Jahrestagung DVGW 24.09.2025, 16:35 Uhr

Wasserstoff: Warum das Gas für die Energiewende ein Gamechanger bleibt

Für den deutschen Verein des Gas und Wasserfaches (DVGW) bleibt Wasserstoff für die Energiewende unverzichtbar. Wie es gehen kann, ist Thema auf dem DVGW-Jahreskongress.

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Idealisierte Ansicht einer Wasserstoffpipeline: Für den deutschen Verein des Gas und Wasserfaches (DVGW) bleibt Wasserstoff für die Energiewende unverzichtbar.

Foto: PantherMedia / phonlamai

Nach der Vorstellung des Monitoringberichts der Bundesregierung letzte Woche konnte der Eindruck entstehen, das Thema Wasserstoff und Energiewende sei unter die Räder gekommen. Beim Jahreskongress des Deutsche Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) wurde heute deutlich, dass eine Energiewende ohne Wasserstoff kaum denkbar ist, aber anders erfolgt.

Erdgas werde „als molekularer Energieträger mittelfristig unverzichtbar bleiben“, so Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW, bei einer Presseveranstaltung am Rande des Kongresses, „bis ausreichende und bezahlbare Mengen an grünem und anfangs auch kohlenstoffarmem blauen oder türkisen Wasserstoff verfügbar sind. Angesichts der enormen wirtschaftlichen Herausforderungen für unser Land ist es eine gesamtgesellschaftliche Verpflichtung, Risiken zu minimieren, die zu weiteren Belastungen für die Menschen und Unternehmen führen könnten.“

Energiewende heißt nicht nur Ökostrom, sondern auch die gesamte Molekülseite zu dekarbonisieren

Linke machte deutlich, wie wichtig es wäre, würde die Energiewende gesamtenergetisch betrachtet. Im Stromsektor habe man schon 50 % dekarbonisiert, allerdings: „Nimmt man die Molekularseite mit, dann haben wir noch nicht viel erreicht, weil 80 % unserer Energie sind ja die Moleküle. Und da ist der Dekarbonisierungspfad noch viel weiter.“

Durch den Monitoringbericht der Bundesregierung zur Energiewende sei die Wahrheit gesagt worden über die Themen: „Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Was gehört alles zum Zielbild, was noch nicht adressiert ist? Wie lange das dauert?“ Die im Bericht vorgenommene Bestandsaufnahme und Überprüfung der Maßnahmen stellen aus Sicht des DVGW einen sinnvollen Schritt dar.

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Klimaziele ohne Wasserstoff nicht erreichbar

Durch Gaskraftwerke habe Deutschland einen einfachen Zugang zum globalen Markt. „Das ist ein ganz entscheidender Punkt“, betonte Linke. „Deswegen unterstützen wir als DVGW in jedem Fall die 20-GW-Strategie und sagen: Es ist noch viel mehr zu tun. Aber was nicht passieren darf, ist ein Ausstieg ohne einen vorherigen Einstieg.“ Schließlich, so der DVGW in einer Mitteilung, würden langfristig auch 23 GW an gesicherter Leistung für eine grundlastfähiger Stromerzeugung durch den Kohleausstieg weniger zur Verfügung stehen als heute.

„Wir erreichen die Klimaziele nicht ohne eine Wasserstoffstrategie. Und das ist ja auch mengenmäßig klar“, betont Linke. Er rechnet vor, dass der gesamte Endenergiebedarf deutschlandweit bei grob 2000 TWh liege, davon entfielen grob 500 TWh auf Strom. Selbst wenn dieser Anteil auf 700 TWh (Zielmarke im Monitoringbericht, Anm. d. Red.) wachsen würde und man ihn vollständig klimaneutral stellen würde: „Es bleiben am Ende 1300 TWH.“ Dies sei mehr als der Gasabsatz. „Der Energiehunger Deutschlands wird auch nicht weiter schrumpfen“, ist sich Linke sicher. „Es sei denn, wir schalten hier bewusst Produktion ab.“

Kostendebatte zugunsten der Stromnetze verzerrt

Der DVGW-Präsident verweist auf die Kostendebatte: einerseits beim Stromnetz, andererseits für das Wassernetz. Linke machte deutlich, dass die Wahrnehmung hier verzerrt ist. Ausgehend von einer Studie der Universität Essen fielen für die Stromnetzbetreiber über insgesamt 700 Mrd. € an Investitionen bis 2035 an. Im Vergleich betrügen die Investitionen in ein Wasserstoffnetz nur rund 10 % davon: 20 Mrd. € würden auf den Aufbau des Kernnetzes entfallen, 5 Mrd. € auf den Umbau des Gasnetzes und 45 Mrd. € wären dabei bereits für den Betrieb eingepreist.

Zum Vergleich: Heute äußerte sich der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zur Kostendebatte beim Stromnetzausbau: „Mehr Leitungen, mehr Anschlüsse, mehr Digitalisierung, mehr Flexibilität, mehr Geschwindigkeit und Sicherheit. Dafür sind bis 2035 Investitionen von mehr als 200 Mrd. € erforderlich. Das heißt, die jährlichen Investitionen der Netzbetreiber müssen sich teilweise verdreifachen.“

Streit um grünen und blauen Wasserstoff

„Dem Klima ist es völlig egal, ob der Wasserstoff grün oder blau ist“, konstatiert Linke. Der DVGW hätte Berechnungen angestellt, wonach grüner Wasserstoff, der in Deutschland mit chinesischen Photovoltaikmodulen erzeugt werde, nicht unbedingt besser sei als hierzulande erzeugter blauer Wasserstoff. Das hiesige Gasnetz ist ohnehin bereit für Wasserstoff, wie der DVGW schon letztes Jahr konstatierte.

„Gerade jetzt, vor der Widersprüchlichkeit der europäischen Politik, mit Trump einen Deal abzuschließen, große Erdgasmengen einzukaufen und selber Vorreiter einer Wasserstoffwirtschaft zu sein, vor dieser Widersprüchlichkeit ist der blaue Wasserstoff die Lösung“, betonte Linke. Es sei eben nicht möglich Strom aus den USA beziehen. „Das ist natürlich auf der Gasseite anders. Das heißt, wir müssen uns weiter diversifizieren, haben jetzt mit Wasserstoff die Möglichkeit, tatsächlich auch an neue Länder heranzukommen.“ Aktuell gebe es Bewegung, einerseits Richtung Afrika oder des skandinavischen Korridors. „Das sind alles reale Projekte, und damit können wir uns besser vernetzen und einfacher Global Sourcing betreiben. Das kann man auf der Stromseite nicht.“

Sicherheits- und Resilienzdebatte in der Energie- und Wasserwirtschaft

Drohnenüberflüge über kritische Infrastrukturen wie Anlagen der öffentlichen Wasserversorgung, aber auch der Energieversorgung befeuern derzeit eine Debatte, wie diese Anlagen geschützt sind bzw. besser zu schützen seien. „Da müsste man sich erst mal genauer angucken: Wie real ist denn das überhaupt? Reden wir über Angriffsdrohungen?“, sagt DVGW-Vorstand Wasser Wolf Merkel. „Ein Versorgungsunternehmen ist zunächst mal kein verlängerter Arm der Bundeswehr“, betonte er. Wenn jetzt Leute fabulierten, Versorgungsunternehmen müssten ihre Anlagen selber schützen, weil die Bundeswehr dazu nicht die Kapazitäten habe, dann gelte es aber auch, sich konsequent auf die gesamte Gemengelage einlassen.

Linke betonte, es könne nicht Sache einzelner Versorger, ob Energie- oder Wasserversorger, sein, für die Landesverteidigung einzutreten. Allerdings: „Ich glaube, dann müssen wir ehrlicherweise die Diskussion eröffnen: Wie sicher sind wir eigentlich in Deutschland? Was brauchen wir noch für Abwehrmaßnahmen für das Land?“ Es mache keinen Sinn, jeden Bestandteil von Wirtschaft und Gesellschaft einzeln zu debattieren: „Das muss ja schon flächendeckend sein. Bevor wir jetzt anfangen, Friktionen in unserem ganzen Wirtschaftssystem zu erzeugen, weil wir eine staatliche Aufgabe auf alle Schultern verteilen, sollten wir lieber dann mehr Sicherheit vom Staat fordern.“

Chancen durch Wasserstoff für Gebäude und Verkehr laut DVGW nicht erkannt

Am Monitoringbericht der Bundesregierung hatte der DVGW letzte Woche kritisiert, „dass der Einsatz von Wasserstoff vor allem in der Industrie, im Energiesektor sowie zur Erzeugung von Prozesswärme auf hohem Temperaturniveau als notwendig erachtet wird“. Seine Potenziale im Gebäude- und im Verkehrssektor sowie das Gasverteilnetz als wichtiges Element der Energieinfrastruktur würden „weiterhin als nicht signifikant eingestuft werden“.

Linke wies darauf hin, dass dann, wenn größere Industrieabnehmer an das Wasserstoffkernnetz angeschlossen würden, die entsprechende Versorgung der umliegenden Wohngebiete eine gute Synergie wären. „Die Notwendigkeit und das hohe Potenzial der Verteilnetzinfrastruktur, Wasserstoff über die vorhandenen Gasnetze an eine Vielzahl unterschiedlicher Abnehmer zu transportieren, werden nicht gesehen“, hatte Linke zudem vor Wochenfrist bemängelt. Das Gasverteilnetz mit einer Länge von über 500.000 km nicht ausreichend zu nutzen, bedeute, Möglichkeiten zu verkennen und Chancen zu vergeben.

Ein Beitrag von:

  • Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder ist Technik- und Wissenschaftsjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Klima und Quantentechnologien. Grundlage hierfür ist sein Studium als Physiker und eine anschließende Fortbildung zum Umweltjournalisten.

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