Rumänien 16.12.2011, 12:03 Uhr

Größter Windpark Europas entsteht in Dobrudscha

An der rumänischen Schwarzmeerküste herrscht Goldgräberstimmung. In der Dobrudscha, der Region zwischen Donau und Schwarzem Meer, entsteht zurzeit der größte Windpark Europas. Seit zwei Jahren investieren ausländische Firmen massiv in den Ausbau der Windkraft. In Zukunft könnte die Region bis zu 50 % des rumänischen Strombedarfs decken. Für viele Bewohner bedeuten die Windparks ein unerwartetes Ende der Armut.

Petrica Ilie, 76, wohnt im Dorf Cogealac, Landkreis Constanta. Ihr Mann, der jahrelang als Traktormechaniker auf der Kolchose arbeitete und später Bürgermeister war, erhält jetzt monatlich eine Rente von 300 €. Zu wenig, um davon zu leben das ältere Paar ist auf die Unterstützung von Tochter und Schwiegersohn angewiesen ist.

Die 4,5 ha, die Ilie von ihren Eltern geerbt hat, verpachtete sie früher an einen Weizenbauern aus dem Dorf, bis ein rumänischer Projektentwickler kam, der sie dafür geworben hat, auf dem Grundstück eine Windanlage bauen zu lassen.

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Petrica Ilie unterzeichnete den Pachtvertrag und der Entwickler verkaufte das Projekt an das tschechische Unternehmen CEZ, das hier gerade ihre letzten Windanlagen installiert. Wenn die ans Netz gehen, bekommt die Frau aus Cogealac 3000 € im Jahr: „Für mich eine Verdopplung meines Einkommens, für einen Konzern wie CEZ keine große Investition“, resümiert die ältere Frau.

Windkraft und Energiewende sind in Rumänien angekommen

Die Energiewende ist in Rumänien angekommen. Das lange als rückständig geltende Land am südöstlichen Rande der Europäischen Union freut sich auf die Zukunftsperspektiven. Nirgendwo sonst lässt sich diese neue Entwicklung deutlicher spüren als in der Dobrudscha, jenem Gebiet zwischen Donau und Schwarzem Meer, das ein riesiges Potenzial für den Ausbau der Windkraft bietet.

Seit mehr als zwei Jahren investieren vor allem ausländische Unternehmen in dieser Region, jetzt zeigen sich erste Ergebnisse: Laut einem Bericht des Europäischen Verbands für Windenergie (EWEA) stieg die Gesamtkapazität allein 2010 von fast null auf rund 450 MW. Weitere 600 MW sollen Schätzungen zufolge in diesem Jahr hinzukommen.

Beidseits der Landesstraße, die die Hafenstadt Constanta mit dem Donaudelta verbindet, zeichnen sich die Windräder hinter den Weizenfeldern, am Horizont, ab. Im Frühsommer geben die Mohnblumen der Landschaft einen fröhlichen roten Ton. Die starken Winde und die erbarmungslose Sonne aber trocknen das Grün schnell aus und verwandeln es in ein staubiges Gelb.

Quer durch die Felder laufen riesige Starkstromleitungen, bis in die Nähe des Dorfs Cogealac. Hier leben die meisten Einwohner traditionell von der Schafzucht, der einzigen landwirtschaftlichen Nutzung, die das raue Klima erlaubt.

Petrica Ilie backt in einer runden Form „Placinta“, einen Blätterteig mit Schafskäse. Sie kocht türkischen Kaffee, wie es in Dobrudscha, einer ehemals osmanischen Provinz, üblich ist. Ihr Glück heißt CEZ, das mit einer Gesamtinvestition von 1,1 Mrd. € derzeit als ambitioniertester Projektbetreiber auf dem rumänischen Markt gilt. In den Dörfern Cogealac und Fantanele baut die Firma den bisher größten Onshore-Windpark Europas, den größten Windpark an Land: Laut Plan sollen 240 Anlagen der US-Firma GE mit 2,5 MW installiert werden, mehr als die Hälfte ist bereits ans Netz gegangen.

„Wir werden ungefähr so viel Strom produzieren können wie ein Reaktor des Kernkraftwerks im nahe gelegenen Cernavoda“, verkündet Jan Veskrna, Geschäftsführer von CEZ Rumänien.

Vielversprechende Perspektiven für erneuerbare Energien wie Windkraft in Rumänien

Die vielversprechenden Wirtschaftsperspektiven der erneuerbaren Energien haben in den letzten Jahren das Interesse der rumänischen Entscheidungsträger geweckt. Zahlreiche lokale Geschäftsleute, die über die erforderlichen Kontakte bei den Behörden verfügen, werden zu Projektentwicklern.

„Landesweit planen unsere Mitgliedsunternehmen bis 2013 Projekte mit einer Gesamtkapazität in der Größenordnung von 4000 MW“, erklärt Dana Duica, die Geschäftsführerin des rumänischen Verbandes für Windenergie (RWEA).

Damit würde Rumänien nicht nur seine EU-Klimaverpflichtung einhalten, sondern darüber hinaus „in der Liga der großen Volkswirtschaften wie Frankreich oder Italien spielen“, erklärt Duica und strahlt. Das Potenzial für Windenergie liegt in Rumänien laut Studien der Energie-Regulierungsbehörde ANRE bei rund 14 000 MW und würde damit tatsächlich fast den gesamten heutigen Bruttojahresverbrauch decken können.

Probleme der Akzeptanz oder gar Bürgerproteste sind in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Denn mit Ausnahme der Tourismusindustrie in den Badeorten der Schwarzmeerküste boten sich für die Dobrudscha-Dörfer bis vor Kurzem kaum ökonomische Perspektiven. Ein Ende der Armut war auf diesen trockenen Feldern nicht in Sicht.

Doch ausgerechnet die besonderen Wetterbedingungen der Region mit durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten von 7 m/s eröffnen jetzt neue Chancen. Diese 25 km/h oder auch 4 Beaufort sind mehr als die durchschnittliche Windgeschwindigkeit an der deutschen Nordseeküste. Und für viele Dorfbewohner ein Hoffnungsschimmer.

Ganz anders als Petrica Ilie geht es ihrem Nachbarn Gheorghe Kraus, 39. Ein paar hundert Meter hinter seinem Grundstück rauschen die Windräder, doch bei ihm haben sich noch keine Investoren gemeldet. Auf seinen knapp 3 ha baut er weiterhin Mais als Futter für seine fünf Schweine und 100 Stück Geflügel an. „Für Eier und Hühnerfleisch bieten aber die Großhändler lächerliche Preise und wir haben kein Geld für moderne Technologien“, erklärt der Mann, der ursprünglich aus Herrmannstadt (Sibiu) kommt.

Kraus und seine Familie können nicht von Landwirtschaft leben, er muss mit kleinen Bauarbeiten bei den Nachbarn etwas dazugewinnen. Im Moment arbeitet er bei Petrica Ilie, die ihr Haus renovieren lässt.

Sollten die ambitionierten Pläne der Windkraftpioniere Realität werden, würde sich die rumänische Energiewende um ein Vielfaches beschleunigen. Gerade hier könnte aber einer der Haken liegen: Dem Ausbau der Windenergie könnten die umständlichen Wege und das wenig transparente Agieren der örtlichen Bürokratie hinderlich sein.

Anfang des Jahres verzichtete der deutsche Konzern RWE auf die Beteiligung an einem 250-Mio.-€-Projekt in Valea Dacilor, einem anderen Dorf im Landkreis Constanta. Aufgrund des „schwierigen Genehmigungsverfahrens“, so heißt es aus Firmenkreisen, stieg das Unternehmen aus dem Geschäft mit rumänischer Windenergie aus und verkaufte die Aktien an den einheimischen Projektentwickler.

Südeuropäische Windkraft-Unternehmen finden sich besser in Rumänien zurecht

Anders als RWE finden sich südeuropäische Unternehmen auf dem rumänischen Markt zurecht und investieren erhebliche Summen in ihre Projekte. So kündigte einer der größte Eigner und Betreiber von Windenergieanlagen, Iberdrola Renovables, im März den Baustart für seinen ersten Dobrudscha-Windpark an. Bis 2017 ist der Bau 50 weiterer Projekte vorgesehen. Mit einer Gesamtkapazität von 1500 MW soll der riesige Komplex den Energiebedarf von mehr als 1 Mio. Haushalten decken.

Auch das portugiesische Unternehmen EDP Renováveis und die Enel Green Power, Tochterfirma des größten italienischen Stromversorgers Enel, gelten als wichtige Akteure auf dem rumänischen Windenergiemarkt. „Bürokratie und Korruption bei den Kommunalverwaltungen sind zwar bedauerlich, aber normal für ein Land wie Rumänien“, heißt es aus Investorenkreisen.

Die Durchsetzung höherer Strompreise könnte bei den im EU-Vergleich niedrigen rumänischen Strompreisen ein Problem sein. 0,0856 €/kWh ohne Steuern und Abgaben zahlten 2010 die Privathaushalte, so das europäische Statistikamt Eurostat. Für 2011 erwartet der Marktregulierer einen Zuschlag zur Förderung erneuerbarer Energien von 5 %.

Gheorghe Kraus arbeitet in seinem Garten und schaut hinaus auf die davor liegenden Felder. „Natürlich wäre es schön, wenn wir von den Investitionen mehr profitieren könnten“, gibt er zu und blickt seine Nachbarin Ilie an. „Ich bin aber nicht neidisch. Für unsere Kinder wird die Zukunft sowieso Windenergie heißen.“ 

Ein Beitrag von:

  • Silviu Mihai

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