Rekord-Upgrade 18.06.2026, 11:00 Uhr

P160C: Ariane 6 erstmals mit ihrem größten Motor gestartet

Die Ariane 6 ist erstmals mit ihrem neuen Booster-Triebwerk P160C geflogen. Mehr Nutzlast hat noch keine europäische Rakete transportiert.

Ariane-6-Start mit 36 Satelliten der Konstellation Amazon Leo.

Rekord-Konfiguration: Mit dem P160C-Motor kommt die Ariane 6 auf 15 % mehr Leistung.

Foto: ESA-CNES-ARIANESPACE-ArianeGroup Optique Vidéo de CSG/T. Leduc

Die Ariane 6 hat einen Rekord für europäische Trägerraketen gebrochen: Keine Rakete zuvor hat mehr Nutzlast in einen erdnahen Orbit transportiert. Den bisherigen Rekord hielt die Vorgängerrakete Ariane 5 mit 20 t – das war die Versorgungsmission ATV Albert Einstein zur Internationalen Raumstation. Wie viele Tonnen es diesmal genau waren, hat der Startdienstleister Arianespace aber nicht bekannt gegeben.

Der Rekord ist beim Transport von 36 Amazon-Leo-Satelliten am 17. Juni 2026 gefallen. Es war der erste Start der Ariane 6 mit ihrem stärksten Antrieb: dem neuen Motor P160C. Bei bisherigen Starts für Amazon Leo mit kleineren Booster-Triebwerken konnte Arianespace „nur“ 32 Satelliten transportieren. Bei Konstellationenstarts nutzt die Ariane 6 immer vier Feststoff-Booster, also die maximale Zahl.

Wie viel Schub liefert das P160C?

Das kleinere der beiden möglichen Ariane-6-Booster-Triebwerke, das P120C, führt 143,6 t Treibstoff mit sich. Das P160C fasst noch einmal 14 t mehr: 156 t. Es ist 1 m länger als das P120C, verfügt aber über dieselbe Aufhängung in der Rakete. Die fertigen Booster inklusive der Triebwerke sind in beiden Varianten gleich lang.

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Mit dem P160 C kommt die Ariane 6 laut Arianespace auf 15 % mehr Leistung – verglichen mit dem P120C. Das entspricht grob 2 t Nutzlast in einer erdnahen Umlaufbahn.

Lesen Sie auch: Mit dieser Antriebstechnik startet die Ariane 6 Amazon-Satelliten

Wo kommt das P160C zum Einsatz?

Die meisten P160C kommen in der Ariane 6 zum Einsatz, wo die Motoren die Basis für die Feststoff-Booster bilden. Zusätzlich nutzen aber auch die Raketen der kleineren italienischen Vega-Familie das P160C. Hier ist der Motor die Erststufe der Vega C und der geplanten Vega E.

Mit dem P160C kann die Ariane 6 in der Konfiguration mit vier Boostern besonders schwere Nutzlasten transportieren – vor allem Satellitenkonstellationen. Deshalb lassen sich mehr Satelliten pro Rakete starten – was insgesamt auf weniger Starts hinausläuft. Potenziell könnte das P160C auch beim Start der Bundeswehr-Konstellation Satcombw-4 genutzt werden – sollten deren Satelliten mit der Ariane 6 starten.

Feststoff-Booster liefern den Großteil des Schubs während der ersten Flugminuten. Sie lassen sich – einmal entzündet – nicht mehr ausschalten und fallen nach dem Ausbrand in den Ozean.

Wer hat das P160C entwickelt?

Das P160C ist eine Entwicklung von Europropulsion, einem Joint Venture der beiden Raketenbauer ArianeGroup (Ariane 6) und Avio (Vega C). Es gilt als größter Carbonmotor der Welt. Das Gehäuse kommt aus Italien; Avio nutzt ein Wickelverfahren mit bereits imprägnierter Kohlenstofffaser (Prepreg). Die Triebwerksdüse kommt aus Frankreich und der Zünder aus Norwegen.

Das Ariane-6-Transportschiff sammelt das P160C in Bordeaux ein, bevor es den Atlantik mit Ziel des Weltraumbahnhofs Kourou (Französisch-Guayana) überquert. In Kourou gießt Europropulsion den Treibstoff in die Boostergehäuse.

Wie geht es weiter mit der Ariane 6?

Der P160C-Start war der achte erfolgreiche Start in Serie. Die Orderbücher der Ariane 6 sind mit 30 gebuchten Starts auf Jahre gefüllt.

Der Schwerpunkt der ArianeGroup liegt derzeit auf dem Hochlauf der Fertigung, vor allem in den Hauptwerken in Les Mureaux und Bremen. Der Raketenbauer möchte möglichst schnell auf die geplante Kadenz von grob zehn Raketen pro Jahr kommen.

Die ArianeGroup bereitet auch einen zweiten Typ Booster vor, der nicht mehr auf Feststoffantriebe wie das P160C angewiesen ist. So könnte der in Entwicklung befindliche LOX-Methan-Antrieb Prometheus in Zukunft die Basis für einen Flüssig-Booster bilden. Prometheus befindet sich derzeit für Testkampagnen am DLR-Teststand in Lampoldshausen.

Lesen Sie auch: Wie kommen Raketen in den Weltraum?

Ein Beitrag von:

  • Iestyn Hartbrich

    Iestyn Hartbrich ist Ingenieur und Journalist mit den Schwerpunkten Werkstoffe, Stahlindustrie, Raumfahrt und Luftfahrt.

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