Brewtroleum 30.07.2015, 14:50 Uhr

Neuseeländer Brauerei erfindet Biokraftstoff aus Bierabfällen

Die Menschen in Neuseeland retten jetzt den Planeten, indem sie pausenlos Pint auf Pint vollgefüllt mit Bier in sich hineinkippen. Denn sie wissen, dass jetzt aus den Abfällen der Gerstensaft-Herstellung ein umweltfreundlicher Biosprit namens Brewtroleum entsteht. Die Idee dazu kam den Brauern – natürlich – bei ein paar Bier…

An ausgewählten Tankstellen in Neuseeland kann man sein Auto mit dem neuen Biokraftstoff aus Bierabfällen betanken.

An ausgewählten Tankstellen in Neuseeland kann man sein Auto mit dem neuen Biokraftstoff aus Bierabfällen betanken.

Foto: Gull

Erst im Februar dieses Jahres kamen „ein paar Typen bei ein paar Bier“, wie es Simon Smith formuliert, ein Sprecher von DB Export, einer der größten neuseeländischen Brauereien, auf diese irre Idee: Sie produzieren jetzt Biokraftstoff für Autos aus ihren Bierabfällen.

Und seit ein paar Tagen kann man den an ausgewählten Tankstellen in seinen Tank füllen. Gerade einmal ein halbes Jahr haben die Typen von DB Export gebraucht, um den neuen Biokraftstoff von einer bierseligen Idee als Produkt an die Tankstellen zu bringen. Vor allem ist das Ganze so beschämend einfach, dass die Frage gestattet sein muss, warum Bierliebhaber nicht früher auf diese Idee gekommen sind.

Aus nutzlosem Hefeschlamm wird Ethanol

So geht das Ganze: Nach dem Fermentierungsprozess des Gerstensaftes bleibt beim Brauen ein Rest an Sediment übrig. Dieses besteht zum größten Teil aus inaktiver Hefe. Hefeschlamm nennen Bierbrauer das.

Aus Hefeschlamm lässt sich Ethanol herstellen.

Aus Hefeschlamm lässt sich Ethanol herstellen.

Foto: DB Export Beer

Normalerweise wird laut Brauereisprecher Smith „der Hefeschlamm an Bauern als Viehnahrung gegeben, manchmal aber auch weggeworfen“. Dabei ist es technisch äußerst simpel, diesen Hefeschlamm zur Herstellung von Ethanol zu verwenden – dem mit Abstand wichtigsten Bestandteil von Biokraftstoff.

Start mit 70.000 l Hefeschlamm

Die findigen Brauer aus Neuseeland schickten 70.000 l Hefeschlamm an eine Raffinerie. Diese veredelte das in der Hefe enthaltene Ethanol, bis es rein genug war, um es mit Benzin zu mischen. Dieses Vermischen geschah bei der großen Tankstellenkette Gull Service Stations . Fertig war der Treibstoff, den DB Export etwas holprig Brewtroleum getauft hat.

Kurze Wege: Von der Brauerei kommen die Abfälle in die Raffinerie. Dort wird das Ethanol veredelt. Dann wird es mit Benzin vermischt und den Tankstellen zum Verkauf geliefert.

Kurze Wege: Von der Brauerei kommen die Abfälle in die Raffinerie. Dort wird das Ethanol veredelt. Dann wird es mit Benzin vermischt und den Tankstellen zum Verkauf geliefert.

Foto: DB Export Beer

„Brewtroleum besteht zu 10 % aus Ethanol aus unserer Hefe und zu 90 % aus herkömmlichen Benzin“, erklärt Brauereisprecher Simon Smith. Das entspricht exakt dem Mischungsverhältnis des handelsüblichen E10-Kraftstoffs.

Der Biokraftstoff läuft in Neuseeland wie Schmitz Katze

Brewtroleum ist in Neuseeland ein Renner: DB Export hat erst einmal 360.000 Liter davon hergestellt, die laut Smith für etwa sechs Wochen reichen. „Es ist direkt eingeschlagen wie eine Bombe, aber wir schauen uns einfach mal an, wie es bei den Leuten wirklich ankommt“, sagt er.

Bei den Neuseeländern kommt der neue Biosprit aus Bierabfällen offenbar ziemlich gut an. Zum Start kamen die Menschen in Auckland in Scharen an die Tankstellen.

Bei den Neuseeländern kommt der neue Biosprit aus Bierabfällen offenbar ziemlich gut an. Zum Start kamen die Menschen in Auckland in Scharen an die Tankstellen.

Foto: DB Export Beer

Die Angestellten von Gulls in Auckland haben berichtet, dass die Menschen zum Start von Brewtroleum in Scharen an die Tankstellen kamen und diesen Tag laut Smith „zum bisher umsatzstärksten Tag des Jahres“ machten.

8 % weniger Kohlendioxid

Da könnte sich doch ein Kreis schließen: Die Neuseeländer trinken gerne Bier, sie geben für den Gerstensaft im Jahr mit 391,78 Euro sogar fast doppelt so viel dafür aus wie die Deutschen. Die lassen für ihr Bier nur 213,17 Euro in Läden und Kneipen.

Der aus den Bierabfällen hergestellte Kraftstoff Brewtroleum erspart der Erdatmosphäre 8 % an Kohlendioxid-Emissionen, verglichen mit reinem Benzin.

Die Konkurrenz Tank oder Teller verschwindet

Besonders charmant: Der aus dem Ethanol aus Hefeschlamm hergestellte Biokraftstoff gehört der sogenannten zweiten Generation von Biokraftstoffen an. Für diese neuartigen Biokraftstoffe müssen nicht mehr Ackerflächen, die normalerweise der wertvollen Produktion von Nahrungsmitteln dienen, in Flächen zum Anbau von Energiepflanzen wie Raps umgewandelt werden.

Das Logo des Biokraftstoffs: Die gelbe Zapfsäule erinnert tatsächlich an ein Glas Pint, der in Neuseeland üblichen Bierglasform.

Das Logo des Biokraftstoffs: Die gelbe Zapfsäule erinnert tatsächlich an ein Glas Pint, der in Neuseeland üblichen Bierglasform.

Foto: DB Export Beer

Die Konkurrenz Tank oder Teller verschwindet bei einem Biokraftstoff wie Brewtroleum. Darauf lässt es sich anstoßen…

Von Detlef Stoller
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