Anzeige

Baugewerke Kälte, Klima, Lüftung und Heizung wachsen zusammen

01. März 2013

„Einzellösungen sind nicht mehr gefragt“, konstatiert Gunther Gamst, Geschäftsführer von Daikin Airconditioning Germany. Für maximale Energieeffizienz im Gebäude müssen die Gewerke Kälte, Klima, Lüftung und Heizung zusammenrücken. Damit steigen auch die Herausforderungen an Hersteller, Planer und Handwerker.
Anzeige
Anzeige


VDI-nachrichten: Herr Gamst, bei Planung und Bau von Gebäuden steht zumeist allein der Heizenergiebedarf im Fokus. Ist dies derzeit noch zeitgemäß?

Gamst: Definitiv nein. Sowohl aus Gründen des Klimaschutzes als auch zur Ressourcenschonung müssen wir den Energieverbrauch von Gebäuden senken. Doch für eine optimale Effizienzsteigerung müssen wir die Gewerke Kälte, Klima, Lüftung und Heizung zusammen betrachten. Einzellösungen sind nicht mehr gefragt. Nur mit kundenspezifischen Systemlösungen lassen sich größtmögliche Effizienzpotenziale erschließen – Effizienz sowohl beim Energieverbrauch als auch bei den Investitionskosten. Leider wird dies im Markt noch nicht gebührend erkannt, denn es steht immer noch der günstigste Preis im Vordergrund, da einzelne Abteilungen in den Unternehmen getrennt agieren.

Anzeige
Anzeige

Wo liegen die Vorteile der ganzheitlichen Betrachtung?

Wenn die Gewerke wie gewohnt einzeln ausgeführt werden, findet kaum Abstimmung statt. So wird nicht nur wertvolle Abwärme verschenkt. Die Systeme, wie Wärme und Kälte, arbeiten in der Praxis teilweise sogar gegeneinander.

Wie hoch schätzen Sie das Effizienzpotenzial?

Anzeige
Anzeige

Gegenüber der getrennten Ausführung der Gewerke kann eine integrative Systemlösung bis zu 60 % der Energiekosten und der CO2-Emissionen einsparen.

Wo liegen die Probleme bei der Umsetzung – bei den Produkten, der Informationstechnik oder dem „Wollen“?

Anzeige
Anzeige

Bei den Produkten sehe ich keine Probleme. Ein Beispiel: Wir setzen auf Wärmepumpen für die komplette Klimatisierung von Gebäuden, also zum Heizen, Lüften, Kühlen und zur Warmwasserbereitung. Die Informationstechnik, Regelung, Steuerung und Überwachung stellt ein lösbares Problem dar. Aber das Haupthemmnis ist das „Wollen“. Bei einem immer komplexer werdenden Kundenanspruch wird es auch immer wichtiger, den ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen. Besonders die Anbieter einzelner Gewerke sehen hier ihr Geschäft in Gefahr. Für unsere Branche ist dies eine große Chance, das Geschäft auch in der Zukunft auf sichere Füße zu stellen. Dem Kältefachbetrieb eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten, er wird zum Komplettanbieter, und das mit nur einer Maschine! Ohne zusätzlichen Gasanschluss, ohne Öltank, ohne separaten Heizraum.

Und wie sieht dies seitens der Investoren aus?

Hier ist es stark davon abhängig, ob diese auch Nutzer des Objektes bleiben. Denn nur dann ist man auch offen für technisch anspruchsvolle, effiziente Lösungen. Soll das Objekt jedoch weiter verkauft oder vermietet werden, spielen Energieeffizienz und CO2-Reduzierung kaum noch eine Rolle.

Kann sich der Investor das angesichts gestiegener Energiepreise denn noch erlauben?

Der Druck in Richtung Energieeffizienz und CO2-Reduzierung muss vom Endnutzer kommen. Er hat es in der Hand, doch leider nimmt er erst langsam Einfluss und es wird ihm auch nicht leicht gemacht.

Wieweit wird dies von der Politik erkannt?

Die technischen Möglichkeiten einer Gesamtlösung werden generell unterschätzt. Wenn wir heute im Bereich Heizung/Lüftung/Klima auf die effizienteste, zur Verfügung stehende Technik umsteigen würden, könnten wir die gesamten CO2-Emissionen in Deutschland um 20 % reduzieren. Das Klimaschutzpotenzial ist darüber hinaus enorm, wenn sie eine alte Öl- oder Gasheizung gegen eine Luft/Luft-Wärmepumpe zum Heizen und Kühlen austauschen, die mit Strom aus erneuerbaren Energien gespeist wird, also Verzicht auf fossile Brennstoffe. Doch statt hier aktiv zu werden, diskutiert die Politik über das Verbot von hocheffizienten Kältemitteln, den F-Gasen. Dabei würden sich Einsparungen bei der Emission klimaschädlicher F-Gase hier nur mit weniger als 1 % auf die gesamten CO2-Emissionen in Deutschland niederschlagen. Hier ist die Politik aufgefordert, mit dem nötigen Augenmaß zu handeln bzw. Lösungen zu diskutieren, die einem gesamtheitlichen Ansatz folgen.

Bei der Wärmepumpe spielen Auslegung und Ausführung eine entscheidende Rolle für die Effizienz der Anlage. Ist bei Ihrer Systemlösung für Heizung, Lüftung und Klima die notwendige Qualität noch zu liefern?

Durchaus, in Deutschland haben wir exzellent ausgebildete Fachkräfte. Doch die Anforderungen steigen. Die Planungsbüros und Handwerksbetriebe müssen sich dafür spezialisieren. Regelmäßige Schulungen sind unabdingbar. Allein schon die Montagequalität hat einen immensen Einfluss auf die Effizienz der Gesamtanlage. Künftig geht es auch darum, die Anlagen permanent zu überwachen und zu kontrollieren. Ansonsten können wir für den Endkunden oder den Nutzer den effizienten Betrieb des Gesamtsystems über den Lebenszyklus nicht gewährleisten.

Der deutsche Heizungsmarkt ist noch klassisch geprägt vom Heizwasserkreislauf. Sie jedoch präferieren Luft als Wärmeverteilmedium. Gibt dies bei Einbeziehung der Gewerke Kälte, Klima und Lüftung den künftigen Trend vor?

Richtig, die Wärmeverteilung erfolgt über Luft, der Wärmetransport jedoch über die Hocheffizienzkältemittel. Abhängig vom Projekt geht die Tendenz zu Luftsystemen, die VRF Technologie (Variable Refrigerant Flow – variabler Kältemittelstrom) hat eindeutig Trends gesetzt und wird dies auch in Zukunft tun.

Die Technik ist effizient und kompakt. Luft/Luft-Wärmepumpen werden in Deutschland unterschätzt, zum Teil aus Unwissenheit. Invertergesteuert, mit variabler Ausblastemperatur je nach Last, und frequenzgeregelt lassen sie an Effizienz und Komfort keine Wünsche offen. Sie können draußen aufgestellt werden. Man benötigt z. B. nur rund 3 m² Stellfläche, um einen Discountermarkt von 900 m² mit Heizung, Lüftung, Kühlung und Kälte zu versorgen.

Welche Bereiche sind hier Vorreiter?

Natürlich kommt es immer auf den individuellen Einsatz und die jeweiligen Erwartungen der Nutzer an – ob im Bürogebäude, beim Discounter, im Hotel oder im Einfamilienhaus. Gut isolierte Gebäude sollten dabei grundsätzlich mit Systemen zur Lüftung und Kühlung ausgestattet sein. Hohe Akzeptanz an gewerkeübergreifenden, energieeffizienten Lösungen findet man bei Discountern mit großer Zahl an Filialen. Ein Beispiel ist unser Haustechnikkonzept für „dm-drogerie markt“. Es wurde bereits in rund 250 Filialen umgesetzt. Mithilfe einer Luft/Luft-Wärmepumpe für Heizen und Kühlen wird pro Jahr pro Filiale etwa ein Drittel der CO2-Emissionen vermieden, im Vergleich zu Anlagen, die getrennt kühlen und heizen. Dabei wird aus Abwärme der zu klimatisierenden Verkaufsfläche noch Nutzwärme für Nebenräume oder für den Türluftschleier am Eingang gewonnen.



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

Bauingenieur (m/w/d) Fachrichtung Tiefbau, Straßenbau oder Siedlungshydrologie
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)

21.09.2026
Eutin
Junior Projektingenieur Papierverarbeitung (m/w/d)
Fripa Papierfabrik Albert Friedrich KG

21.09.2026
Miltenberg
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST AG

21.09.2026
Düsseldorf
Ingenieur:in Explosionsschutz als Fachleiter:in
TÜV NORD CERT GmbH

21.09.2026
Essen
Architekt (m/w/d) mit Schwerpunkt im Bereich Projektmanagement
Stadt Biberach an der Riß

21.09.2026
Biberach
EMSR Techniker (m/w/d)
VESTOLIT GmbH

22.09.2026
Marl
Bauüberwacher (m/w/d) Straßenverkehrsanlagen
Bundesagentur für Arbeit - Vössing Ingenieurgesellschaft mbH

22.09.2026
Stuttgart
Bauingenieur/-in (m/w/d)
Bundesagentur für Arbeit - Landeshauptstadt Stuttgart

22.09.2026
Stuttgart
Technische/r Projektmitarbeiter/in (m/w/d) – Bauwesen / Projektkoordination
Bundesagentur für Arbeit - Dr. Kerner GmbH & Co. KG

22.09.2026
Stuttgart
Ingenieurin / Ingenieur mit Master in Informatik / Elektrotechnik – Beamten- Ausbildung (m/w/d)
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr

22.09.2026
deutschlandweit
Offizierin / Offizier Anwärter/in – Führungskraft Oberfähnrichmodell mit Bachelor (Master) (m/w/d)
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr

22.09.2026
deutschlandweit
Ingenieurin / Ingenieur mit Master – Beamten- Ausbildung (m/w/d)
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr

22.09.2026
deutschlandweit
Teamleitung (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau
Die Autobahn GmbH des Bundes

22.09.2026
Hamm
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST Ingenieure GmbH & Co. KG

22.09.2026
Bielefeld
Senior Projektingenieur (m/w/d) – EMSR-Technik – Projektmanagement
REUTERS INGENIEUR GmbH

22.09.2026
Hofheim
Technische*r Angestellte*r (Techniker*in oder Ingenieur*in) Werkstofftechnik, Physiktechnik, Maschinenbau
Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP)

22.09.2026
Garching
Ingenieurin (m/w/d) / Techniker (m/w/d) der Mess- und Regelungstechnik für Gebäudeautomation
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH)

22.09.2026
Eutin, Lübeck
Leitung Entwicklung (w/m/d) Mechatronische Systeme / Industrielle Sicherheits- und Automatisierungstechnik
Bernstein AG

22.09.2026
Porta Westfalica
Planungsingenieur (w/m/d) und Projektsteuerung – Verkehrsinfrastruktur und Gleisplanung
Ruhrbahn GmbH

22.09.2026
Essen
Gruppenleiter:in Automatisierungstechnik
TraveNetz GmbH

22.09.2026
Lübeck

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige