doppelt: Sie messen sowohl winzige Wärmeimpulse (Phononen) als auch elektrische Signale. Erst die Kombination erlaubt es, echte Treffer von Störungen zu unterscheiden.

„Das Erreichen der Basistemperatur ist ein wichtiger Meilenstein“, sagt Priscilla Cushman von der University of Minnesota. „Bei diesen extrem niedrigen Temperaturen können unsere Detektoren einen völlig neuen Bereich absuchen, in dem die leichtesten Teilchen der Dunklen Materie lauern könnten.“

2000 m unter der Erde – zur Abschirmung

Das Experiment befindet sich im SNOLAB in Kanada, rund 2000 m unter der Erde. Der Standort ist bewusst gewählt. Kosmische Strahlung würde die empfindlichen Messungen überlagern.

Die Tiefe reduziert diese Störquelle erheblich. Zusätzlich umgibt eine mehrschichtige Abschirmung die Detektoren. Hochreines Blei blockiert Gammastrahlung. Polyethylen bremst Neutronen ab. Ziel ist ein Hintergrundniveau, bei dem einzelne seltene Ereignisse überhaupt identifizierbar werden.

Dunkle Materie: Viel Masse, kaum greifbar

Nach heutigem Stand macht Dunkle Materie rund 85 % der Materiedichte im Universum aus. Sichtbar ist sie nicht. Ihr Einfluss zeigt sich indirekt, etwa in der Rotation von Galaxien oder in der Dynamik von Galaxienhaufen. Was fehlt, ist der direkte Nachweis.

SuperCDMS konzentriert sich auf einen Bereich, der bisher schwer zugänglich war: sehr leichte Teilchen. Viele frühere Experimente optimierten ihre Detektoren für massereichere Kandidaten im GeV-Bereich. Dadurch sank die Empfindlichkeit für leichtere Teilchen. Hier setzt das neue Experiment an.

Technik und Datenanalyse greifen ineinander

Neben der Hardware spielt die Auswertung eine zentrale Rolle. Die beteiligten Teams haben neue Rekonstruktionsalgorithmen entwickelt. Sie sollen echte Ereignisse schneller von Hintergrundsignalen trennen.

Das ist notwendig. Die erwarteten Wechselwirkungen sind selten. Teilweise rechnet man mit nur wenigen Ereignissen pro Kilogramm Detektormaterial und Jahr. Aktuell beginnt die Inbetriebnahme. Jeder Detektorkanal wird einzeln getestet, kalibriert und optimiert. Erst danach startet die eigentliche Datennahme.

Mehr als nur Dunkle Materie

Die Anlage ist nicht auf ein Ziel beschränkt. Die Kombination aus extrem niedrigen Temperaturen und geringem Hintergrund eröffnet weitere Forschungsfelder.

Forschende können seltene Kernprozesse untersuchen oder Energiebereiche messen, die bislang kaum zugänglich waren. Auch neue Formen von Teilchenwechselwirkungen sind denkbar.

Was jetzt auf dem Spiel steht

Die direkte Suche nach Dunkler Materie gehört zu den offenen Problemen der Physik. Trotz zahlreicher Experimente gibt es bisher keinen eindeutigen Nachweis. SuperCDMS erweitert den Suchraum gezielt in Richtung niedriger Massen. Das ist kein Detail, sondern eine strategische Verschiebung.

Fallen Signale an, wäre das ein direkter Hinweis auf eine neue Teilchenklasse. Bleiben sie aus, lassen sich ganze Parameterbereiche ausschließen. In beiden Fällen zwingt das Experiment die Theorie zu klareren Aussagen.

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Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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