Wohnhaus ist Kraftwerk 09.07.2015, 15:08 Uhr

Weltgrößtes Aktivhaus erzeugt mehr Energie als es verbraucht

Es ist ein Wohnhaus und eigentlich auch noch ein Kraftwerk: Das achtstöckige Wohnhaus mitten in Frankfurt, das Umweltministerin Barbara Hendricks am Mittwoch eingeweiht hat, produziert mehr Energie als seine Bewohner verbrauchen. Es ist das größte Aktivhaus der Welt.

Es produziert mehr Strom als in ihm verbraucht wird: Das Aktivhaus der Wohnungsbaugesellschaft ABG in Frankfurt hat nicht nur Solarzellen auf dem Dach, sondern nutzt durch Wärmetauscher auch die Energie des Abwassers.

Es produziert mehr Strom als in ihm verbraucht wird: Das Aktivhaus der Wohnungsbaugesellschaft ABG in Frankfurt hat nicht nur Solarzellen auf dem Dach, sondern nutzt durch Wärmetauscher auch die Energie des Abwassers.

Foto: ABG

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Der neue Wohnkomplex an der Frankfurter Speicherstraße hat es in und vor allem auf sich: 1330 Solarmodule auf dem Dach und an der Fassade erzeugen den Strom, der gleich im Haus selbst verbraucht wird. Mit diesem Sonnenstrom wird zusätzlich eine Pumpe angetrieben, die im nahen Abwasserkanal die Wärme aus dem Abwasser zurückgewinnt, um damit die Heizungen im Haus zu betreiben und Warmwasser zu produzieren.

Der von den Sonnenkollektoren erzeugte Strom wird in einer Batterie im Keller des Gebäudes gespeichert. Der Stromspeicher mit dem Batterietypus Lithium-Eisen-Phosphat verfügt über eine Speichergröße von 250 kWh. Doch der Platzbedarf des Akkus ist angesichts des großes Hauses vergleichsweise klein. Die Batterie ist in einem 2 m hohen, 6 m breiten und nur 70 cm tiefen Schrank untergebracht. Die Batterie übernimmt die Stromversorgung vor allem an sonnenarmen Tagen und in der Nacht.

Fassade des ABG-Aktivhauses in Frankfurt: Die schwarzen Fassadenelemente sind ebenfalls Solarzellen. In der Fassade wurden 350 Solarpanele integriert.

Fassade des ABG-Aktivhauses in Frankfurt: Die schwarzen Fassadenelemente sind ebenfalls Solarzellen. In der Fassade wurden 350 Solarpanele integriert.

Foto: ABG

Das Gebäude, entworfen vom Kasseler Architekturbüro Hegger Hegger Schleiff, soll durch den Einsatz modernster Technik mehr Energie für seine Bewohner erzeugen, als die Nutzer verbrauchen – so beschreibt das Betreiber-Unternehmen ABG Frankfurt Holding das Ziel des sogenannten Aktiv-Stadthauses.

Selbst aus dem Abwasser wird Energie gewonnen

Der Mietpreis für die Wohnungen liegt bei circa 13,50 € pro Quadratmeter. Die Kosten für Strom, Heizung und Warmwasser sind darin aber schon enthalten.

Das knapp 24 Mio. € teure Gebäude gehört zum sogenannten Netzwerk Effizienzhaus Plus und wird vom Bundesumweltministerium gefördert. Dessen Chefin Barbara Hendricks sagte jetzt im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeit: „In Frankfurts Zentrum bereichert dieser innovative Neubau das Stadtbild und schafft notwendigen bezahlbaren Wohnraum.“ Schon jetzt übertreffe das Haus die hohen klima- und energiegerechten Anforderungen, die die EU ab 2021 für neue Wohngebäude vorsehe, so die Bundesumweltministerin.

Im Schmutzwasserkanal gibt es einen 60 Meter langen Wärmetauscher. Damit lässt sich Wärme aus dem Abwasser zu nutzen, um das Gebäude zu beheizen. Eine Wärmpumpe mit 120 kWth im Gebäude versorgt die Wohnungen mit Heizung und Warmwasser.

Im Schmutzwasserkanal gibt es einen 60 Meter langen Wärmetauscher. Damit lässt sich Wärme aus dem Abwasser zu nutzen, um das Gebäude zu beheizen. Eine Wärmpumpe mit 120 kWth im Gebäude versorgt die Wohnungen mit Heizung und Warmwasser.

Foto: ABG

Beim Bau des Hauses, das auf einem langen und schmalen Grundstück steht (160 mal 9 m) wurde auf eine Kombination aus gut gedämmter Gebäudehülle, regenerativen Energien und sparsamen Haushaltsgeräten gesetzt. Neben einer Einbauküche sowie Trockner und Waschmaschine gehört auch ein spezielles Display zum Grundinventar jeder Wohnung.

Darauf können alle Mieter den jeweiligen Energieverbrauch mit der aktuellen Stromerzeugung des Hauses vergleichen und aufeinander abstimmen. So soll die Ausnutzung des erzeugten Stroms im Aktiv-Stadthaus erhöht und der Bezug von externem Strom aus dem öffentlichen Netz möglichst gering gehalten werden. Mieter, die mit dem Elektroauto durch Frankfurt fahren wollen, die können auf den Car-Sharing-Service im Haus zurückgreifen. Natürlich werden alle Elektrofahrzeuge mit dem selbstproduzierten Sonnenstrom getankt. 

Der 160 m lange Wohnkomplex steht auf einem nur 9 m breiten Grundstück.

Der 160 m lange Wohnkomplex steht auf einem nur 9 m breiten Grundstück.

Foto: ABG

Die meisten Aktivhäuser in Deutschland sind eher klein. So hat der Stuttgarter Architekt Werner Sobek ein Haus gebaut, das ebenfalls mehr Strom produziert als seine Bewohner benötigen und an seine Nachbarn liefert.

Von Jan-Martin Altgeld

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