Studie zur Internetnutzung 01.12.2015, 16:07 Uhr

Jedes zweite Kind surft unkontrolliert

Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland machen online, was sie wollen und so lange sie wollen. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt eine repräsentative Studie, für die 1000 Väter und Mütter befragt wurden, deren Kinder zwischen 11 und 17 Jahren in ihrer Freizeit im Internet unterwegs sind. Sind viele Eltern mit dem Internetverhalten ihrer Kinder überfordert?

Nach einer repräsentativen Forsa-Umfrage kann etwa jedes zweites Kind ab elf Jahren selbst über die Dauer und Art und Weise seiner Internet-Nutzung bestimmen. Knapp fünf Prozent der 11- bis 17-Jährigen sind nach Angaben ihrer Eltern als süchtig einzustufen. 

Nach einer repräsentativen Forsa-Umfrage kann etwa jedes zweites Kind ab elf Jahren selbst über die Dauer und Art und Weise seiner Internet-Nutzung bestimmen. Knapp fünf Prozent der 11- bis 17-Jährigen sind nach Angaben ihrer Eltern als süchtig einzustufen. 

Foto: Marc Tirl/dpa

Klar ist: Es fehlen klare Ansagen ebenso wie die Kontrolle ihrer Befolgung. Etwa bei der Hälfte der Kids, die in ihrer Freizeit online gehen, ist von Haus aus nicht geregelt, wann und wie lange sie sich im Internet herumtreiben dürfen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forsa-Studie zum Thema „Internetsucht im Kinderzimmer“ im Auftrag der Krankenkasse DAK  und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) in Hamburg.

Am Wochenende nutzen Kinder und Jugendliche das Internet beinahe doppelt so lange wie an den Werktagen. 

Am Wochenende nutzen Kinder und Jugendliche das Internet beinahe doppelt so lange wie an den Werktagen. 

Foto: Forsa/DAK-Gesundheit

Nur 57 % der 12- bis 13-Jährigen haben zeitliche Regeln zu befolgen, bei den 14- und 15-Jährigen sind es noch 53 %, und bei den 16-und 17-Jährigen nur noch 29 %.

Kontrolle Fehlanzeige

Immerhin gibt es für 75 % der 12- bis 13-Jährigen, für 70 % der 14- und 15-Jährigen und auch noch für 53 % der 16- und 17-Jährigen Ansagen von den Eltern, welche Inhalte sie im Internet abrufen dürfen und welche nicht. Die Art der Nutzung – also zum Beispiel Surfen, Chatten oder Spielen – ist dagegen wieder weniger reglementiert, nämlich nur bei der Hälfte der jüngsten Altersgruppe, bei den älteren etwa bei jedem dritten Jugendlichen. Und weniger als die Hälfte aller Erziehungsberechtigten können unterschreiben, dass die aufgestellten Regeln auch „voll und ganz“ konsequent umgesetzt werden.

Jungen zocken, Mädchen chatten

Wofür ihre Kids das Internet nutzen, scheinen Eltern immerhin zu wissen. Laut der Studie haben 85 % der Kinder eine Hauptaktivität, der sie mehr als die Hälfte ihrer Onlinezeit nachgehen. Zu diesen Hauptaktivitäten zählen bei 29 % Videos (YouTube) anschauen, Online spielen (29 %) und Chatten sowie Messanger wie WhatsApp nutzen (28 %). Bei Facebook und Co., also in sozialen Netzwerken, tummeln sich laut Eltern dagegen nur etwa 10 % der Kinder hauptsächlich. Und überwiegend mit Surfen vertreiben sich gar nur 3 % die Zeit im Netz.

Wofür ihre Kids das Internet in erster Linie nutzen, scheinen die meisten Eltern zu wissen.

Wofür ihre Kids das Internet in erster Linie nutzen, scheinen die meisten Eltern zu wissen.

Foto: Forsa/DAK-Gesundheit

Interessant: Unter den Jungen machen Onlinespiele wie „World of Warcraft“ oder „Minecraft“ mit 43 %  den Löwenanteil unter den Hauptaktivitäten aus, gefolgt vom Videos gucken mit 32 %. Die Mädchen dagegen sind überwiegend zum Quatschen im Netz: Bei 42 % geben die Eltern Chatten als Hauptaktivität ihrer Töchter an. Darauf folgt Videos gucken mit 26 %.

Insgesamt nutzen Kinder das Internet laut Elternbefragung an einem Werktag im Durchschnitt 2,6 Stunden und am Wochenende 3,7 Stunden – Jungen kaum mehr als Mädchen. Unter der Woche sind schon die 12- und 13-Jährigen zwei Stunden am Tag im Netz unterwegs, die 14- und 15-Jährigen 2,8 und die 16- und 17-Jährigen 3,3 Stunden. An den Wochenenden dehnen sich die Onlinezeiten in den verschiedenen Altersklassen auf durchschnittlich 3,4 und 4,5 Stunden aus.

Fast fünf Prozent droht Internetsucht

Fragwürdig aber beachtenswert ist ein Teil der Erhebung, in dem es um Anzeichen von Suchtverhalten unter Kinder und Jugendlichen geht. Hier sollten die Eltern zum Beispiel einschätzen, ob ihr Kind länger online sei, als es sich (selbst!) eigentlich vornehme – was laut Erziehungsberechtigten bei fast der Hälfte der Kinder der Fall sei.

Nach den Antworten der Eltern zeigen etwa fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen auffälliges Verhalten im Umgang mit dem Internet. 

Nach den Antworten der Eltern zeigen etwa fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen auffälliges Verhalten im Umgang mit dem Internet. 

Foto: Forsa/DAK-Gesundheit

Außerdem wurde gefragt, ob sich das Kind „ruhelos, launisch, niedergeschlagen oder gereizt“ fühle, „wenn es versucht, seine Internetnutzung zu vermindern oder ganz damit aufzuhören“, ob es bei dem Versuch aufzuhören schon einmal gescheitert sei, ob es das Internet nutze, um Problemen zu entfliehen oder das Onlineverhalten Freundschaften oder gar Schule oder Ausbildung beeinträchtige. „In der Gruppe der 12- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen weisen in der Elternbefragung insgesamt 4,7% der Kinder und Jugendlichen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Internetsucht auf“, fasst Prof. Dr. Rainer Thomasius, Ärztlicher Leiter des DZSKJ die Ergebnisse der Elternbefragung zusammen.

Zumindest an den Schulen wird überwiegend versucht, die Handynutzung zu kontrollieren.  

Zumindest an den Schulen wird überwiegend versucht, die Handynutzung zu kontrollieren.  

Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Die DAK finanziert nun neue Aufklärungsbroschüren, die Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte gezielt über das Thema Internet- und Computersucht informieren. Herausgegeben werden die Hefte mit ausführlichen Hintergrundinformationen, Beispielen und einem Selbsttest vom DZSKJ. 

Unter der Flash-Website www.computersuchthilfe.info bietet das DZSKJ auch einen Online-Wecker und ein Online-Tagebuch zum Download an – allerdings nur für Windows und MAC OSX und nicht als App für Smartphone oder Tablet. Diese Hilfsmittel sollen auch Eltern und ihre Kinder dabei unterstützen, sich die persönliche Internetnutzung bewusst zu machen und die Kontrolle erleichtern.

Top Stellenangebote

Hochschule München, Organisation und Personal-Firmenlogo
Hochschule München, Organisation und Personal Wissenschaftliche Mitarbeiterin / Wissenschaftlichen Mitarbeiter München
LUCEBIT GmbH-Firmenlogo
LUCEBIT GmbH Projektleiter / Bauleiter (m/w) Frankfurt (Main)
CLARIANT SE-Firmenlogo
CLARIANT SE Ingenieur / Techniker (m/w) als Leiter Logistik Heufeld bei Rosenheim
Staatliches Bauamt Landshut-Firmenlogo
Staatliches Bauamt Landshut Diplom-Ingenieur/in (FH) / Bachelor Fachrichtung Bauingenieurwesen Landshut
InfraServ Wiesbaden Technik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
InfraServ Wiesbaden Technik GmbH & Co. KG Bauleiter (m/w) im Hochbau Wiesbaden
InfraServ Wiesbaden Technik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
InfraServ Wiesbaden Technik GmbH & Co. KG Arbeitsvorbereiter/Technische Assistenz (m/w) in der Bahntechnik Wiesbaden
FrieslandCampina Germany GmbH-Firmenlogo
FrieslandCampina Germany GmbH SHE-Manager/ Sicherheitsingenieur (m/w) Heilbronn
Pyrexx GmbH-Firmenlogo
Pyrexx GmbH Leiter Hardwareentwicklung (m/w) Berlin
Woodward GmbH-Firmenlogo
Woodward GmbH Software Engineer (m/w) als Testingenieur für Steuerung im Energiesektor Stuttgart
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)-Firmenlogo
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) Promovierte/r Ingenieurwissenschaftler/in der Fachrichtungen Elektrotechnik, Maschinenbau, Materialwissenschaften, Verfahrenstechnik, Bauingenieurwesen Berlin-Adlershof