250 Millionen Medienberichte 24.09.2014, 10:45 Uhr

Datenforscher wollen mit Algorithmus in die Zukunft sehen

Können eine viertel Milliarde Medienberichte helfen, zukünftige Konflikte in der Welt vorherzusagen? Davon überzeugt sind Wissenschaftler aus den USA. Ihr Algorithmus durchforstet eine Datenbank, die seit 35 Jahren Nachrichten aus aller Welt speichert. 

Auch die Krise in der Ukraine analysieren die Datenforscher anhand der 250 Millionen Medienberichte. Sie glauben, mit dem Algorithmus und dem Wissen aus der Vergangenheit in die Zukunft blicken zu können. 

Auch die Krise in der Ukraine analysieren die Datenforscher anhand der 250 Millionen Medienberichte. Sie glauben, mit dem Algorithmus und dem Wissen aus der Vergangenheit in die Zukunft blicken zu können. 

Foto: dpa

Beim Durchforsten riesiger Mengen geschichtlicher Daten ergeben sich Muster, die bei näherer Analyse Anzeichen dafür bieten können, in welche Richtung die weitere Entwicklung der Welt gehen könnte. Kalev Leetaru, Datenwissenschaftler an der Georgetown Universität in Washington, ist der festen Überzeugung, dass Geschichte sich wiederholt und es mit Hilfe der neuen Datenbank aus den USA möglich sei, Muster zu erkennen. Die Datenbank heißt Global Database of Events, Language and Tone (GDELT) und wurde in Kooperation mit Googles Dienst für Datenanalysen Big Query ins Leben gerufen.

Datenbank GDELT hält 250 Millionen Aufzeichnungen bereit

In der Datenbank wurden bisher Medienberichte aus der ganzen Welt in mehr als 100 Sprachen über einen Zeitraum von 35 Jahren gesammelt. GDELT wertet täglich Tausende von Berichten aus öffentlich zugänglichen Medien aus. Nach Angaben von Leetaru konnte das Projekt von 1979 bis heute bereits mehr als eine viertel Milliarde Aufzeichnungen registrieren. Die Daten sind für jeden im Internet zugänglich.

Datenforscher erkennen Muster in Datenflut 

Ziel der Arbeiten von Leetaru ist das Aufspüren zukünftiger Unruhen, Revolten oder Anschläge. „Mit der bereits vorhandenen umfangreichen Software ist es möglich geworden, in nur wenigen Minuten ein Muster in den Daten zu erkennen“, so Leetaru. Dabei wurden komplexe Muster von Ereignissen in der Welt entdeckt, die sich im Laufe der Zeit wiederholen. Die an dem Projekt beteiligten Informatiker untersuchten mit Hilfe der Datenbank jüngste Ereignisse in Ägypten, in der Ukraine und im Libanon und verglichen sie mit Krisen in der Geschichte.

Die Datenbank GDELT speichert seit 1979 Medienberichte aus aller Welt. Wissenschaftler Kalev Leetaru analysiert mit ihnen Konflikte in der Ukraine, in Ägypten und im Libanon und will Muster erkennen. 

Die Datenbank GDELT speichert seit 1979 Medienberichte aus aller Welt. Wissenschaftler Kalev Leetaru analysiert mit ihnen Konflikte in der Ukraine, in Ägypten und im Libanon und will Muster erkennen. 

Foto: GDELT Projekt

„Wer einen Blick auf die Ereignisse in Ägypten in den zurückliegenden zwei Monaten legt und dann die Geschichte jedes Landes in einem Zeitraum vergleicht, der Ähnlichkeiten mit der heutigen Zeit hat, und dann betrachtet, was sich danach abgespielt hat, erhält eine ziemlich gute Einschätzung davon, was sich als Nächstes abspielen könnte“, so Leetaru. 

Karte zeigt jeden Protest seit 1979

Die Entwicklung von Protesten und Gewaltausbrüchen weltweit wurden in einer animierten Karte kodiert. Erfasst wurden 58 verschiedene Kategorien, darunter Ort und Art der Vorfälle. Die Karte dokumentiert ethnisch religiöse Auseinandersetzungen, politische Proteste, Gewaltausbrüche sowie Veränderungen der militärischen Aktivitäten. 

Der Betrachter unternimmt eine Reise durch die Geschichte und jeder lautstarke Protest leuchtet auf der Karte als ein Punkt auf. Proteste in Großbritannien während der Regierung Thatcher sind genauso erfasst wie der Fall der Berliner Mauer und der Ausbruch des Arabischen Frühlings. 

Von Peter Odrich

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