Soziale Medien 15.03.2021, 11:20 Uhr

Tiktok: Diese Fehler sollten Unternehmen vermeiden

Raumfahrtingenieur Ümit Memisoglu wurde über Nacht zum Tiktok-Influencer. Im Interview erklärt er, wie das geht – und sagt: „Viele Unternehmen verstehen die Plattform falsch“.

Tiktok wächst extrem schnell - inzwischen haben zahlreiche Unternehmen die Plattform als Distributionsweg wahrgenommen. Doch es gibt einiges zu beachten. Foto: panthermedia.net/AndrewLozovyi

Tiktok wächst extrem schnell - inzwischen haben zahlreiche Unternehmen die Plattform als Distributionsweg wahrgenommen. Doch es gibt einiges zu beachten.

Foto: panthermedia.net/AndrewLozovyi

Am Anfang war der Blechkuchen. Als Ümit Memisoglu 2018 sein erstes Video bei Tiktok hochlud, rechnete er fest damit, dass kaum jemand sich sein Werk anschauen würde. 15 Sekunden, die in schnellen Schnitten zeigen, wie er ein türkisches Teiggericht mit Pommes und einen Mandelkuchen zubereitet.  Am nächsten Tag war er plötzlich Influencer. 200 000 Menschen hatten sein Video angesehen und es wurden immer mehr.

Tiktok: Millionen Menschen schauen plötzlich seine Videos an

Inzwischen schauen Millionen Menschen die Videos des studierten Luft- und Raumfahrtingenieurs. Im Interview erklärt Memisoglu, warum Tiktok längst mehr ist, als ein simpler Zeitvertreib für Teenager – und was Unternehmer tun müssen, wenn sie die Plattform als Marketinginstrument nutzen wollen.

Du bist Deutschlands erfolgreichster Tiktok-Koch. Ist das ein Begriff, mit dem du dich anfreunden könntest?

Memisoglu: Nun ja, ich mache quasi Kochvideos.

Das klingt etwas zu bescheiden. Du hast weit mehr als eine Million Follower, die sich regelmäßig deine Videos auf Tiktok ansehen. Kannst du mal erklären, was genau du da machst?

Ich koche ein Gericht und manchmal ein ganzes Menü, von Null bis zum kompletten Ende. Und das zeige ich in Videos, die nicht länger als 60 Sekunden sind. Die Bilder schneide ich so, dass eine Art Geschichte entsteht. Und als Nebeneffekt wissen die Leute: Aha, ok. So hat der das Menü also gemacht. Da gibt es kein Drumherum, kein Erzählen, keine superschönen Shots, sondern es geht nur um das Kochen selbst.

Tiktok-Influencer Ümit Memisoglu. Foto: privat

Tiktok-Influencer Ümit Memisoglu.

Foto: privat

Ümit Memisoglu, Jahrgang 1991, studierte Luft- und Raumfahrt an der RWTH Aachen. Er arbeitet als Technikjournalist und Blogger unter anderem für Mobilegeeks und andere Magazine. Auf Tiktok folgen ihm mehr als eine Millionen Menschen und schauen regelmäßig seine Kochvideos: tiktok.com/@umihito

Deine Videos wirken wie kleine Kunstfilme. Gab es Einflüsse?

Ja, da habe ich tatsächlich eine Inspiration gehabt: Den britischen Regisseur Edgar Wright.

Der ist bekannt für eher schräge Filme. „Shaun of the Dead“ zum Beispiel, oder?

Ja, genau. Der macht manchmal diese ganz kurzen Szenen, in denen er kleine Details beleuchtet und ganz schnell hin und her schneidet und dabei mit den Tönen arbeitet. Obwohl da nichts erklärt wird, weiß man halt sofort, worum es geht, was er zeigen will und was passiert. Und das alles in ein paar Sekunden.

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Eigentlich bist du Luft- und Raumfahrtingenieur. Wie kam es, dass du jetzt als Influencer-Koch bekannt bist?

Das Kochen selbst hat im Studium bei mir angefangen. Als ich von zuhause ausgezogen bin, habe ich die türkischen Gerichte meiner Mutter nachgekocht und weiterentwickelt. Der Weg zu Tiktok kam später. Es fing damit an, dass ich chinesisch gelernt habe.

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Warum hast du chinesisch gelernt?

Ich dachte, das ist für die Ingenieursbranche sinnvoll, weil China ein sehr großer Markt ist. In Aachen hatte ich gute Möglichkeiten, weil da viele chinesische Studenten leben. Und dann habe ich bei einem Gewinnspiel eine Reise nach China zum Besuch eines Technikherstellers und zum Mobile Work Congress, einer riesigen Technikmesse in Spanien gewonnen.

Mehr Reichweite bei Tiktok

Da habe ich Blogger und Youtuber kennengelernt und wurde erst mal Technikblogger und habe mit Videos rumexperimentiert. Meine Schwester hat mir dann geraten, die mal bei Tiktok hochzuladen, weil es da viel Reichweite gibt. Ich dachte, dass sich das wahrscheinlich keiner anguckt und ich das dann wieder lösche. Und dann hatte ich am nächsten Tag 200.000 Views auf dem Video. Und das zweite Video hatte schon 900.000 Views.

Ist es bei Tiktok ist leichter, so eine gigantische Reichweite zu erzielen als bei anderen Social-Media-Plattformen?

Ja. Man kann davon ausgehen, dass ein Video entweder gar nicht läuft oder dass es richtig explodiert. Das hätte ich zum Beispiel auf Instagram niemals geschafft, so von Null und ganz ohne Follower. Man kann auch sehr schnell andere Menschen mit hoher Reichweite erreichen. Die Sängerin Billie Eilish zum Beispiel hat mein Video gesehen, in dem ich Berliner zubereite, und das gelikt. Und plötzlich hatte ich ganz viele neue Follower.

Tiktok wird für die Marketingbranche interessant. Du machst mittlerweile auch manchmal Werbung in deinen Videos. Was sollten Unternehmen denn aus deiner Sicht beachten, wenn sie sich bei Tiktok präsentieren wollen?

Man muss den Geist der Plattform einfangen. Es gibt einige Firmen, die da den Content machen, den sie sonst auf Instagram gemacht hätten. Da merkt man sofort: Das funktioniert nicht mit diesen professionellen Edel-Bildern. Es muss anders sein und sich von den sonstigen Sehgewohnheiten unterscheiden. Es sollte möglichst authentisch sein. Was nicht bedeutet, dass die Qualität schlecht sein muss, das verstehen viele Firmen falsch. Wenn man das richtig macht, bekommen Unternehmen die Reichweite, die sie bei Facebook kaum so schnell aufbauen könnten, und sie haben auch eine sehr gute Chance, Leute zu erreichen, die sie sonst niemals erreicht hätten.

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Im Schnitt sind Tiktok-Nutzer Mitte 20. Ist das nicht eine zu spitze Zielgruppe?

Für viele Marken ist es wichtig, eine Awareness zu schaffen. Also dass die Marken erkannt werden. Wenn ich als sehr junger Mensch irgendeine Automarke aus Tiktok kenne, hab ich das noch im Kopf, wenn ich mal genug Geld habe, ein Auto zu kaufen.

2018 startete das Videoportal Tiktok unter dem Namen Musical.ly. Die Grundidee: Nutzer der App filmen sich, während sie ihre Lippen synchron zu einem Playback-Song bewegen oder tanzen und laden extrem kurze Videoschnipsel davon auf die Plattform. Das Social-Media-Portal ist innerhalb kürzester Zeit extrem stark gewachsen, hat inzwischen monatlich knapp eine Milliarde aktiver Nutzer weltweit.

Das heißt, man wirbt langfristig? 

Genau, ja. Die Zielgruppe wächst einfach in dieses Alter rein.

Tiktok wächst extrem schnell und hat inzwischen auch in Deutschland über elf Millionen Nutzer. Aber die Plattform ist unter Datenschützern umstritten. Kann man sich nicht in die Nesseln setzen, wenn man bei einer Plattform einsteigt, die ein Imageproblem hat?

Klar, man sollte sowieso bei jeder Plattform aufpassen. Tiktok ist nicht wirklich transparent. Man weiß halt nie, was mit den Daten der Nutzer gemacht wird. Es gibt kritische Stimmen auf der einen Seite, aber auch sehr positive Stimmen auf der anderen Seite. Ich habe das Gefühl, dass zumindest der jungen Generation es teilweise sogar egal ist, sonst wäre diese Reichweite nicht so hoch.

Könntest du denn von deinen Tiktok-Videos allein leben?

Das wäre überhaupt kein Problem, damit genug Geld zu verdienen, um davon leben zu können. Aber für mich ist es immer noch was, das ich eher nebenbei mache und das mir Spaß macht. Manche nutzen ihre Reichweite dauerhaft für Werbung, dann ist es praktisch eine Anzeigenplattform.

Authentizität wahren ist wichtig

In meinem Fall versuche ich da schon ein bisschen selektiver damit umzugehen und nicht jedes Produkt zu bewerben. Die Leute wissen zum Beispiel, dass ich hochwertige Messer benutze. Wenn ich dann plötzlich für ein Plastikmesser Werbung mache, dann werden mir die Leute das nicht glauben. Wenn ich Werbung mache, versuche ich, die Sachen in die Videos einzubinden. Ich muss den Zuschauern jetzt kein Marketingzeug erzählen und es funktioniert trotzdem. Das ist für mich wichtig, da möglichst authentisch zu bleiben.

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Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

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