Niedrige Kosten 07.07.2015, 14:05 Uhr

Weiteres Gezeitenkraftwerk vor der britischen Küste im Bristol Channel

Nachdem vor der schottischen Küste im Frühjahr mit dem Bau des weltgrößten schwimmenden Gezeitenkraftwerks begonnen wurde, steht nun ein weiteres großes Gezeitenkraftwerk vor der britischen Küste zum Bau an. Die neue Anlage soll in der Meerenge zwischen Westengland und Wales, dem so genannten Bristol Channel, gebaut werden. 

Modell des Gezeitenkraftwerkes im Bristol Channel: Durch die veränderte Form der Propeller soll das Kraftwerk mehr Strom als herkömmliche Gezeitenkraftwerke produzieren.

Modell des Gezeitenkraftwerkes im Bristol Channel: Durch die veränderte Form der Propeller soll das Kraftwerk mehr Strom als herkömmliche Gezeitenkraftwerke produzieren.

Foto: Kepler Energy

Kepler Energy, das die neue Anlage baut, spricht von einem „Gezeitenkraftwerk der 2. Generation”. Gemeint ist damit, dass die vom Department of Engineering Sciences der Universität Oxford entwickelte Technik deutlich effizienter ist als jene bisheriger, fest installierter Gezeitenkraftwerke. Die neue Konstruktion der Turbine, auf englich einer Transverse Horizontal Axis Water Turbine (THAWT), soll um ein Mehrfaches über der bisherigen Gezeitenkraftwerke liegen, die einem im Wasser installierten Windrad oder einer Turbine gleichen.

Lange Rotorwelle von 60 m aus Kompositmaterial 

Beim THAWT drehen sich zwischen jeweils zwei Pfeilern lang gestreckte Rotorwellen, die aus einem Kohlenstofffaser-Kompositmaterial bestehen, das auch gegen Korrosion gefeit ist. Das ist ein ganz anderes Konzept als beim größten, schwimmenden Gezeitenkraftwerk, das derzeit vor der britischen Küste im Bau ist.

Das Kraftwerk im Bristol Channel soll einen Kilometer lang werden. Kepler geht davon aus, dass langfristig sogar Kraftwerke mit einer Länge von bis zu zehn Kilometern denkbar sind. Dabei können bestehende Kraftwerke auch in mehreren Schritten nach und nach verlängert werden.

Im Labor wurde die Technik erprobt, die deutlich effizienter sein soll als herkömmliche Gezeitenkraftwerke.

Im Labor wurde die Technik erprobt, die deutlich effizienter sein soll als herkömmliche Gezeitenkraftwerke.

Foto: Kepler Energy

Die Anlage im Bristol Channel soll 143 Mio. £ oder umgerechnet rund 200 Mio. € kosten. Ihre Kapazität wird von Kepler mit 30 MW genannt. Bezogen auf die Kosten der Stromerzeugung geht Kepler von 140 bis 180 € je MWh aus. Kepler kalkuliert, dass längerfristig mit dieser Technik Anlagen gebaut werden können, deren Stromerzeugungskosten unter jenen von Offshore-Anlagen bleiben werden.

Gezeitenkraftwerke nutzen Ebbe und Flut. Das THAWT-Kraftwerk kann deshalb rund um die Uhr Strom produzieren. Bei Flut treibt das Wasser von See kommend die Rotorwellen an, bei Ebbe dreht sich die Fließrichtung um. Möglich ist laut Angaben von Kepler die Installation in Wassertiefen von bis zu 30 m. Normal sind 20 m Tiefe. Fließgeschwindigkeiten der See von bis zu 2,5 m/sek. stellen kein Problem dar.

Gezeitenkraftwerk kostet nur 143 Mio. £

Kepler sieht den Vorteil der THAWT-Technik in vergleichsweise niedrigen Investitions- wie auch Wartungskosten. Ein wesentlicher Vorteil der gesamten Investition ist, dass die Anlage ohne einen teuren Absperrdamm auskommt, wie ihn etwa die Lagunenkraftwerke benötigen. Beim Bau trägt zu den niedrigen Gesamtkosten bei, dass die vom Gewicht her leichten Rotorwellen einfach zwischen den Betonpfeilern eingehängt werden. Damit sind Spezialschiffe überflüssig.

Für die Montage des Gezeitenkraftwerkes von Kepler Energy sind keine Spezialschiffe notwendig. Auch deshalb sollen die Kosten recht gering sein. Der Bau der 1 km breiten Anlage soll 143 Mio. £ kosten.

Für die Montage des Gezeitenkraftwerkes von Kepler Energy sind keine Spezialschiffe notwendig. Auch deshalb sollen die Kosten recht gering sein. Der Bau der 1 km breiten Anlage soll 143 Mio. £ kosten.

Foto: Kepler Energy

Die Rotorwellen haben eine Länge von 60 m und einen Durchmesser von 10 m. Zwischen zwei Wellen ist in der Mitte in einem Pfeiler jeweils ein Generator angeordnet. All das schlägt sich in relativ niedrigen Wartungskosten und einer vergleichsweise hohen Betriebssicherheit nieder. 

Von Peter Odrich

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