Energiewende 07.09.2012, 11:00 Uhr

Windkraft-Anlagen: Wettlauf zwischen Meer und Land

Der Wind weht vor den deutschen Küsten nicht nur stärker, sondern seit einiger Zeit auch deutlich unangenehmer für die Investoren und Planer der Windparks. Herstellern, die bislang vorwiegend oder gar ausschließlich auf Onshore gesetzt haben, bringen die Probleme auf See hingegen zusätzlichen Aufwind.

Windenergie: Onshore und Offshore im Wettbewerb.

Windenergie: Onshore und Offshore im Wettbewerb.

Foto: Siemens AG

Baltic 1 in der Ostsee ist derzeit das große Vorzeigeprojekt der Bundesregierung, wenn es um den mit großzügiger Einspeisevergütung von 19 Cent/kWh geförderten Ausbau der Offshore-Windenergie geht. Die hohen Fördersätze sollten ausreichend institutionelle Anleger für große Windparks mit insgesamt bis zu 25 GW installierter Leistung vor allem für die Projekte weit draußen in der Nordsee anlocken. Doch es tauchen immer neue technische Probleme mit den Anschlüssen und der Standsicherheit auf und verzögern die Projekte.

Kritik an Vorzeige-Projekt der Bundesregierung

Auf der vom Euroforum organisierten Handelsblatt-Tagung in Berlin zu erneuerbaren Energien 2012 hagelte es Kritik von allen Seiten. Das jetzige Desaster bei der Gleichstromtechnik sei vorhersehbar gewesen wie die fehlenden Trassen über Land in die Verbrauchszentren nach Süden. Die weitgehende Abwälzung der Haftung auf die Stromverbraucher, letzte Woche vom Kabinett als Ausweg für den nahezu zum Erliegen gekommenen Bau beschlossen, sei eine „Sozialisierung des unternehmerischen Risikos“, so Felix Goedthart, Vorstandschef der Capital Stage AG, eines Hamburger Investmenthauses.

Lex Hartmann, Geschäftsführer des Übertragungsnetzbetreibers Tennet TSO, München, kritisierte zudem, dass es bislang zwar die Planungen von Investoren über insgesamt 25 GW Leistung offshore gebe, aber keinerlei Verpflichtung, das dann auch zu realisieren. Deshalb sei ein auch nur halbwegs synchrones Vorgehen beim Netzanschluss erschwert. „Wir haben jetzt an der Küste eine Verstopfung mit Bauteilen für Masten und Tripoden. Aber derzeit sieht es eher danach aus, als ob wir bis 2020 kaum die 10 GW realisiert bekommen“, so Hartmann.

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EnBW: Offshore-Windkraft wird nicht zum Rückgrat der Energieversorgung

Der Offshore-Wind werde damit zwar sicher auch zu einer wichtigen Säule der künftigen Energieversorgung Deutschlands, doch sicher vorerst nicht das Rückgrat“, so Stefan Thiele, Vorstandssprecher von EnBW, einem der großen Investoren in der Nordsee. Und auch Dietmar Schütz, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie, warnt die Regierung, „nicht den Fehler zu machen, zu sehr auf die Offshore-Windkraft zu setzen“.

Diese Entwicklung ist Wind auf den Mühlen von Enercon. Deutschlands Nummer eins bei Onshore-Windanlagen mit derzeit rund 13 GW installierter Turbinenleistung will auch künftig festen Boden unter den Fundamenten finden und sieht bislang hier auch kaum Wachstumsgrenzen. „Wir haben praktisch überall in Deutschland noch viel Potenzial bei den Flächen, nicht nur in Nordrhein-Westfalen oder im Süden, wo bislang die Windenergie noch wenig ausgebaut ist“, so Hans-Dieter Kettwig, Geschäftsführer des in Aurich ansässigen Windkraftspezialisten.

Große Potenziale sieht Kettwig aber nicht nur an neuen und alten Standorten, die zum Teil schon seit Langem genehmigt sind, sondern vor allem in einer höheren Ausbeute moderner Anlagen. Beim jetzt erst beginnenden Repowering könnten Altgeräte mit oft lediglich 500 kW Leistung durch die modernen E 115 oder gar E 126 ersetzt werden. Diese neuen Windräder haben jedoch nicht nur zwischen 2,5 MW und 7,6 MW installierte Leistung, sie nutzen auch durch höhere Nabenhöhen und die größeren Rotordurchmesser den Wind wesentlich besser aus.

Laut Kettwig lassen sich die Jahreserträge heute gegenüber 17 Jahre alten Anlagen mehr als verzehnfachen. Dazu kommen Optimierungen an den Flügelgeometrien, etwa die Winglet-Spitzen, einzeln verstellbare Blätter oder zusätzliche, verstellbare Flächen am Flügelblattansatz. Entscheidend sei heute nicht mehr allein die installierte Leistung, sondern die Gesamtverfügbarkeit und die Anpassung an die konkrete Windsituation am Standort.

Das bestätigt Mitbewerber Vestas, bislang ebenfalls vor allem onshore unterwegs – jedoch eher unfreiwillig, weil die für das Meer vorgesehene neue Anlage noch nicht am Markt verfügbar ist. Vestas will an Land künftig Nabenhöhen von bis zu 160 m realisieren. Wolfgang J. Schmitz, Präsident Vestas Centraleurope, rechnet allein durch die höheren Türme mit rund 25 % bis 30 % mehr Ertrag. Dazu kommen die immer länger werdenden Rotorblätter, wobei ein um 10 % vergrößerter Rotor-Durchmesser den Gesamtertrag sogar um 20 % steigert.

Offshore-Projekte sind technisch noch etwas voraus

Allerdings sind hier die Offshore-Projekte technisch noch etwas weiter: So haben die getriebelosen Windräder von Siemens (6 MW) nicht nur mit 6 MW eine doppelt so hohe Leistung wie die größten Onshore-Anlagen von Vestas, sie übertreffen auch mit Blattlängen von 75 m die Konkurrenz an Land deutlich.

Doch wenn die sich abzeichnenden Öffnungen für neue Windparks in Bayern und Baden-Württemberg Realität werden – laut dem neuen Energiekonzept des Freistaates sollen allein hier bis 2021 die vorhandenen 500 Turbinenstandorte mindestens verdoppelt werden –, kommt noch ein wesentliches Plus für Onshore hinzu: Die neuen Anlagen würden dann in unmittelbarer Nähe der großen Lastzentren errichtet, der Bedarf an zusätzlichen Leitungskapazitäten würde entsprechend geringer. Bayern will künftig sogar Wald- und Naturschutzflächen für Windanlagen öffnen, was bei Vestas bereits intensive Planungen ausgelöst hat.

Ein Beitrag von:

  • Manfred Schulze

    Manfred Schulze ist freier Journalist für Fachzeitungen Energie, Logistik, Technologie.

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