ENERGIE AUS DEM MEER 05.03.2014, 14:13 Uhr

Ein tänzelnder Lenkdrachen unter Wasser liefert Strom

Ein neuartiges Unterwasserkraftwerk, das Strömungen nutzt, hat jetzt gute Chancen, gebaut zu werden. Die britische Regierung hat einer schwedischen Firma einen Zuschuss gewährt. Damit steigen die Chancen für eine Testanlage vor der britischen Küste.

Das Potential der Energieerzeugung im Meer ist enorm und soll die Kapazität von zwölf Kernkraftwerken erreichen. 

Das Potential der Energieerzeugung im Meer ist enorm und soll die Kapazität von zwölf Kernkraftwerken erreichen. 

Foto: Minesto

Deep Green ist das wohl ungewöhnlichste Kraftwerk, das Meeresenergie in Strom umsetzt. Es handelt sich um einen Lenkdrachen, fachmännisch Kite genannt, dessen Halteseil am Meeresgrund verankert ist. Der Kite tänzelt in der Meeresströmung wie ein Lenkdrachen in der Luft und beschreibt dabei die Form einer Acht. An seinem Bauch klebt ein Generator, der mit einem Propeller verbunden ist. Dieser dreht sich, wenn der Kite, der eine Spannweite von 8 bis 14 Metern hat, durchs Wasser flitzt.

Ein Drachen erreicht bis zu 800 Kilowatt Leistung

Je nach Stärke der Meeresströmung und Spannweite hat das tänzelnde Kraftwerk eine Leistung von 150 bis 800 Kilowatt. Im Meer vor den Britischen Inseln stecken rund 18 Gigawatt, wenn die Strömungsenergie von Kites umgesetzt würde. Das entspricht zwölf großen Kernkraftwerken.

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Deutlich zu sehen ist der unter dem Drachen montierte Generator.

Deutlich zu sehen ist der unter dem Drachen montierte Generator.

Quelle: Minesto

Zu sehen sind die Kites nicht. Sie vollführen ihren Marathontanz in einer Tiefe von 50 bis 300 Meter. Die Chancen, dass sie tatsächlich gebaut werden, stehen neuerdings nicht schlecht. Die britische Regierung hat 600.000 Euro für zwei Prototypen bewilligt. Das reicht zwar nicht, erleichtert dem schwedischen Unternehmen Minesto, das Green Deep entwickelt hat, aber die Entscheidung, eine Testanlage vor der britischen Küste zu bauen. Das Start-up ist eine Ausgründung aus dem Technologiekonzern Saab.

Standort vor der Küste von Wales in der engeren Auswahl

Infrage kommt ein Standort vor der walisischen Küste. „Wir sehen großes Potenzial für die Meeresenergie in Wales“, hatte CEO Anders Jansson schon im Herbst gesagt. Für Wales spricht die Zusammenarbeit mit drei Universitäten der Region und die günstigen Meeresströmungen vor der Küste.

Die Flugdrachen beschreiben unter Wasser eine Acht. Dabei nutzen sie die Strömung des Meeres, die eine Turbine antreiben, die unter dem Drachen befestigt ist.

Die Flugdrachen beschreiben unter Wasser eine Acht. Dabei nutzen sie die Strömung des Meeres, die eine Turbine antreiben, die unter dem Drachen befestigt ist.

Quelle: Minesto

Mit dem Bau der Anlage könnte 2015 begonnen werden. Zwei Kites mit einer Leistung von insgesamt einem Megawatt würden umgerechnet 2,1 bis 2,4 Millionen Euro kosten, schätzt Minesto-Geschäftsführer Anders Jansson. Bisher gibt es lediglich eine Modellanlage im Maßstab eins zu vier im nordirischen Naturhafen Strangford Lough dreht.

Stromerzeugung im Meer rund um die Uhr

Der Strom, den Deep Green erzeugt, fließt über ein Kabel, das in das Halteseil integriert ist, zu einer Sammelstation auf dem Meeresgrund. Von dort wird er per Seekabel an Land transportiert. Anfangs würde die Kilowattstunde 25 Cent kosten, so Jansson. Wenn die Kites in Serie gefertigt würden, könnten die Stromgestehungskosten auf sechs Cent sinken.

Bestandteile des Unterwasser-Lenkdrachens.

Bestandteile des Unterwasser-Lenkdrachens.

Quelle: Minesto

Einer der wichtigsten Vorteile der Kites gegenüber Offshore-Windanlagen ist ihre Unabhängigkeit vom Wetter. Sie erzeugen kontinuierlich Strom, denn die Meeresströmung gibt es immer. Zudem fallen die Kites nur bei Reparaturen und Wartungsarbeiten aus. Die größten Windkraftwerke kommen auf eine Leistung von Null bei Windstille bis sechs Megawatt bei Starkwind. 

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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