Neue Empfehlung zur Corona-Impfung 14.12.2021, 09:45 Uhr

Booster-Impfung schon nach vier Wochen möglich: So geht es

Grundsätzlich soll jeder ab 18 eine Auffrischungsimpfung erhalten können, die Stiko empfiehlt aber einen Abstand von 6 Monaten zur Zweitimpfung. Jetzt sagt die Arzneimittelbehörde EMA: Die Booster-Impfung ist schon nach 3 Monaten möglich – und ein Bundesland bietet den Booster sogar schon nach vier Wochen an.

Kann man sich eine Booster-Impfung gegen Corona schon nach 3 Monaten geben lassen? Foto: panthermedia.net/ foremniakowski

Kann man sich eine Booster-Impfung gegen Corona schon nach 3 Monaten geben lassen?

Foto: panthermedia.net/ foremniakowski

Die Booster-Impfung soll uns durch den Winter bringen, so die große Hoffnung. Viele Menschen bemühen sich in diesen Tagen um die dritte Corona-Impfung – nur: Wie groß darf der zeitliche Abstand zwischen der zweiten und dritten Covid-Impfung sein?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte zuletzt empfohlen, dass eine Auffrischimpfung in der Regel im Abstand von sechs Monaten zur letzten Impfstoffdosis der Grundimmunisierung erfolgen soll. Eine Verkürzung des Impfabstandes auf fünf Monate könne laut Stiko “im Einzelfall oder wenn genügend Kapazitäten vorhanden sind erwogen werden”.

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Booster-Impfung gegen Corona schon nach drei Monaten

Jetzt sagt aber die Europäische Arzneimittelbehörde EMA: Booster-Impfungen gegen Covid-19 können durchaus auch schon nach drei Monaten erfolgen. Ungeachtet der geltenden Empfehlungen, die Auffrischung nach sechs Monaten zu verabreichen, “sprechen die derzeit verfügbaren Daten für eine sichere und wirksame Auffrischungsdosis bereits drei Monate nach Abschluss der Grundimmunisierung”, sagte der EMA-Direktor für Impfstrategie Marco Cavaleri bei einer Pressekonferenz in Amsterdam. Ein so kurzer Abstand wäre möglich, wenn dies “unter dem Gesichtspunkt der öffentlichen Gesundheit wünschenswert ist”.

Cavaleri äußerte sich zudem optimistisch hinsichtlich einer baldigen Zulassung des zu den Proteinimpfstoffen zählenden Corona-Vakzins des US-Herstellers Novavax. Sie könne noch in diesem Jahr erfolgen, sagte er. Damit würde dem in der EU zur Verfügung stehenden Arsenal an autorisierten Corona-Impfstoffen ein fünfter hinzugefügt werden.

Experten hatten bereits im laufenden Prüfverfahren Studien zur Wirkung von Nuvaxovid (NVX-CoV2373) bewertet. Sollte die EMA eine bedingte Marktzulassung empfehlen, muss die EU-Kommission noch endgültig zustimmen, was aber als Formsache gilt.

Booster in NRW schon nach vier Wochen möglich

Das Novavax-Produkt ist im Gegensatz zu den bisher zugelassenen Impfstoffen weder ein mRNA-Impfstoff – wie die Präparate von Biontech und Moderna – noch ein Vektor-Impfstoff wie die von Astrazeneca und Johnson & Johnson. Das Vakzin enthält winzige Partikel, die aus einer im Labor hergestellten Version des Spike-Proteins von Sars-CoV-2 bestehen.

In NRW ist eine Booster-Impfung jetzt sogar schon nach vier Wochen möglich. Demnach soll niemand, der eine Auffrischungsimpfung möchte, an den Impfstellen abgewiesen werden, wenn die zweite Corona-Impfung nicht länger als vier Wochen her ist – sofern genügend Impfstoff zur Verfügung steht.

Was ist eine COVID-19-Booster-Impfung?

Bei den meisten Impfungen ist nach einem gewissen Zeitraum eine Auffrischung notwendig, um den Impfschutz zu erneuern. Wer sich neu impfen lässt, baut zunächst eine Grundimmunisierung gegen bestimmte Krankheitserreger auf. Der Impfschutz entsteht also neu. Bei den mRNA Vakzinen von Biontech/Pfizer und Moderna besteht diese Grundimmunisierung aus zwei Impfdosen, die im Abstand von sechs Wochen verimpft werden. Beim Vakzin von Jonhson & Johnson wird hingegen nur eine Impfdosis benötigt. Beim Hersteller Astrazeneca liegen zwischen beiden Impfdosen circa 9 – 12 Wochen Abstand.

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Um diesen Grundschutz gegen Covid-19 zu erhöhen, gibt es die Booster-Impfungen. Diese lösen weitere, höhere Antikörperbildungen aus. Im Gegenteil zur Grundimmunisierung muss hierbei nur eine Impfung verabreicht werden.

Dieses Booster-Verfahren ist nicht neu. Beispielsweise wird für die Grippeschutzimpfung jedes Jahr eine neue Impfung notwendig. Bei Diphtherie, Tetanus und Polio werden Menschen alle zehn Jahre geimpft.
Eine Booster-Impfung ist generell immer sinnvoll, wenn der Impfschutz gegen den Krankheitserreger nachlässt.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) rät derweil dringend zu Booster-Impfungen gegen Corona, auch wenn die aktuell verfügbaren Impfstoffe noch nicht auf die Omikron-Variante ausgerichtet sind. Geboosterte hätten mit den jetzigen Impfstoffen bereits einen Schutz von 75 Prozent. „Das ist sehr nennenswert“, so Lauterbach im ARD-Talk „Anne Will“. Entsprechend Geimpfte, die sich infizieren, erkrankten in der Regel nicht schwer. „Somit ist die Booster-Impfung unfassbar wertvoll“, betonte Lauterbach. Sie könne die Delta-Welle brechen und eine Omikron-Welle abwenden.

Lauterbach rechnet damit, dass ab April oder Mai Anti-Omikron-Impfstoffe verfügbar sind. Wenn die Delta-Welle bis dahin gebrochen werden und mit dem Boostern eine Omikron-Welle abgewendet werden könne, «kommen wir ganz gut durch». Auf die Frage, ob später eine vierte Impfung nötig sein könnte, sagte der Minister, es gebe bislang keine Studie mit Anhaltspunkten dafür.

Wann sollte man sich boostern lassen?

Wie lange die Corona-Impfung tatsächlich anhält, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Forschenden und Hersteller wie Biontech/Pfizer gehen davon aus, dass die Immunisierung nach fünf bis sechs Monaten nachlässt.

Warum wurde eine Booster-Impfung nach 6 Monaten empfohlen?

Es gibt Hinweise darauf, dass Entwicklungsprozesse des Immunsystems unterbrochen werden, wenn die dritte Impfung zu früh verabreicht wird. Mit der 6-Monate-Regel ist man diesbezüglich also auf der sicheren Seite. Allerdings handelt es sich nur um einen groben Richtwert. Allgemein gehen Mediziner davon aus, dass Auffrischungsimpfungen zwischen vier und sechs Monate nach der Zweitimpfung sinnvoll sind.

Was spricht für eine Impfung vor Ablauf der 6-Monats-Frist?

Epidemiologen hoffen darauf, dass das Infektionsgeschehen deutlich eingedämmt wird, wenn möglichst viele Menschen eine Booster-Impfung erhalten haben. Dafür sprechen die Erfahrungen aus Israel und Großbritannien, wo bereits vor Monaten intensiv geboostert wurde. Eine möglichst breite Verabreichung von Booster-Impfungen unabhängig von Alter, Vorerkrankungen oder 6-Monats-Frist könnte also durchaus ein Wellenbrecher sein. Zumal es Hinweise darauf gibt, dass der Impfschutz gegen die neue Omikron-Variante des Coronavirus nach zwei Impfungen deutlich geringer ist als nach einer Booster-Impfung.

Kann ich die Booster-Impfung in mein digitales Impfzertifikat eintragen?

Die Booster-Impfung gegen Corona wird ebenfalls im gelben Impfpass eingetragen. Außerdem ist es möglich, die dritte Impfung über einen QR-Code in die entsprechenden Apps einzutragen. Passende Apps sind “CovPass” oder die “Corona Warn-App”.

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Welche Nebenwirkungen treten nach der dritten Corona-Impfung auf?

Impfwirkungen treten bei der Booster-Impfung nicht weniger oder häufiger auf als bei der Zweitimpfung. Generell kann man sich an die Impfreaktionen nach der zweiten Corona-Impfung halten. Diese sind aber meist nicht schwerwiegend und gehen nach wenigen Tagen zurück.

Wo kann ich eine Booster-Impfung gegen Corona erhalten?

Am besten fragen Sie in einem ersten Schritt Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt. Aktuell melden viele Praxen, dass Impfdosen knapp sind, was nicht zuletzt auch mit der Biontech-Deckelung zusammenhängt, die Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) initiiert hatte.  Womöglich kommen Sie dort auf eine Warteliste.  In größeren Städten gibt es zentrale Impf-Anlaufstellen, häufig zum Beispiel am Hauptbahnhof.  Außerdem können Termine über die Hotline 116 117 der Kassenärztlichen Bundesvereinigung vereinbart werden. Eine weitere Möglichkeit bietet das Portal Doctolib. Hier vergeben Mediziner oft kurzfristig Termine, etwa, wenn Impfstoff übrig geblieben ist. (mit dpa)

Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura

    Sarah Janczura ist Content Manager und verantwortliche Redakteurin für ingenieur.de. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Sie schreibt über Technik, Forschung und Karrierethemen.

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