Technologie aus Deutschland 23.03.2015, 08:51 Uhr

Heliatek aus Dresden stellt organische Solarfolie für Gebäude in Singapur her

In Singapur kommt Solartechnik made in Germany zum Einsatz. Ein Unternehmen aus Dresden stellt dünne, biegsame Folie mit organischen Solarzellen her, mit der dort Gebäudefassaden und ein überdachter Gehweg verkleidet werden. Auf insgesamt 226 Quadratmetern entsteht dabei eine der weltweit größten Anlagen aus organischen Solarzellen.

Das JTC-Gebäude CleanTech Park 1 in Singapur ist eines von jenen, die mit organischen Solarzellen der Firma Heliatek ausgerüstet werden sollen.

Das JTC-Gebäude CleanTech Park 1 in Singapur ist eines von jenen, die mit organischen Solarzellen der Firma Heliatek ausgerüstet werden sollen.

Foto: JTC

Der Stadtstaat Singapur verfügt über keine eigenen Bodenschätze oder nennenswerte Energieressourcen. Wichtigster Energieträger ist Erdgas – und das wird hauptsächlich aus Malaysia und Indonesien importiert. Dabei bietet der südostasiatische Inselstaat gute klimatische Voraussetzungen für die Erzeugung von Solarstrom.

Er verfügt jedoch praktisch über keine Flächen, auf denen sich große Photovoltaikanlagen installieren ließen. Dafür aber über jede Menge Gebäudefassaden. Und die sollen nun mit modernster Solartechnologie aus Deutschland genutzt werden.

Das Dresdener Unternehmen Heliatek stellt die Solarfolie her, mit der Gebäudefassaden und eine Gehwegüberdachung beklebt werden, um Strom zu gewinnen.

Organische Solarfolie im Praxistest

Heliatek wurde 2006 aus der TU Dresden ausgegründet und hat eine Technologie zur industriellen Fertigung von organischen Solarzellen entwickelt. Bei der Herstellung der Solarmodule werden kurze Kohlenwasserstoffverbindungen (Oligomere) im Vakuum auf eine Trägerfolie aufgedampft. Die so produzierte organische Solarfolie heißt HeliaFilm.

Sie soll nun bei der gebäudeintegrierten organischen Photovoltaik (BIOPV) zum Einsatz kommen, die Heliateks Partner vTrium Energy in Singapur installiert. Unterstützt und finanziert wird das Projekt von den Regierungsbehörden Jurong Town Corporation (JTC) und SPRING (Standards, Productivity and Innovation Board, Singapur).

Auch dieses Regierungsgebäude soll im Rahmen des Projektes mit den deutschen Solarfolien ausgestattet werden. 

Auch dieses Regierungsgebäude soll im Rahmen des Projektes mit den deutschen Solarfolien ausgestattet werden. 

Quelle: JTC

“Dieser Praxistest im heißen, sonnigen Klima, wo sich Solartechnologie geradezu anbietet, wird den großen Vorteil der HeliaFilm®-Technologie im Vergleich zur herkömmlichen Siliziumtechnologie deutlich machen“, hofft Heliatek-Chef Thibaud Le Séguillon. Die Umsetzung beginnt im Mai, die geplante Projektlaufzeit liegt bei mindestens eineinhalb Jahren.

Geringer Wirkungsgrad

Gebäude der JTC und ein überdachter Gehweg des Seletar Flughafens dienen als Testfläche. Insgesamt wird die Solarfolie auf 226 Quadratmetern verschiedener Baumaterialien aufgebracht – auf und in Glas, auf Stahl sowie auf gebogenem Polycarbonat.

Dabei werden sowohl undurchsichtige als auch halbtransparente Ausführungen mit 15 und 30 Prozent Lichtdurchlässigkeit in verschiedenen Farben verwendet. Helitek verspricht eine Leistung von zwölf Kilowatt Peak.

Undurchsichtig erreichte die Folie in Tests einen Wirkungsgrad von etwa zwölf Prozent. Das entspricht dem derzeit maximalen Wirkungsgrad, der in einer organischen Solarzelle bei der Umwandlung von Sonnenenergie in elektrische Energie erreicht werden kann. Die Effizienz der organischen Solarzelle liegt damit unter der von anderen Solarzellentypen. Mit zunehmender Lichtdurchlässigkeit nimmt der Wirkungsgrad noch ab.

Umweltfreundlich und flexibel anwendbar

Dafür haben organische Solarfolien eine Reihe von Vorteilen: Die leichten, ultra-dünnen Module mit nur 500 Gramm Gewicht pro Quadratmeter ermöglichten die flexible Integration in unterschiedlichste Anwendungen, informiert Heliatek. Ihre Herstellung sei umweltfreundlicher und preiswerter als die von Solarzellen auf Silizium-Basis.

Heliatek verwendet organische Oligomere (kleine Moleküle), die im eigenen Chemielabor in Ulm entwickelt und synthetisiert werden. Im Forschungslabor in Dresden werden diese Materialien dann getestet und die Zellstruktur optimiert.

Heliatek verwendet organische Oligomere (kleine Moleküle), die im eigenen Chemielabor in Ulm entwickelt und synthetisiert werden. Im Forschungslabor in Dresden werden diese Materialien dann getestet und die Zellstruktur optimiert.

Quelle: Tom Baerwald/Heliatek

Die Folie wird laut Heliatek mit vergleichsweise geringem Material- und Energieaufwand in Prozessen hergestellt, die bei niedrigen Temperaturen stattfinden. Ein Gramm organisches Material genügt, um einen Quadratmeter Solarfolie herzustellen. Außerdem würden bei der Fertigung der Module keine giftigen Inhaltsstoffe oder Lösungsmittel eingesetzt.

  • Susanne Neumann

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