Logistik 07.01.2011, 19:51 Uhr

Telekom tritt bei der Serviceflotte auf die Schadstoffbremse

Firmenwagen umweltschonender einzusetzen heißt das Ziel der Deutschen Telekom. Bis Ende 2015 will das Unternehmen den CO2-Emissionswert neuer Dienstwagen – derzeit 151 g/km – um rund 30 % senken. Durch Fahrerschulungen soll darüber hinaus Kraftstoff beim Pkw-Flottenbetrieb gespart werden. Kontrolliert wird dies durch den TÜV Rheinland, von dem die Bonner im Dezember das „Bluefleet“-Zertifikat für ihre Nachhaltigkeitsstrategie erhalten haben.

Als europaweit größter Flottenbetreiber will DeTeFleetServices, Bonn, auch bei der Reduzierung von Kohlendioxidemissionen (CO2) zu einem europäischen Spitzenreiter werden. Die Betreibergesellschaft des Fuhrparks der Deutschen Telekom hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, bei der Beschaffung von neuen Pkw bis zum Jahr 2015 einen CO2-Normwert von nur noch 110 g/km zu erreichen.

Dieser niedrigere Emissionswert soll vorwiegend durch Downsizing bei Pkw mit klassischen Verbrennungsmotoren erreicht werden. „Wir hatten zwei Jahre lang auch das Thema Erdgasfahrzeuge favorisiert. Dabei sind wir aber gescheitert, weil die Tankstellendichte in Deutschland dafür nicht ausreicht“, bedauerte DeTeFleetServices-Geschäftsführer Horst Krastetter kürzlich bei der Zertifikatsübergabe in Bonn. Sein Unternehmen setze daher in den nächsten Jahren auf „right size“ – eine strategische ökologische Ausrichtung des Fahrzeugportfolios.

Bereits seit April 2010 dürfe bei der Telekom kein Dienstwagen mehr angeschafft werden, der laut den Herstellerangaben mehr als 190 g CO2/km emittiere, so Krastetter. Als zweite Säule der Nachhaltigkeitsstrategie verfolge der Fuhrparkbetreiber mit „Economize“ eine Sensibilisierung der Fahrer. Bereits im vergangenen Jahr seien dabei 4000 Fahrer über Öko-Fahrtrainings für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie geschult worden. In diesem Jahr sollen weitere 9000 Schulungen folgen.

„Die eintägigen freiwilligen Trainings werden von den Mitarbeitern sehr positiv aufgenommen“, erklärte Krastetter. Im Schnitt hätten sie nach den Fahrerschulungen den Kraftstoffverbrauch ihrer Fahrzeuge um rund 10 % reduzieren können. Hochgerechnet auf die gesamte Flotte der Telekom-Tochter ergebe sich bei den aktuellen jährlichen Kraftstoffkosten von rund 80 Mio. € laut Krastetter damit ein Einsparpotenzial von jährlich etwa 8 Mio. €. Damit werde deutlich, dass sich Ökologie und Ökonomie nicht widersprechen müssen, so der Geschäftsführungssprecher.

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Für jedes Servicefahrzeug gibt es ein Monitoring, das Fahrleistungen und Verbrauch auswertet. Der Fahrer kann laut den Unternehmensinformationen die Ergebnisse dieses Monitorings freiwillig aufrufen. Über eine Art Klimaampel werde er so auf einfache Art über seinen Verbrauch informiert. Liegt er im Schnitt höchstens 20 % über dem Normverbrauch seines Pkw, zeigt die Ampel Grün. Ein gelbes Signal gibt es für Abweichungen von maximal 30 % und ein rotes Signal für alles darüber. In diesem Fall wird der Fahrer gebeten, ein „Spritspartraining“ zu absolvieren. Außerdem sollen Telematiksysteme ab diesem Jahr helfen, zusätzlich die Fahrtroute zu optimieren und so Treibstoff und Emissionen einzusparen.

Mit dem neuen Umweltbewusstsein will der Fuhrparkbetreiber auch in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen werden. Daher stellte er sich auf den Prüfstand des TÜV Rheinland, der dafür das Zertifikat „Bluefleet“ entwickelt hat, das sich künftig als Siegel für einen „CO2-kontrollierten“ Fuhrpark etablieren soll.

„Mit der Zertifizierung dokumentieren DeTeFleetServices und Telekom nach außen ihre ökologische Ausrichtung und sorgen im Zuge einer zunehmenden Sensibilisierung für CO2-Emissionen für ein sauberes Image ihrer Unternehmen“, unterstrich Prof. Dr.-Ing. Jürgen Brauckmann. Laut dem Leiter des Unternehmensbereichs Mobilität bei der Kölner Sachverständigenorganisation werden die Emissionswerte des Fuhrparks, der bundesweit 33 000 Pkw und Servicefahrzeuge umfasst, von jetzt an einmal jährlich durchleuchtet und neu eingestuft.

Dabei basieren die Messungen auf dem realen, durchschnittlichen Flottenverbrauch und den damit verbundenen Emissionen. „Denn die normierten CO2-Angaben der Automobilhersteller weichen um bis zu 30 g/km von der Realität ab“, erklärte Brauckmann. Beispielsweise habe der durchschnittliche reale CO2-Emissionswert der Telekom-Flotte in 2009 bei 187,5 g/km gelegen. Dies entsprach einem Dieselverbrauch von 7,1 l/100 km. Der von den Automobilherstellern angegebene durchschnittliche standardisierte Normwert für den CO2-Ausstoß des Bonner Fuhrparks habe dagegen lediglich 151,1 g/km betragen.

Wie sehr sich Ist- und Normverbrauch unterscheiden können, belegt ebenfalls eine Studie der niederländischen Forschungsgesellschaft TNO, die den realen CO2-Ausstoß von 240 000 Fahrzeugen über einen Zeitraum von 1,5 Jahren unter die Lupe genommen hatte. Das Ergebnis: Die Dieselfahrzeuge der TNO-Testflotte mit einem von den Automobilherstellern angegebenen Normwert von 160 g CO2/km emittierten real durchschnittlich 190 g CO2/km. Die Forscher gehen davon aus, dass bei einer Senkung des Normwertes auf 100 g CO2/km der Realwert bei 142 g CO2/km liegen würde. „Die TNO-Analyse macht deutlich, wie gut der Fuhrpark der Telekom mit einem tatsächlichen CO2-Emissionswert von 187,5 g/km schon heute aufgestellt ist“, resümierte deshalb Jochen Kock, Projektleiter „Bluefleet“ beim TÜV Rheinland.

Ein Beitrag von:

  • Rolf Müller-Wondorf

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