Hilfe für den Einzelhandel 16.03.2016, 11:31 Uhr

Digitales Personal klopft im Schaufenster und lockt Käufer an

Sie schlendern an Schaufenstern vorbei, ohne hinzugucken? Nicht mehr lange. Eine Heidelberger Firma will jetzt das Schaufenster neu erfinden und dabei digitales Personal einsetzen. Das klopft, wenn Passanten vorbei gehen. Der so genannte „Virtual Promoter“ soll mit Hilfe einer Schwarmfinanzierung auf den Markt gebracht werden. 

Digitaler Lockvogel: Die interaktive Verkäuferin soll Passanten ins Geschäft locken. Außerhalb der Öffnungszeiten nimmt sie auch Bestellungen entgegen. 

Digitaler Lockvogel: Die interaktive Verkäuferin soll Passanten ins Geschäft locken. Außerhalb der Öffnungszeiten nimmt sie auch Bestellungen entgegen. 

Foto: Ameria

In dem digitalen Schaufenster steht eine lebensgroße junge Frau oder ein junger Mann, die auf eine Bildschirmfolie projiziert werden. Diese interaktiven Figuren sind Tag und Nacht auf Zack: Eine spezielle Software erkennt, ob ein Passant in der Nähe ist. Sobald sich jemand draußen nähert, macht der Avatar auf sich aufmerksam. Und das sehr entschlossen: Er klopft von innen ans Fenster – logisch, dass jeder erst mal hinschaut. 

„Virtual Promoter“ zeigt Produkte im Schaufenster

Das Ziel des digitalen Verkäufers ist klar: Waren an den Mann oder die Frau bringen. Dazu zeigt der „Virtual Promoter“ einem die Produkte, die im Laden sind. Um sich die Ware genauer anzusehen, kann der Passant sie vor dem Schaufenster per Gestensteuerung mit der eigenen Hand drehen und wenden.

Beim digitalen Schaufenster gehört der Projektor zur technischen Grundausstattung. 

Beim digitalen Schaufenster gehört der Projektor zur technischen Grundausstattung. 

Foto: Ameria

Wenn einem etwas gefällt, geht man rein. Hat der Laden zu, kann man das Produkt bestellen und ein anderes Mal abholen. 

Idee stammt von der Heidelberger Firma ameria

Die virtuelle Promotion-Idee kommt von der Heidelberger Technologiefirma ameria. Deren Gründer Albrecht Metter ist ein Fan des klassischen Einkaufsbummels. Trotz des bequemen E-Commerce will sich der IT-Profi eine Stadt ohne Geschäfte nicht vorstellen.

Allerdings muss der Einzelhandel neue Wege einschlagen. Denn wenn es so weiter geht mit dem Online-Verkauf, werden die Einzelhandelsgeschäfte noch weniger Geld einnehmen.

„Kunden erwarten mehr Interaktion“

Deshalb will IT-Profi Metter dem Offline-Handel unter die Armee greifen: „Die Händler brauchen Aufmerksamkeit, um Frequenz zu erzielen.“ Um Kunden anzulocken, spiele das klassische Schaufenster immer noch eine tragende Rolle, so Metter.

Beim digitalen Schaufenster wird Kinect-Technologie eingesetzt. Über Gestensteuerung können Passanten mit dem interaktiven Verkaufspersonal kommunizieren.

Beim digitalen Schaufenster wird Kinect-Technologie eingesetzt. Über Gestensteuerung können Passanten mit dem interaktiven Verkaufspersonal kommunizieren.

Foto: Ameria

Natürlich anders als früher: „In Zeiten der Digitalisierung sind Kunden anspruchsvoller geworden und erwarten mehr Interaktion.“ Psychologisch scheint das Kalkül mit dem „Virtual Promoter“ aufzugehen, denn die lebensgroßen Avatare gaukeln ein menschliches Gegenüber und ein „normales“ Gespräch vor.

Mehr Umsatz bei einem Testlauf

Entscheidend ist ja immer, ob die Technik wirkt und Erfolg hat. Und das ist nach Angaben von Metter tatsächlich der Fall. Angeblich hat ein Einzelhändler bei einem Test mit dem „Virtual Promoter“ elf Prozent mehr Umsatz gemacht.

Um auf dem breiten Markt Fuß fassen zu können, hat ameria Anfang März eine Crowdinvesting-Kampagne auf Companisto gestartet. Angepeilt werden dort 500.000 Euro. Die Idee scheint zu begeistern: Denn schon vier Tage nach Beginn der Kampagne hatte die Firma knapp die Hälfte des Geldes zusammen. 

Von Lisa von Prondzinski
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