Temperaturempfindliche Module 29.11.2013, 16:01 Uhr

Glasfassaden von Bürogebäuden wechseln Farbe wie ein Chamäleon

Wie die Haut eines Chamäleons verändert sich die Farbe neuer Fassadenmodule, sobald die Sonne auf sie scheint. Möglich wird das durch Dehnstoffarbeitselemente, die eigentlich Thermostatventile in Heizkörpern regeln. 

Die neue Chamäleon-Fassade verändert ihre Farbintensität je nach Temperatur. Möglichen machen das temperaturempfindliche Kolben, die Farbpartikel an die Oberfläche drücken. 

Die neue Chamäleon-Fassade verändert ihre Farbintensität je nach Temperatur. Möglichen machen das temperaturempfindliche Kolben, die Farbpartikel an die Oberfläche drücken. 

Foto: Westsächsische Hochschule Zwickau

Gläserne Fassaden von Bürogebäuden können künftig ihre Farbe wie ein Chamäleon wechseln. Dann jedenfalls, wenn sich eine Idee von Sören Burkhardt, Marcus Kirschke und Oliver Lenk durchsetzt. Die Architekturstudenten an der westsächsischen Hochschule Zwickau haben das Projekt Sensory360 im Rahmen ihres Masterstudiums entwickelt.

Das Farbenspiel wird ausschließlich vom Wetter beeinflusst. Wenn es warm ist, bestimmen kräftige Farben das Bild. Je kälter es wird, desto blasser werden sie. Die Studenten haben tatsächlich dem Chamäleon auf die Haut geschaut. Dieses verändert ebenfalls seine Farbe, wenn die Temperatur wechselt. Ausgelöst wird das durch Befehle, die über die Nervenbahnen in Farbzellen landen. Diese öffnen sich und schon ist die Haut farblich anders gemustert.

Temperaturempfindlicher Kolben drückt Farbpartikel an die Oberfläche

Die Zwickauer Studenten setzten statt nervengesteuerter Zellen so genannte Dehnstoffarbeitselemente ein, die das Kornwestheimer Unternehmen Behr Thermot-Tronik zur Verfügung stellte. Normalerweise stecken sie in Thermostatventilen, die Heizkörper regeln. Bei Erwärmung über den eingestellten Wert fährt ein Stempel heraus, der den Zufluss reduziert oder stoppt. Wird es im Raum wieder kühler, zieht sich der Dehnstoff zusammen und der Kolben fährt wieder hinein.

Die Studenten nutzen den Kolben, um tief liegende und damit unsichtbare Farbpartikel an die Oberfläche zu drücken. Dort werden sie sichtbar, und zwar umso besser, je größer das Volumen des Dehnstoffes wird. Am intensivsten leuchtet die Fassade an den Stellen, die die Sonne trifft. 

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Chamäleon-Fassadenmodule sind in Berliner Galerie zu sehen

Ausgangspunkt der Entwicklung war eigentlich ein künstlerisches Forschungsprojekt. Die Studenten haben jetzt zur Demonstration 50 mal 50 Zentimeter große Boxen aus Kunststoff gebaut. Vom 6. Dezember an sind diese Chamäleon-Fassadenmodule in der Berliner Galerie des Bundes Deutscher Architekten zu sehen. Damit die Farbänderung zu sehen ist, werden die Module zeitweise von Heizstrahlern erwärmt.

Die Fassadenelemente werden ausschließlich von der Temperatur gesteuert, kommen also ohne zusätzliche Sensoren aus und verbrauchen keinen Strom. Allerdings können sich die Studenten auch einen Einsatz im Inneren von Gebäuden vorstellen, etwa als Trennwände. Dann müssten sie allerdings mit Energie versorgt werden, damit es ein Farbenspiel gibt. 

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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