Atomruine Fukushima 15.04.2015, 12:37 Uhr

Roboter liefert erstmals Fotos vom extrem verstrahlten AKW-Innern

Es war ein One-Way-Ticket für den Roboter, der jetzt ins Innere der Atomruine von Fukushima geschickt wurde. Und erstmals Fotos von dort lieferte. Einmalig. Die Maschine kehrte nicht mehr zurück aus dem extrem verstrahlten Terrain, dessen Betreten für Menschen den sicheren Tod bedeutet.

Bilder aus dem Unglücksreaktor von Fukushima: Erstmals machte ein Roboter Aufnahmen im extrem verstrahlten Innern der Anlage. Der Roboter leuchtete seinen Weg aus und filmte seine Umgebung. Jetzt ist er im Reaktorblock 1 zurückgelassen worden.

Bilder aus dem Unglücksreaktor von Fukushima: Erstmals machte ein Roboter Aufnahmen im extrem verstrahlten Innern der Anlage. Der Roboter leuchtete seinen Weg aus und filmte seine Umgebung. Jetzt ist er im Reaktorblock 1 zurückgelassen worden.

Foto: Tepco/dpa

Der Roboter war im Auftrag der Betreiberfirma Tepco unterwegs: Er sollte nach Spuren des geschmolzenen radioaktiven Brennstoffs suchen. Die hat er nicht gefunden. Dafür aber erste Bilder aus der strahlenden Ruine geliefert. Diese zeigen einen Mix aus wabernden Staubwolken oder Dampf, angeleuchtet nur von der Lampe des Roboters. Darauf sind schwer identifizierbare Trümmer sowie Bilder von Teilen der Plattform direkt unter dem Boden des Reaktorkerns zu sehen.

Keine größeren Hindernisse gesichtet

Nach Angaben von Tepco sind im Sicherheitsbehälter des zerstörten Reaktors Nummer 1 nahe einer Öffnung zum Tiefgeschoss keine größeren Hindernisse vom Roboter gesichtet worden. Es mag seltsam klingen, aber dies gilt als positives Zeichen für die weitere Suche nach den geschmolzenen Brennstäben.

Laut Tepco sind in der Ruine keine größeren Hindernisse gesichtet worden. 

Laut Tepco sind in der Ruine keine größeren Hindernisse gesichtet worden. 

Foto: Tepco/dpa

Laut Tepco-Sprecher Teruaki Kobayashi ist die Strahlung im Reaktorinneren deutlich geringer als erwartet. Roboter könnten künftig länger in dem Reaktor bleiben, auch kabellose Datenverbindungen sind denkbar.

9,7 Sievert pro Stunde gemessen

Ein Mensch wird auch auf lange Zeit nicht in den Ruinen von Fukushima nach geschmolzenen Brennstäben suchen können. Die Temperatur im Reaktor ist unproblematisch. Die lag laut Tepco zwischen 17,9 und 20,2 Grad Celsius. Das Problem ist die Strahlendosis: Laut Roboter-Messung liegt sie bei bis zu 9,7 Sievert pro Stunde.

Das Sievert ist ein Maß zur Bestimmung der Strahlenbelastung biologischer Organismen und wird bei der Analyse des Strahlenrisikos herangezogen. In Deutschland liegt die natürliche Umweltstrahlung bei bis zu 0,2 Mikrosievert pro Stunde. Ein Mensch würde bei einer Strahlendosis von fast zehn Sievert innerhalb einer Stunde sterben.

Da war der  

Da war der  „Transformer“-Roboter noch im Testlabor. Inzwischen lieferte er Bilder aus dem tiefsten Inneren eines der Unglücksreaktoren in der Atomruine Fukushima. Das Gerät blieb allerdings nach wenigen Stunden stecken und wurde vom Betreiber aufgegeben. 

Foto: Tepco/dpa

Auch der jetzt in der Ruine aufgegebene Roboter war nur für diese eine Mission vorgesehen. Es war klar, dass er auch nach erfolgreicher Rückkehr aus dem Innern von Reaktorblock 1 derart strahlenverseucht sein würde, dass kein Mensch mit ihm einen zweiten Einsatz vorbereiten könnte. Es soll aber schon bald ein zweiter Roboter in den Reaktor geschickt werden, um weitere Erkenntnisse über den Zustand im Inneren zu erhalten.

Bisher gibt es nur Computersimulationen

Fakt ist: Auch vier Jahre nach der Atomkatastrophe weiß niemand, wo sich in den Gebäuden der Reaktoren 1 bis 3 der geschmolzene Kernbrennstoff genau befindet. Es gibt nur Computersimulationen. Diese deuten beispielsweise darauf hin, dass fast alle Brennstäbe im Reaktor 1 das Kerngehäuse durchbrochen haben und auf den Boden der darunter befindlichen Kammer gefallen sind.

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