Breitbandmedien 30.11.2012, 19:56 Uhr

Vectoring-Technik macht Kupferleitung konkurrenzfähig

Mit der Vectoring-Technik wird die gute alte Kupferdoppelader noch einmal so richtig hoffähig. Damit bringt sie es auf der letzten Meile hin zum Kunden auf bis zu 100 Mbit/s und wird zu einem echten Breitbandmedium. Nur so kann sie auch dem Kabel Konkurrenz machen. Doch über den eigentlichen Ausbau der Technik am grauen Kabelverzweiger streiten sich die Deutsche Telekom und ihre Konkurrenten.

100 Mbit/s – das ist der Traum vieler Internetnutzer, die sich meist noch mit weniger als einem Zehntel davon begnügen müssen. Möglich soll das die sogenannte Vectoring-Technik machen, bei der in Kabelverzweigern (KvZ), also jenen grauen Kästen am Straßenrand, eine Elektronikbaugruppe ausgetauscht werden muss und die Nutzer neue Modems bekommen. Neue Leitungen müssen dazu nicht verbuddelt werden – und schon gar keine Glasfasern.

Doch es droht ein Problem: Da beim VDSL2-Vectoring das Entbündeln, also die Nutzung der Teilnehmeranschlussleitung (TAL) durch Wettbewerber, nicht mehr möglich scheint, möchte die Deutsche Telekom dazu wieder uneingeschränkt Herrscher über die Kästen werden.

VDSL2-Vectoring: Telekom fordert Netzhoheit für den Ausbau der Technologie

„Wir brauchen diese Netzhoheit, um die Technologie auszubauen, sonst geht es nicht“, sagte Dido Blankenburg, Leiter Zentrum Wholesale der Deutschen Telekom, letzte Woche auf der Jahrestagung des Bundesverbandes Breitbandkommunikation (Breko).

Verständlich, dass die alternativen Netzbetreiber aufgebracht sind wie seit Langem nicht mehr. Die Deutsche Telekom – so der Vorwurf – versuche, die seit Jahren bewährte Regulierung zu kippen. Sie fürchten, dass die Telekom den Wettbewerbern später höhere Kosten für gemietete Anschlussleitungen aufdrückt.

Selbst das Bundeswirtschaftsministerium hat sich öffentlich auf die Seite der alternativen Netzbetreiber geschlagen: „Wenn man Vectoring richtig macht, bietet es zusätzliche Chancen, und eben nicht Gefährdungen. Aber dann müssen alle Marktteilnehmer auch mitmachen. Es kann nicht angehen, dass die Deutsche Telekom hier mauert“, erklärte Hans-Joachim Otto (FDP), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie. „Wenn sich die Deutsche Telekom nicht daran hält, dann werden wir sehen, dass wir durch Regulierung den Wettbewerb befeuern können.“

Bundeswirtschaftsministerium: Vectoring bietet zusätzliche Chancen

Die Besorgnisse bestehen zu Recht, wie Reaktionen zeigen. So könnten im schlimmsten Fall gar die hehren Ziele der Breitbandstrategie der Bundesregierung ins Wanken geraten. Bis 2014 sollen immerhin 75 % aller Haushalte am schnellen Netz mit Übertragungsgeschwindigkeiten von mindestens 50 Mbit/s angeschlossen sein, eine flächendeckende Verfügbarkeit ist für 2018 angestrebt.

Schon warnt Dirk Brameier, Technischer Geschäftsführer der EWE TEL: „Bleibt die Frage, wollen wir überhaupt noch in Breitband investieren? Wir sehen keinen Investitionsschutz, wenn die Telekom einen Antrag stellt und alle Teilnehmeranschlussleitungen zurück haben will.“ Man werde keinen Breitbandausbau machen, solange die Fragen nicht geklärt sind.

Bereits beim herkömmlichen VDSL spielen die Kabelverzweiger eine entscheidende Rolle, müssen sie doch für das schnelle Internet mit Glasfaser „erschlossen“ werden. Dann ist von FTTC die Rede, eben „Fiber to the Curb“. Für die „letzte Meile“ zum Teilnehmer bleibt es bei der guten alten Kupferdoppelader, wobei die „Meile“, also 1,6 km, reichlich übertrieben ist: „Realistisch dürfen es kaum mehr als 400 m sein, bei größeren Längen bleibt vom Vectoring nichts mehr übrig, und dann gibt es sicherlich keine 100 Mbit/s mehr“, so Patrick Langelaan, Vice President Sales von Alcatel-Lucent, zu den VDI nachrichten.

Kabelverzweiger auch für die Vectoring-Technologie von großer Bedeutung

Derzeit hat die Deutsche Telekom bundesweit in 51 großen Städten 38 221 Kabelverzweiger erschlossen, hinzu kommen 1690 in eher ländlichen Gebieten. Dort aber bauen vor allem die alternativen Wettbewerber aus, haben bereits in ländlichen Gebieten 7380 und in Städten 820 KvZ ans Glas gebracht.

„Zum Glück gibt es nur 0,2 % Überbau, also Parallelausbau, das ist toll gelaufen“, freut sich Stephan Albers, Geschäftsführer des Breko. Es sei schließlich volkswirtschaftlicher Blödsinn, dass zwei Netzbetreiber einen KvZ verglasfasern. Ralf Kleint, Präsident des Breko, forderte die Branche sogar zum „Windhundrennen“ auf: „Lasst uns daher möglichst schnell die KvZ anschließen und Factoring drauf machen, dann können wir uns gegenseitig mieten.“

Doch da hat auch die Bundesnetzagentur noch ein Wörtchen mitzureden, will sie doch ebenfalls den Breitbandausbau forcieren. „Wir stehen hier vor schwerwiegenden regulatorischen Entscheidungen“, erklärte die Vizepräsidentin Iris Henseler-Unger und verweist gleich auf ein ganzes Bündel an Verträgen, die anzupassen seien. In der nächsten Sitzung des NGA-Forums, eines Expertenkreises des Telekommunikationsbereichs, sollen nun die verschiedenen Positionen neu gewichtet werden. „Am Ende hoffe ich, dass die Beschlusskammer-Verfahren so durchgehen wie ein heißes Messer durch die Butter“, so Henseler-Unger.

Dann könnte die Deutsche Telekom loslegen. Sie will mit Vectoring Kunden gewinnen und ihre heute rund 11 Mio. VDSL-Haushalte in den nächsten Jahren auf 24 Mio. steigern. „Dafür wollen wir 5 Mrd. € bis 6 Mrd. € ins Festnetz investieren“, erklärt Telekom-Mann Blankenburg. Auch die alternativen Netzbetreiber stehen bereit, sehen aber die Zahlen der Telekom mit Skepsis. „Die Telekom wollte vor zwei Jahren noch 4 Mio. Haushalte mit Glas versorgen, doch bislang sind es wohl nur 170 000“, so Brameier von EWE TEL. Jürgen Grützner, Geschäftsführer vom Verband VATM, sieht im Vorstoß der Telekom gar „ein Ausbauverbot für ganz Deutschland“.

Immerhin scheint es Anfang des Jahres zu einem von allen Beteiligten geforderten gemeinsamen Praxistest zu kommen, bei dem auch ADSL2+- und VDSL2-Leitungen als „Störer“ im Leitungsbündel liegen sollen, und eben nicht nur Kupferadern mit Vectoring-Technik.

Die Industrie ist jedenfalls zur Stelle. Alcatel-Lucent als Pionier des Vectoring-Verfahrens liefert bereits. Keymile kommt nach Aussagen seines Cheftechnikers Wolfgang Spahn „im ersten Quartal 2013“. Schon wirbt Alcatel-Lucent für ein verbessertes System, genannt Zero Touch Vectoring, das VDSL2-Modems per Software-Update fit macht. Auch aus China kommen neue Entwicklungen wie die Node-Level-Vectoring-Lösung von Huawei, die 120 Mbit/s verspricht.

Allen Beteiligten ist indes klar, dass die Kupfertechnologie trotzdem schrittweise durch Glas ersetzt wird. Immer öfter werden die dünnen Fasern in die Häuser oder gar bis in die Wohnung geblasen, wobei selbst Wasser- und Gasrohre genutzt werden. Nur geht dieser Umbau vermutlich nicht mehr ganz so schnell. Vectoring könnte daher zur Brückentechnologie für schnelles Internet mutieren, sollte dabei aber nicht den Weg in die Glasfaser-Gigabit-Welt verzögern.  

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