Einblasdämmung: Was sie bringt, wo sie scheitert, für wen sie sich lohnt
Einblasdämmung verspricht schnelle Energieeinsparung ohne große Baustelle. Wir erklären Technik, Grenzen, Kosten und Risiken im Detail.
Die Einblasdämmung erfolgt über kleine Bohrlöcher in der Fassade, der Mediziner würde minimalinvasiv dazu sagen.
Foto: Smarterpix / corlaffra
| Das Wichtigste in Kürze |
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Eine energetische Sanierung beginnt oft mit einer simplen Frage: Wie viel Aufwand ist nötig, um spürbar Energie zu sparen? Neue Fenster, Wärmepumpe, Fassadendämmung – all das kostet Zeit, Geld und Nerven. Genau hier setzt die Einblasdämmung an. Sie verspricht eine schnelle Verbesserung der Energiebilanz, oft innerhalb eines Tages, ohne Gerüst und ohne massive Eingriffe in die Bausubstanz.
Doch wie so oft gilt: Was einfach klingt, funktioniert nur unter bestimmten Bedingungen. Einblasdämmung ist kein Allheilmittel, sondern ein technisches Verfahren mit klar definierten Stärken – und ebenso klaren Grenzen.
Was ist Einblasdämmung und was nicht?
Der Begriff Einblasdämmung führt leicht in die Irre. Er beschreibt keinen eigenen Dämmstandard, sondern lediglich die Art, wie ein Dämmstoff eingebracht wird. Mit Druckluft werden lose Dämmstoffe in vorhandene Hohlräume eingeblasen. Entscheidend ist also nicht das Einblasen selbst, sondern der Bauteil, der gedämmt wird.
In der Praxis kommt das Verfahren vor allem in drei Bereichen zum Einsatz: bei der Kerndämmung zweischaliger Außenwände, bei der Zwischensparrendämmung im Dach sowie bei Hohlräumen in Decken oder Holzständerkonstruktionen. Am technisch saubersten und am besten kalkulierbar ist dabei die Kerndämmung – sie gilt als der klassische Anwendungsfall.
Typische Anwendungsfälle:
- Kerndämmung bei zweischaligem Mauerwerk
- Zwischensparrendämmung im Dach
- Hohlraumdämmung von Decken und Holzständerwänden
Nicht geeignet ist das Verfahren überall dort, wo keine definierten Hohlräume existieren oder wo Feuchte nicht sicher abgeführt werden kann.
Einblasdämmung in Zahlen
Kurzfazit: Schnell umsetzbar, vergleichsweise günstig – aber die Wirkung ist durch die vorhandene Hohlraumtiefe begrenzt.
- Typische Einsatzfälle: Kerndämmung (zweischaliges Mauerwerk), Dach-Zwischensparren, Hohlraumdecken
- Hohlraumtiefe (Kerndämmung): meist 4–8 cm (darunter oft nicht sinnvoll)
- Wärmeleitfähigkeit (λ): ca. 0,032–0,042 W/mK (materialabhängig)
- U-Wert vorher (Altbau, zweischalig ohne Dämmung): ca. 1,4–1,6 W/m²K
- U-Wert nachher (Kerndämmung, ~6 cm, λ≈0,035): ca. 0,45–0,55 W/m²K
- Heizenergie-Ersparnis: häufig 10–25 % (stark gebäudeabhängig)
- Kosten (Kerndämmung): meist 20–40 €/m² gedämmte Wandfläche
- Ausführungsdauer: oft ein Tag (ohne Gerüst, wenige Bohrpunkte)
- Amortisation: häufig 5–10 Jahre (abhängig von Energiepreis, Zustand, Förderung)
Wichtig: Vorabprüfung (z. B. Endoskopie) klärt Hohlraum, Feuchte und Mörtelbrücken – und entscheidet, ob Einblasen technisch sinnvoll ist.
Kerndämmung: der Idealfall für Einblasdämmung
Viele Wohnhäuser aus den 1950er- bis 1970er-Jahren besitzen zweischalige Außenwände. Zwischen tragender Innenschale und Vormauerschale befindet sich ein Luftspalt, der ursprünglich als Feuchtepuffer gedacht war. Genau dieser Hohlraum lässt sich nachträglich mit Dämmstoff füllen.
Damit das funktioniert, müssen allerdings einige Voraussetzungen erfüllt sein. Der Luftspalt muss durchgehend sein, typischerweise mindestens vier bis sechs Zentimeter breit. Die äußere Schale darf keine gravierenden Feuchteschäden aufweisen, und Regenwasser muss sicher abgeführt werden können. Kurz gesagt: Die Wand muss konstruktiv intakt sein. Einblasdämmung repariert keine baulichen Mängel – sie verstärkt sie im Zweifel sogar.
Bauliche Voraussetzungen
- Zweischalige Wand mit durchgehendem Luftspalt
- Mindesthohlraum: ≥ 4–6 cm (je nach Dämmstoff)
- Intakte Außenschale mit funktionierender Schlagregenabweisung
- Keine massive Durchfeuchtung oder Mörtelbrücken
Wichtig: Einblasdämmung ersetzt keine fehlerhafte Fassade. Sie funktioniert nur, wenn der Wandaufbau grundsätzlich schlagregendicht ist.
Welche Dämmstoffe kommen zum Einsatz?
Für die Einblasdämmung werden ausschließlich lose Dämmstoffe verwendet. Besonders verbreitet sind Mineralwollegranulate, expandiertes Polystyrol (EPS), Zellulosefasern und mineralische Schüttungen wie Perlite.
Technisch entscheidend sind dabei drei Eigenschaften: die Wärmeleitfähigkeit, das Feuchteverhalten und die Setzungssicherheit. Mineralische Dämmstoffe und Mineralwolle gelten als besonders robust, da sie wasserabweisend, formstabil und nicht brennbar sind. Zellulose punktet mit guten Dämmeigenschaften und ökologischer Bilanz, stellt aber höhere Anforderungen an den Feuchteschutz. EPS ist leicht und effizient, bringt jedoch brandschutztechnische Einschränkungen mit sich.
Dämmstoffe im Vergleich
| Dämmstoff | Wärmeleitfähigkeit λ (W/mK) | Brandklasse | Feuchteverhalten | Besonderheiten |
| Mineralwolle | 0,032–0,040 | A1 (nicht brennbar) | wasserabweisend | formstabil, hohe Setzungssicherheit |
| EPS-Granulat | 0,033–0,038 | E | wasserabweisend | geringes Gewicht, begrenzter Brandschutz |
| Zellulose | 0,038–0,042 | B2 | feuchteausgleichend | ökologisch, brandschutzbehandelt |
| Perlite | 0,040–0,050 | A1 | wasserunempfindlich | schwer, sehr setzungssicher |
Einordnung: Für Kerndämmungen sind mineralische, hydrophobe und setzungsstabile Materialien technisch am robustesten. Zellulose kann funktionieren, erfordert aber saubere Detailplanung.
Feuchte, Taupunkt, Schimmel: Wo die eigentlichen Risiken liegen
Kaum ein Thema ist so emotional aufgeladen wie die Frage nach Schimmel. Oft wird Einblasdämmung pauschal als Risiko dargestellt. Tatsächlich ist die Situation differenzierter.
Durch die Dämmung verschiebt sich der Temperaturverlauf in der Wand. Der Taupunkt wandert nach außen, nicht nach innen. Problematisch wird das nur dann, wenn Feuchtigkeit in die Wand eindringt und dort nicht mehr abtrocknen kann. Das ist kein Effekt der Dämmung selbst, sondern eine Folge mangelhafter Konstruktion oder beschädigter Fassaden.
In fachgerecht ausgeführten Kerndämmungen mit hydrophoben Dämmstoffen und funktionierender Entwässerung gilt das Schimmelrisiko als gering. Kritisch sind dagegen unklare Wandaufbauten, fehlende Luftschichtanker oder dauerhaft durchfeuchtete Vormauerschalen.
Faktisch gilt:
- Der Taupunkt verschiebt sich nach außen, nicht nach innen.
- Entscheidend ist die Diffusionsfähigkeit der Außenschale.
- Kritisch wird es bei:
- fehlenden Entwässerungsöffnungen
- dauerhaft durchfeuchteter Vormauerschale
- nicht hydrophoben Dämmstoffen
Technische Regel: Kerndämmung ist nur dann bauphysikalisch sicher, wenn Feuchtigkeit entweder gar nicht erst eindringt oder kontrolliert abgeführt wird.
Wie stark verbessert Einblasdämmung den U-Wert?
Einblasdämmung kann die energetische Qualität einer Wand deutlich verbessern – aber nur im Rahmen der vorhandenen Hohlraumtiefe.
Beispielrechnung (typischer Altbau):
- Bestand: zweischalige Wand, Luftschicht 6 cm
- Dämmstoff: Mineralwolle λ = 0,035 W/mK
Ergebnis:
- U-Wert vorher: ca. 1,4–1,6 W/m²K
- U-Wert nachher: ca. 0,45–0,55 W/m²K
Das ist eine spürbare Verbesserung, reicht aber nicht an Neubau- oder Effizienzhausstandards heran. Einblasdämmung ersetzt keine Fassadendämmung, sie ergänzt sie – oder stellt eine wirtschaftliche Zwischenlösung dar.
Schnell, günstig, aber nicht grenzenlos
Der größte Vorteil der Einblasdämmung liegt im Verhältnis von Aufwand zu Nutzen. Die Arbeiten sind meist innerhalb eines Tages abgeschlossen. Die Kosten bewegen sich häufig zwischen 20 und 40 Euro pro Quadratmeter Wandfläche. Damit gehört das Verfahren zu den günstigsten energetischen Einzelmaßnahmen im Gebäudebestand.
Je nach Gebäude lassen sich Heizenergieeinsparungen von zehn bis 25 % erreichen. In vielen Fällen amortisiert sich die Maßnahme innerhalb weniger Jahre – insbesondere dann, wenn Förderprogramme genutzt werden.
Typische Kosten:
- 20–40 €/m² bei Kerndämmung
- Ausführung meist innerhalb eines Tages
Energieeinsparung:
- 10–25 % Heizenergie, abhängig vom Gebäude
Amortisation:
- häufig 5–10 Jahre
- damit eine der wirtschaftlichsten Einzelmaßnahmen im Bestand
Wo Einblasdämmung an ihre Grenzen stößt
So überzeugend das Verfahren im Idealfall ist, so klar sind auch seine Grenzen. Ist der Hohlraum zu schmal, stark verschmutzt oder unterbrochen, lässt sich der Dämmstoff nicht gleichmäßig verteilen. Wärmebrücken bleiben bestehen. Auch bei einschaligem Mauerwerk oder feuchtegeschädigten Fassaden ist Einblasdämmung ungeeignet.
Ein weiteres Risiko liegt in unsachgemäßer Ausführung. Ohne Voruntersuchung, etwa per Endoskopie, bleibt unklar, ob der Dämmstoff den Hohlraum vollständig ausfüllt. Setzungen, Lücken oder Durchrieselungen können die Wirkung deutlich reduzieren.
Typische Fehler:
- ungleichmäßige Verteilung → lokale Wärmebrücken
- Setzungen bei ungeeigneten Dämmstoffen
- fehlende Endoskopie vor und nach dem Einblasen
- unrealistische Erwartungen an Einsparungen
Technische Grenze:
Ist der Hohlraum kleiner als 4 cm oder stark verschmutzt, ist Einblasdämmung nicht sinnvoll.
Förderung und rechtlicher Rahmen
Einblasdämmung ist im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) als Einzelmaßnahme förderfähig. Voraussetzung ist der Nachweis einer energetischen Verbesserung sowie die Ausführung durch ein Fachunternehmen.
Maßgeblich sind dabei die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes und der DIN-Normen zum Wärmeschutz. Auch hier zeigt sich: Technisch saubere Planung ist keine Kür, sondern Voraussetzung.
Einblasdämmung ist förderfähig über:
- BEG Einzelmaßnahmen
- Voraussetzung: definierte U-Wert-Verbesserung, Fachunternehmererklärung
Normativer Rahmen:
- DIN 4108 (Wärmeschutz)
- GEG (Gebäudeenergiegesetz)
- Bauaufsichtliche Zulassungen der Dämmstoffe
Für wen lohnt sich Einblasdämmung und für wen nicht?
Einblasdämmung eignet sich vor allem für Eigentümerinnen und Eigentümer von Altbauten mit zweischaligem Mauerwerk, die ihre Heizkosten senken wollen, ohne das Gebäude grundlegend umzubauen. Sie ist ideal, wenn schnelle Ergebnisse gefragt sind und das Budget begrenzt ist.
Nicht geeignet ist das Verfahren für Neubauten, ambitionierte Effizienzhausziele oder Gebäude mit unklarer Bausubstanz. Wer maximale Dämmwirkung sucht, kommt an umfassenderen Maßnahmen nicht vorbei.
Sinnvoll für:
- Altbauten mit zweischaligem Mauerwerk
- Eigentümer*innen mit begrenztem Budget
- schnelle energetische Verbesserung ohne Eingriff in Fassade
Nicht geeignet für:
- massive einschalige Wände
- feuchtegeschädigte Fassaden
- Neubauten oder Effizienzhaus-Standards
FAQ: Häufige Fragen zur Einblasdämmung
Was genau ist Einblasdämmung?
Einblasdämmung ist kein eigener Dämmstandard, sondern ein Verfahren. Lose Dämmstoffe werden mit Druckluft in vorhandene Hohlräume eingebracht, etwa in zweischalige Außenwände, Dächer oder Decken. Entscheidend ist der Bauteilaufbau, nicht die Einblastechnik selbst.
Für welche Gebäude eignet sich Einblasdämmung besonders gut?
Vor allem für Altbauten mit zweischaligem Mauerwerk und durchgehendem Luftspalt. Typisch sind Wohnhäuser aus den 1950er- bis 1970er-Jahren. Auch Dach- und Deckenkonstruktionen mit klar definierten Hohlräumen kommen infrage.
Wann ist Einblasdämmung nicht sinnvoll?
Bei einschaligem Mauerwerk ohne Hohlraum, bei stark durchfeuchteten Fassaden, bei sehr schmalen oder unterbrochenen Luftschichten sowie bei Neubauten mit hohen Effizienzanforderungen.
Welche Dämmstoffe werden verwendet?
Üblich sind Mineralwollegranulate, EPS-Granulate, Zellulosefasern und mineralische Schüttungen wie Perlite. Die Auswahl hängt vom Wandaufbau, dem Feuchteverhalten und den Brandschutzanforderungen ab.
Wie stark verbessert Einblasdämmung die Wärmedämmung?
Typisch ist eine Reduktion des U-Werts einer ungedämmten zweischaligen Wand von etwa 1,5 W/m²K auf rund 0,5 W/m²K. Das ist deutlich besser, erreicht aber kein Neubau- oder Effizienzhausniveau.
Kann Einblasdämmung Schimmel verursachen?
Nein, nicht bei fachgerechter Planung und Ausführung. Das Schimmelrisiko steigt nur, wenn Feuchtigkeit in die Wand eindringt und nicht abgeführt werden kann – etwa bei beschädigter Fassade oder falschem Dämmstoff.
Wie lange dauert die Maßnahme?
In der Regel nur wenige Stunden bis maximal ein Tag. Gerüste oder größere Baustellen sind meist nicht erforderlich.
Was kostet Einblasdämmung?
Je nach Gebäude und Dämmstoff liegen die Kosten häufig zwischen 20 und 40 Euro pro Quadratmeter gedämmter Wandfläche.
Wie schnell rechnet sich Einblasdämmung?
Je nach Energiepreis und Gebäudezustand oft innerhalb von fünf bis zehn Jahren. Damit zählt sie zu den wirtschaftlichsten Einzelmaßnahmen im Bestand.
Ist Einblasdämmung förderfähig?
Ja. Sie ist im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) als Einzelmaßnahme förderfähig, sofern eine energetische Verbesserung nachgewiesen wird und ein Fachunternehmen die Arbeiten ausführt.
Muss die Wand vorab untersucht werden?
Unbedingt. Eine Voruntersuchung, meist per Endoskopie, ist notwendig, um Hohlraumtiefe, Verschmutzungen und mögliche Feuchteprobleme zu erkennen.
Kann man Einblasdämmung später wieder entfernen?
Technisch ist das möglich, praktisch aber aufwendig. In der Regel wird Einblasdämmung als dauerhafte Maßnahme geplant.
Ersetzt Einblasdämmung eine Fassadendämmung?
Nein. Sie verbessert die Energiebilanz deutlich, ersetzt aber keine vollwertige Außendämmung, wenn sehr niedrige U-Werte erreicht werden sollen.
Welche typischen Fehler gibt es bei der Einblasdämmung?
Unzureichende Vorprüfung, falscher Dämmstoff, ungleichmäßige Verteilung im Hohlraum und fehlende Qualitätskontrollen nach dem Einblasen.
Für wen ist Einblasdämmung die richtige Lösung?
Für Eigentümer, die mit überschaubarem Aufwand und Kosten eine spürbare energetische Verbesserung erzielen wollen – vorausgesetzt, der bauliche Rahmen stimmt.
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