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Wasser – nasses Gut wird zum „blauen Gold“

21. Januar 2011

Wachsende Bevölkerung und Wasserknappheit – das nasse Gut wird zunehmend zum „blauen Gold“. Studien prophezeien dem Wassermarkt zweistellige Zuwachsraten. Doch nur wenige deutsche Firmen profitieren bisher von dem Milliardengeschäft. Nun droht noch die Rekommunalisierung der deutschen Wasserwirtschaft – zum Nachteil lokaler Versorger.
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Deutsche Wasserfirmen sind erfolgreich auf dem Markt in Osteuropa. Die Essener WTE Wassertechnik errichtete z. B. in Osteuropa an rund 50 Standorten Klär-, Wasseraufbereitungs- und Klärschlammverbrennungsanlagen. Vor allem in Russland, Kroatien, Polen und Litauen ist die WTE präsent. In Litauen ist die Firma laut WTE-Chef Ralf Schröder Marktführer und in Russland hat das Unternehmen gerade den Zuschlag für den Betrieb einer zweiten Kläranlage in Moskau erhalten.

Ebenso haben die Essener in Zypern Projekt um Projekt erobert. Schröder weist gegenüber den VDI nachrichten besonders auf die größte MBR-Anlage Europas hin, die in Nikosia entsteht (MBR steht für Membrane-Bio-Reactor). Die Anlage bereitet das Abwasser so auf, dass es zur Bewässerung der Landwirtschaft dient. Dabei wird auch die Teilung Zyperns überwunden.

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WTE zählt zu den wenigen deutschen Firmen, die im internationalen Wassergeschäft ganz vorne mitspielen und mit den beiden führenden Konzerne Veolia und Suez Environnement konkurriert. Seitdem sich der Versorger RWE – mit Ausnahme von Berlin und Budapest – quasi aus dem Geschäft mit dem kühlen Nass zurückgezogen hat, gebe es so gut wie keinen deutschen „global player“ in diesem Milliardenmarkt.

Vor allem die etablierten deutschen Anlagenbauer haben an Einfluss verloren. Viele von ihnen wurden von ausländischen Konkurrenten übernommen. Lurgi Bamag beispielsweise geriet unter amerikanisch-ägyptische Kontrolle, Passavant Roedgiger gehört zu 82 % Drake & Scull aus Dubai. Selbst WTE gehört mehrheitlich dem österreichischen Energieversorger EVN.

Das einst führende deutsche Wassertechnik-Unternehmen Wabag in Kulmbach ist inzwischen in indisch-österreichischer Hand. Der Verkauf hat sich gelohnt: Das Unternehmen wächst rasant, insbesondere in den Schwellenländern.

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Vor Kurzem hat Wabag den Auftrag für die Großkläranlage Shiraz im Iran im Wert von 32 Mio. € erhalten. Weitere Orders gab es in Libyen, Indien, Hongkong, Saudi-Arabien und Bosnien-Herzegowina. In Indien baut Wabag derzeit die größte Meerwasserentsalzungsanlage mit einer Kapazität von 100 000 m3/Tag. Neben der langen Erfahrung sind für Wabag-Chef Erik Gothlin die Kosten- und Know-how-Synergien zwischen Indien und Europa von Vorteil.

Bei den Zulieferern gibt es mehr deutsche Wasserfirmen, die ihre Eigenständigkeit bewahren und in speziellen Nischen eine Vorreiter-Rolle einnehmen. KSB z. B. hat sich seit Jahren als einer der führenden Pumpenhersteller der Welt etabliert. Die Frankenthaler lieferten Pumpen u. a. für das höchste Gebäude der Welt, den „Bhurj Kalifa“ in Dubai. Jüngster Coup war ein 10-Mio.-€-Auftrag für die Modernisierung des Abwassersystems in London. Dort pumpt KSB anfallendes Abwasser aus einem Tunnel in die Kläranlagen. Der 7 km lange Tunnel, Fertigstellung bis 2015, wird das Abwasser auffangen, das sonst ungeklärt in die Themse fließt.

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Dank der Zulieferer ist Deutschland in der Umwelttechnik weltweit die Nummer 2. Laut VDMA kommen die deutschen Wasserfirmen auf einen Marktanteil von 18 % – hinter den USA (21 %). „Wir haben in vielen Feldern die Technologieführerschaft inne“, erklärte Gottlieb Hupfer, Chef von EnviroChemie auf der Umweltleitmesse Ifat. Die Wirtschaftsflaute überstand die Branche ohne große Blessuren. „Die Krise hat uns spät und sanft erwischt“, sagte Hupfer.

Der VDMA sieht großes Wachstumspotenzial im Weltwassermarkt. „40 von 100 Bürgern werden in zehn Jahren ein Wasserversorgungsproblem haben“, glaubt der Verband. Dementsprechend hoch ist der Bedarf für Wassertechnik. Derzeit schätzt der VDMA das Marktvolumen auf 500 Mrd. €

Die Exportquote der deutschen Wasserfirmen hat sich in den letzten Jahren auf 40 % verdoppelt. Denn der heimische Wassermarkt gilt als relativ saturiert, es gibt kaum noch große neue Kläranlagenprojekte. In den meisten Ausschreibungen geht es um die Erweiterung oder Modernisierung bisheriger Abwassersysteme.

Lukrativer kann da der ganze Betrieb der Anlagen sein. Mehrere Städte haben ihre Wasserversorgung und Abwasserentsorgung an private Unternehmen vergeben und Kasse gemacht. Vor allem die französischen Wassergiganten mischen hier mit. Eurawasser (Suez Environnement) betreibt die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Rostock, Goslar, Schwerin und Cottbus. Konkurrent Veolia ist vor allem in den neuen Bundesländern präsent.

Vorzeigeprojekt ist Berlin. 1999 verkaufte der Senat 49 % der Berliner Wasserbetriebe (BWB) an RWE und die französische Veolia. Doch weil in Berlin der Wasserpreis kräftig erhöht wurde, soll nun der Deal rückgängig gemacht werden. Der Berliner Senat will per Volksabstimmung erreichen, dass die Teilprivatisierung aufgehoben wird und er wieder die Kontrolle an Wasserbetrieben erhält. In Wetzlar übernahm die öffentliche Hand die einst privatisierte Wasserversorgung wieder, und Gießens Stadtwerke gaben ihr Wassergeschäft an den staatlichen mittelhessischen Wasserbetrieb ab. Die Kommunen verstaatlichen ihre Betriebe, um der Kontrolle der Regulierer zu entgehen.

Das hessische Landeskartellamt hat nämlich mehrere Versorger verdonnert, die Wasserpreise drastisch zu senken. Allein die Wetzlarer Enwag soll einen um über 30 % zu hohen Preis verlangt haben und muss 4 Mio. € rückerstatten. Da bleibt den Wasserversorgern oft nur die Wahl: Konkurs und Verstaatlichung.



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