Hinter der Sonne versteckt: ESA-Sonde knipst Komet aus fremdem Sternsystem
Eigentlich hätte die Sonde Juice erst am Jupiter wieder aufwachen sollen. Doch dann ergab sich die Gelegenheit für ein paar besondere Fotos.
Die Jupiter-Sonde Juice hat auf der Rückseite Sonne einen Kometen während seiner aktivsten Phase gefilmt.
Foto: ESA/JUICE/JANUS
Der ESA-Sonde Juice ist auf ihrem Weg zum Jupiter ein astronomischer Zufallstreffer gelungen. Sie konnte Fotos des Kometen 3I/ATLAS während dessen aktivster Phase schießen – ein Kunststück, das von der Erde aus nicht möglich war.
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Die 1,6 Mrd. € teure Sonde Juice (Jupiter Icy Moons Explorer) ist auf ihrer mehr als siebenjährigen Reise Richtung Jupiter, wo sie die Eismonde Europa und Ganymed erforschen soll. Ihre kostbaren Instrumente wollte die ESA während des Flugs eigentlich schonen. In diesem Fall war aber die Versuchung zu groß.
Was hat Juice fotografiert?
Der Komet 3I/ATLAS stammt nicht aus unserem Sonnensystem, er ist von außen zur Sonne vorgedrungen. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen befand sich der Komet kurz nach dem Perihel, das ist der sonnennächste Punkt einer Bahn. 3I/ATLAS war also in seiner aktivsten Phase.
Die Bilder zeigen laut dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine ausgedehnte Koma, in der sich der Kometenkern versteckt. Zu sehen sind auch ein Schweif sowie verschiedene morphologische Strukturen: Jets, Ströme, Filamente, Ablösungen. Solche Strukturen entstehen, wenn sich die Oberfläche des Kometen unter dem Einfluss der Sonne erwärmt.
Das astronomische Frühwarnsystem Atlas (Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System) hat den Kometen am 1. Juli 2025 entdeckt. Vier Bilder zeigten ein schwach leuchtendes, sich bewegendes Objekt im Asteroidengürtel zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter. Später konnten Teams berechnen, dass der Komet definitiv aus dem interstellaren Raum stammt. Dafür steht der Buchstabe „I“. Die „3“ markiert, dass es sich nach 1I/’Oumuamua (2017 entdeckt) und 2I/Borisov (2019) um das dritte Objekt von außerhalb des Sonnensystems handelt. Berechnungen zufolge ist 3I/ATLAS von den dreien das älteste; er könnte aus der dicken Scheibe der Milchstraße stammen.
Ist 3I/ATLAS ein typischer Komet?
Trotz seiner interstellaren Herkunft verhält sich 3I/ATLAS ersten Analysen zufolge wie ein typischer Komet aus unserem Sonnensystem. Der maximal 5 km große Kern ist von einer Staub- und Gaswolke eingehüllt, der Koma.
Warum konnte Juice den Kometen so gut fotografieren?
Teleskope auf der Erde konnten den im Sommer 2025 entdeckten 3I/ATLAS bis in den Herbst hinein beobachten. Dann geriet er auf seiner Bahn hinter die Sonne. Dort befand sich auch die Sonde Juice – ein glücklicher Zufall.

Juice vollführt auf dem Weg ins Jupiter-System mehrere sogenannte Slingshots, um Schwung zu holen. Das sind Manöver, bei denen sich die Sonde für eine kurze Zeit im Gravitationsfeld eines Planeten fangen und ablenken lässt. Nähert sich die Sonde dem Planeten dazu von hinten, entspricht das einer Beschleunigung. So spart die ESA Treibstoff – auf Kosten einer langen Reise. Einmal nutzt Juice die Venus im Innern des Sonnensystems für einen Slingshot. Dreimal ist die Erde dran. Im August 2024 legte Juice eine Premiere hin, ein besonders komplexes Manöver. Die Sonde nutzte dabei zuerst den Mond der Erde und dann sofort die Erde selbst für einen Slingshot im Slingshot.
Wann sind die Aufnahmen entstanden?
Die Aufnahmen sind im Zeitraum vom 5. bis zum 25. November 2025 entstanden. In dieser Zeit betrug die kürzeste Entfernung zwischen Komet und Sonde annähernd 63 Mio. km – grob zwei Fünftel des Erde-Sonne-Abstands.
Das DLR hat den Datensatz mit den Fotos allerdings erst am 19. Februar heruntergeladen. Das hat mit der Position von Juice und der großen Entfernung zu den Empfangsantennen auf der Erde zu tun.
Welches Instrument hat die Fotos geschossen?
Das Kamerasystem Janus hat insgesamt 120 Bilder des Kometen aufgenommen. An Janus ist das DLR mit wesentlichen Hardware-Beiträgen beteiligt. Die Kamera nutzte für die Bilder laut DLR sieben Filter im Spektralbereich von 380 nm bis 1015 nm (blau bis nahes Infrarot). Janus habe „sehr schwache Strukturen im Schweif des Kometen sowie eine genaue Radiometrie der helleren Koma in der Nähe des Kerns aufgezeigt“, sagt Ganna Portyankina vom DLR-Institut für Weltraumforschung in Berlin. Sie leitet als Co-Principal Investigator (PI) den Betrieb der Kamera gemeinsam mit PI Pasquale Palumbo vom Istituto di Astrofisica e Planetologia Spaziali in Rom.
Eigentlich waren bis zur Ankunft im Jupiter-System keine wissenschaftlichen Beobachtungen geplant. Nach der Entdeckung des Kometen 3I/ATLAS haben die Teams aber Beobachtungskampagnen entworfen und einzelne Instrumente gezielt aus dem „Winterschlaf“ geholt.
Neben Janus waren vier weitere Instrumente an der Beobachtung des Kometen beteiligt. Das Ziel: herauszufinden, wie sich der Komet verhält und woraus er besteht. Aktuell analysieren Wissenschaftsteams die Spektrometriedaten, um die chemische Zusammensetzung zu bestimmen.
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