Propaganda und Kochrezepte 22.09.2016, 12:47 Uhr

Nordkorea hat nur 28 Webseiten

Eine fehlerhafte Konfiguration des Domain Name System (DNS) von Nordkorea bescherte der restlichen Welt kürzlich erstaunliche Einblicke in die Internetwelt des abgeschotteten Staates. Die versehentlich freigegebenen Daten zeigen, dass es nur 28 Websites mit der Endung .kp gibt. Neben Kochrezepten, Filmen und der staatlichen Fluglinie ist viel Propaganda dabei.

Kunstszene in Nordkorea: Solche Bilder dürfen in Nordkoreas Internet gezeigt werden… Das heißt schon was. Es gibt schließlich nur 28 Websites mit der Endung .kp, wie jetzt bekannt wurde.<strong> </strong>

Kunstszene in Nordkorea: Solche Bilder dürfen in Nordkoreas Internet gezeigt werden… Das heißt schon was. Es gibt schließlich nur 28 Websites mit der Endung .kp, wie jetzt bekannt wurde. 

Foto: rodong.rep.kp

Wenn man derzeit versucht, eine der 28 nordkoreanischen Websites aufzurufen, sind die Chancen gering, dass dies gelingt. Seitdem der Datensatz durch ein Versehen freigegeben und daraufhin von Aktivisten veröffentlicht wurde, sind viele Internetnutzer außerhalb Nordkoreas neugierig geworden – als Folge der zahlreichen Aufrufe sind die Server zeitweise überlastet. 

Sicherheitsingenieur entdeckte Fehler

Gehackt worden ist das Domain Name System – ein Dienst, der Auskünfte zur Namensauflösung im Internet gibt – von Nordkorea nicht. Vielmehr fiel die Fehlkonfiguration eines Servers zur Verwaltung der nordkoreanischen Internetadressen eher zufällig auf. Allerdings ein Zufall mit System. Der Sicherheitsingenieur und Programmierer beim Projekt TLD Records Matt Bryant hatte den Fehler entdeckt, weil er kontinuierlich alle Top Level Domains durchkämmt, um solche oder ähnliche Fehlkonfigurationen zu finden – und damit Einblicke zu bekommen, wie Länder mit ihren Domain Name Servern umgehen.

Auch die Kim-Il-sung-Universität darf sich in Nordkoreas Internet präsentieren.

Auch die Kim-Il-sung-Universität darf sich in Nordkoreas Internet präsentieren.

Foto: Kim-Il-sung-University

Bryant lud die am 19. September öffentlich gewordenen Daten, also die komplette Liste von Nordkoreas Domainnamen, herunter und veröffentlichte sie auf dem Programmierportal GitHub. Dort kann man nun sehen, welche Websites es mit der Endung .kp gibt. Unter den 28 Domains sind etliche staatliche Organisationen wie das „Komitee für kulturelle Beziehungen“, die staatliche Fluglinie Koryo, die offizielle Nachrichtenagentur KCNA, die Kim-II-sung-University oder die Versicherungsgesellschaft KNIC.

Propaganda und Kochrezepte

Die offizielle Zeitung der nordkoreanischen kommunistischen Partei gibt einen Blick in die Propagandamaschinerie des Regimes: „Verbrechen in Zusammenhang mit Rauschgift steigen unter südkoreanischen Jugendlichen an“ oder „Kim Jong Un schickt Geburtstagswünsche an verdiente Gelehrte“ lauten die Schlagzeilen. Unter cooks.org.kp findet man dagegen banale Kochrezepte und bei korfilm.com.kp gibt es koreanische Filme und Informationen über das Pyongyang International Filmfestival.

Essen ist augenscheinlich noch nicht verboten: Immerhin gibt es in Nordkorea eine Internet-Domain unter der Rezepte veröffentlicht werden.

Essen ist augenscheinlich noch nicht verboten: Immerhin gibt es in Nordkorea eine Internet-Domain unter der Rezepte veröffentlicht werden.

Foto: cooks.org.kp

Wirklich Neues bringt die Liste der nordkoreanischen Domains sicher nicht, höchstens einen kleinen Einblick in ein beinahe unzugängliches Land. Insgesamt gibt es in Nordkorea mit seinen 25 Millionen Einwohnern nur 1.024 IP-Adressen und der Zugang zum globalen Internet über die nordkoreanischen Websites hinaus wird streng überwacht. Wer auch nur einen Computer besitzen will, braucht dafür die Erlaubnis der lokalen Behörden und wird gleichzeitig registriert. Schätzungen zufolge haben nur wenige Tausend Einwohner Zugang zum World Wide Web – die meisten davon hochrangige Regierungsmitglieder.

Die Zeit scheint zumindest in Nordkoreas Internet still zu stehen. Wie es im Internet vor mehr als 25 Jahren aussah, als die erste Webseite online ging, können Sie sich hier ansehen. 

Von Gudrun von Schoenebeck Tags:
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