Eigene Cloud 16.11.2016, 08:13 Uhr

Wohnzimmer-Server ersetzt Dropbox und Google Drive

Vertrauen Sie Cloud-Anbietern wie Google Drive oder Dropbox nicht? Vielleicht wäre dann eine Cloud im eigenen Wohnzimmer das Richtige. Das Start-up Daplie hat einen Server fürs Wohnzimmer namens Cloud entwickelt, auf dem User Dokumente, Fotos und Videos speichern können. Die Installation schafft laut Daplie selbst die Oma. 

Cloud von Daplie: Der Server fürs eigene Wohnzimmer kommt im Juni 2017 auf den Markt. Kostenpunkt: 200 US-Dollar. 

Cloud von Daplie: Der Server fürs eigene Wohnzimmer kommt im Juni 2017 auf den Markt. Kostenpunkt: 200 US-Dollar. 

Foto: Daplie

Die T-Shirts der Entwickler des US-amerikanischen Start-up Daplie sprechen Bände: „Es gibt keine Cloud. Es ist nur der Computer eines Anderen“, steht unter einer Comicwolke mit traurigem Gesicht. Das dürfte auch der Grund sein, weshalb sich viele Menschen unwohl fühlen, wenn sie persönliche Dokumente, Fotos und Videos bei Cloud-Diensten wie Google Drive und Dropbox speichern. Für diese Skeptiker hat Daplie Cloud entwickelt – den Heimserver für Jedermann, der kaum größer ist als eine Untertasse.

Installation schafft selbst die Oma

Angeblich ist Cloud kinderleicht zu installieren und zu bedienen – laut Daplie schafft das selbst die Oma. Der User verbindet das kleine Gerät mit seinem Internetanschluss, installiert eine Software auf Laptop, PC und Smartphone und wählt eine Internetadresse – etwa FamiliePeters.com. Unter dieser Adresse stehen ihm 1 TB Speicherplatz zur Verfügung, auf die er von überall zugreift. Doch anders als bei Google Drive weiß der Anwender, dass seine Daten sicher im Wohnzimmer liegen – nicht verteilt auf unbekannte Server auf der ganzen Welt.

Musik streamen kein Problem: Der 1 TB große Speicher des Servers reicht laut Daplie für 300.000 Songs.

Musik streamen kein Problem: Der 1 TB große Speicher des Servers reicht laut Daplie für 300.000 Songs.

Quelle: Daplie

Der Datenaustausch lässt sich automatisieren. Schießt der Anwender ein Foto oder ein Video mit seinem Smartphone, landet es automatisch auf dem Wohnzimmer-Server. Den wertvollen Speicherplatz auf seinem mobilen Endgerät schont er somit. Und wenn sich die 1 TB dem Ende nähern? Dann einfach eine zweite Cloud kaufen und über die erste setzen. Maximal lassen sich vier Clouds in Reihe schalten. 8 TB reichen dann laut Daplie für 1,6 Millionen Fotos oder 4000 Stunden Film.

Wird Facebook überflüssig?

„Holt Euch das Internet zurück“, lautet der Schlachtruf der Entwickler, mit dem sie Menschen auffordern, sich von Diensten wie Dropbox, iCloud, Facebook abzuwenden. Facebook? Ja, denn auch den Social-Media-Giganten will Daplie überflüssig machen. Das Start-up hat einen eigenen privaten Social-Media-Dienst integriert, über den Freunde kommunizieren und Daten tauschen.

Motto von Daplie: Es gibt keine Cloud, sondern nur den Computer eines Anderen.  

Motto von Daplie: Es gibt keine Cloud, sondern nur den Computer eines Anderen.

Quelle: Daplie

Und auch E-Mail-Verkehr über Google oder GMX wird unnötig. Mit der Cloud erhält der Anwender nämlich auch einen E-Mail-Account für den Wohnzimmer-Server. Damit ist auch das Betreiben eines eigenen Blogs ohne externe Dienste möglich.

Cloud kostet 200 US-Dollar

Auf der Crowdfundingplattform Indiegogo feiert Daplie Erfolg. Eigentlich wollte das Start-up 32.500 US-Dollar einsammeln, um mit dem Server in Serienproduktion gehen zu können. Mittlerweile sind 59,613 US-Dollar zusammengekommen – und die Kampagne läuft noch drei Wochen. Der Markteinführung scheint also nichts im Wege zu stehen. Allerdings ist noch etwas Geduld gefragt. Denn laut Zeitplan beginnt die Auslieferung erst im Juni 2017. Kostenpunkt für den Wohnzimmer-Server: 200 US-Dollar.

Microsoft versenkt Cloud-Server im Meer.

Microsoft versenkt Cloud-Server im Meer.

Quelle: Microsoft

Und was machen die großen Unternehmen? Microsoft zum Beispiel testet Rechenzentren am Meeresgrund. Der IT-Konzern verspricht sich von Unterwasser-Rechenzentren effiziente Cloud-Services vor allem für Kunden, die in küstennahen Gebieten leben.

 

  • Patrick Schroeder

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