In großen Gebäuden 06.11.2015, 10:14 Uhr

Mit dieser Indoor-App verlaufen Sie sich nie mehr

Schild übersehen? Wo war die Röntgenabteilung? Wo fliegt die Austrian ab? Es gibt Kliniken wie in Aachen oder der Flughafen Frankfurt, die gleichen einer Kleinstadt. Verlaufen garantiert. Hilfe kommt aus Dresden: Fraunhofer-Forscher haben eine App entwickelt, die durch Gänge, Flure, Räume und Etagen navigiert. Und wie findet Apple diese Idee?

Besucher der Kölner Messe: Messebetreiber können die Positionsalgorithmen der Fraunhofer-Forscher angeblich problemlos für eigene Navi-Apps nutzen. 

Besucher der Kölner Messe: Messebetreiber können die Positionsalgorithmen der Fraunhofer-Forscher angeblich problemlos für eigene Navi-Apps nutzen. 

Foto: Koelnmesse

Große Messen, Flughäfen, Einkaufszentren, Museen, Krankenhäuser und Behörden ähnlich oftmals einem Irrgarten. Trotz gut gemeinter Wegweiser und Übersichtspläne zieht eine Menge Zeit ins Land, bis man sein Ziel findet. Forscher des Fraunhofer Instituts für Photonische Mikrosysteme (IPMS) in Dresden haben einen Weg gefunden, das Smartphone auch im Gebäudeinneren für die Navigation zu nutzen. Bislang funktionieren klassische Navigationsprogramme auf GPS-Basis in geschlossenen Räumen nicht, da Decken und Wände das Satellitensignal stören.

Software orientiert sich an Wlan-Spots

Die Wissenschaftler setzen bei ihrer Navigation auf das lokale Funknetz Wlan, das in Gebäuden immer mehr Verbreitung findet. Krankenhäuser etwa hätten in den letzten Jahren bei Wlan-Spots stark aufgeholt, erklärt IPMS-Forscher Christian Scheibner. „Beispielsweise gibt es immer mehr medizinische Geräte, die mit Wlan-Funk ausgerüstet sind und für die Indoornavigation genutzt werden können.“ Die Software der Fraunhofer Forscher wertet die Signalstärke der Wlan-Spots aus und kann somit die Position eines Smartphones auf circa 2 m genau bestimmen.

Gebäudeplan erscheint auf dem Smartphone-Display

Beim Start der App kann der orientierungslose Anwender sein Ziel auswählen – etwa Untersuchungsräume, Patientenzimmer, Kantinen oder Toiletten. Wie bei Navigationsgeräten im Auto sieht er den Gebäudeplan zweidimensional aus der Vogelperspektive. Ziel und aktuelle Position sind mit Punkten markiert.

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Geht der Benutzer los, bewegt sich der Positionspunkt. Liegt das Ziel außerhalb des Bildschirms oder auf einer anderen Etage, zeigen Pfeile den Weg. So erreicht er schnell seinen Bestimmungsort. Vorausgesetzt, er knallt beim ständigen Blick aufs Smartphone nicht mit der Nase gegen eine Wand.

Navi-App der Fraunhofer-Forscher in Dresden: Die Software wertet die Signalstärke einzelner Wlan-Spots aus – das können beispielsweise Medizingeräte sein.

Navi-App der Fraunhofer-Forscher in Dresden: Die Software wertet die Signalstärke einzelner Wlan-Spots aus – das können beispielsweise Medizingeräte sein.

Quelle: Fraunhofer IPMS

Und woher weiß die Software, wie ein Gebäude aufgebaut ist? Ganz einfach: Der Betreiber stellt Kartenmaterial bereit. Auch Rettungspläne ließen sich als Vorlage verwenden, sagt Scheibner. „Wir können jede beliebige große Karte scharf und ohne störende Verzögerung auf jedes Display bringen.“

Angeblich ist es dank offener Schnittstellen auch ganz einfach, die Positions- und Suchalgorithmen in eigene Apps zu integrieren. Gut möglich also, dass es in Zukunft eine Menge Anwendungen mit der Technik aus Dresden gibt.

Apropos große Flughäfen: Dafür interessiert sich auch das europäische Satellitensystem Galileo: Es soll zum Beispiel durch seine hohe Genauigkeit ermöglichen, dass alle Fahrzeuge auf einem Flughafen ihre Positionsdaten an eine Zentrale durchgeben und so die Leitstelle genau weiß, wo sich gerade welcher Schlepper, Bus oder Flugsteigtreppe befinden. Allerdings: Das funktioniert eben nur draußen.

Auch Apple entwickelt App zur Indoor-Navigation

Auch Apple scheint an der Indoor-Navigation per Smartphone-App zu tüfteln. Offenbar tauchte am Sonntag im App Store kurzzeitig eine App namens Indoor Survey auf, berichtet das Onlinemagazin Appleinsider unter Berufung auf den Entwickler Steve Troughton-Smith. „Indem du Punkte auf einer Karte in der Survey-Anwendung setzt, markierst du deine Position innerhalb eines Ortes, während du hindurchläufst“, hieß es angeblich in der Beschreibung der App, die mittlerweile wieder verschwunden ist. „Während du das tust, misst die Survey App Hochfrequenzen und kombiniert diese mit den Sensordaten des iPhones.“

 

Ein Beitrag von:

  • Patrick Schroeder

    Patrick Schroeder arbeitete während seines Studiums der Kommunikationsforschung bei verschiedenen Tageszeitungen. 2012 machte er sich als Journalist selbstständig. Zu seinen Themen gehören Automatisierungstechnik, IT und Industrie 4.0.

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