Inspekteure finden Rostschäden 21.08.2014, 12:20 Uhr

Im AKW Brunsbüttel tritt radioaktives Material aus Fässern aus

Im stillgelegten Atomkraftwerk Brunsbüttel sind die Fässer für Atommüll mittlerweile so durchgerostet, dass radioaktives Cäsium 137 auf den Boden läuft. Zwar erhöht das Energieministerium jetzt den Druck. Doch Betreiber Vattenfall hat noch keinen Plan für die Bergung der 631 Fässer, die sich teilweise nicht mehr anheben lassen. 

Die Stahlblechfässer mit radioaktivem Müll befinden sich in desaströsem Zustand: Die Rostschäden sind teilweise so groß, dass sich viele Fässer kaum umlagern lassen. 

Die Stahlblechfässer mit radioaktivem Müll befinden sich in desaströsem Zustand: Die Rostschäden sind teilweise so groß, dass sich viele Fässer kaum umlagern lassen. 

Foto: dpa

Bei Untersuchungen in den so genannten Kavernen des stillgelegten Atomkraftwerks (AKW) Brunsbüttel, in denen insgesamt 631 Fässer teils seit 30 Jahren lagern, hatten Inspekteure von Vattenfall schon vor zwei Jahren rostige Fässer entdeckt. Nun aber wurde erstmals eine breiige Flüssigkeit am Boden festgestellt, bei der es sich nach ersten Untersuchungen vor allem um Verdampferkonzentrat handelt. Diese Substanz entsteht bei der Reinigung von kontaminiertem Wasser aus dem Kraftwerksbetrieb. Dabei wird die Radioaktivität zu 99,9 Prozent entzogen.

Ablagerungen am Boden enthalten radioaktives Cäsium 137

Experten vermuten, dass das Konzentrat vor der Einlagerung nicht ausreichend getrocknet wurde, weshalb die Fässer korrodierten und Flüssigkeit austreten konnte. Die Luftfeuchtigkeit in dem Lagerraum sei mit 75 Prozent auffällig hoch. Die Ablagerungen auf dem Boden enthalten auch Cäsium 137, ein typisches Spaltprodukt beim Betrieb von Kernkraftwerken.

Ein nicht ordnungsgemäß verschlossenes Stahlblechfass mit radioaktivem Abfall lagert im Feststofflager des Kernkraftwerks Brunsbüttel. Für die Bevölkerung bestünde aber keine Gefahr, versichert Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck.

Ein nicht ordnungsgemäß verschlossenes Stahlblechfass mit radioaktivem Abfall lagert im Feststofflager des Kernkraftwerks Brunsbüttel. Für die Bevölkerung bestünde aber keine Gefahr, versichert Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck.

Quelle: dpa

Die Mengen seien zwar durchaus relevant. Eine akute Gefahr bestehe aber nicht, weil die Kaverne durch dicke Betonwände geschützt ist, versicherte Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck. So sei beispielsweise die Decke 110 Zentimeter dick, Arbeiten direkt oberhalb des Lagers seien unter Einhaltung der Strahlenschutzmaßnahmen gefahrlos möglich. Außerdem sorgten Luftströmung und Unterdruck dafür, dass Radioaktivität in den Kavernen zurückgehalten werde.

Die Frage ist nun aber, wie die Fässer gesichert werden können. Ein Viertel der bisher 40 untersuchten Fässer in Kaverne 2 haben schwere Schäden. Bei starken Beschädigungen – in einem Fall sitzt der Deckel nicht mehr fest auf dem Fass – können sie wohl nicht mit schwerem Gerät in sichere Behälter umgelagert werden. Mindestens eines der verrosteten Atommüll-Fässer ist so beschädigt, dass es nicht angehoben werden kann.

Betreiber Vattenfall will neues Bergungskonzept entwickeln

Allerdings müssten die Fässer „schnellstmöglich gehoben werden, damit sich ihr Zustand nicht noch weiter verschlechtert“, so Habeck. Das bisherige Bergungskonzept für die Fässer werde aber nicht funktionieren. Er fordert vom Energiekonzern Vattenfall, dem die Anlage mehrheitlich gehört, nun einen neuen Plan. Das Unternehmen teilte jetzt mit, das Konzept werde weiterentwickelt.

Das Atomkraftwerk in Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) ging am 9. Februar 1977 ans Netz, im Juli 2007 hat es Betreiber Vattenfall heruntergefahren. In den Kavernen lagern 631 Fässer mit Atommüll. 

Das Atomkraftwerk in Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) ging am 9. Februar 1977 ans Netz, im Juli 2007 hat es Betreiber Vattenfall heruntergefahren. In den Kavernen lagern 631 Fässer mit Atommüll.

Quelle: dpa

Habeck wirft Vattenfall vor, erst Anfang des Jahres mit der Inspektion begonnen zu haben, obwohl das AKW schon 2007 vorläufig und nach dem Unglück von Fukushima im Jahr 2011 endgültig stillgelegt wurde. „Das Konzept bestand anscheinend eher darin, auf die Inbetriebnahme von Schacht Konrad zu warten“, sagte er. Schacht Konrad ist eine seit vielen Jahren geplante Endlagerstätte für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, die ursprünglich schon Mitte der 1990er Jahre fertig sein sollte. Nach zahlreichen Verzögerungen wird sie nach Einschätzung des Bundesumweltministeriums nun aber nicht vor dem Jahr 2021 in Betrieb gehen.

 

Ein Beitrag von:

  • Werner Grosch

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