Kernkraft 18.03.2011, 19:52 Uhr

Das Schlimmste wurde nicht gedacht

Der ernste Störfall in den japanischen Siedewasserreaktoren von Fuku-shima Daiichi hat die Sicherheitsdiskussion um Kernkraft weltweit neu angefacht. Das dreimonatige Aussetzen der Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke ist dafür deutlicher Beleg.

Die Internationale Atomenergieagentur IAEA in Wien hat viele Belobigungen und Preise eingeheimst, darunter den Friedensnobelpreis des Jahres 2005. Doch im März 2011 besitzt die Organisation, die vertraglich mit den Vereinten Nationen verbunden ist, scheinbar nicht einmal eine aktuelle Skizze der Atomreaktorblöcke 1 bis 6 des japanischen Atomstandorts Fukushima 1.

Trotz ihrer Aufforderung an die japanische Regierung und Betreiberfirma „Tokyo Denryoku“ (Tokyo Electric Power Company – Tepco), Fakten zu nennen, kann die IAEA auf Anfrage lediglich einen Auszug aus dem Reaktorkonzept-Handbuch des Testtrainingszentrums der Kernkraft-Regulierungsbehörde in den USA (USNRC) liefern.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Berliner Wasserbetriebe-Firmenlogo
Bauingenieur:in Maßnahmenentwicklung Netze (w/m/d) Berliner Wasserbetriebe
EFCO Maschinenbau GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur (m/w/d) EFCO Maschinenbau GmbH
Energie-Wende-Garching GmbH & Co KG-Firmenlogo
Projekt-Ingenieur (m/w/d) Energie-Wende-Garching GmbH & Co KG
Garching Zum Job 
Energie-Wende-Garching GmbH & Co KG-Firmenlogo
Projektmanager Erneuerbare Wärme (m/w/d) Energie-Wende-Garching GmbH & Co KG
Garching Zum Job 
Stadtwerke München GmbH-Firmenlogo
Inbetriebsetzungsleiter*in Leit-, Feld- und Automatisierungstechnik (m/w/d) Stadtwerke München GmbH
München Zum Job 
STILL GmbH-Firmenlogo
Entwicklungsingenieur Embedded Software (m/w/d) STILL GmbH
Hamburg Zum Job 
Berliner Wasserbetriebe-Firmenlogo
Berufseinstieg zum/zur Bauingenieur:in Bauleitung Tiefbau (w/m/d) Berliner Wasserbetriebe
Knorr-Bremse Systeme für Schienenfahrzeuge GmbH Berlin-Firmenlogo
Project Quality Engineer (m/w/d) Knorr-Bremse Systeme für Schienenfahrzeuge GmbH Berlin
Schwarzwald-Baar Klinikum-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Abteilung Technik und Bau Schwarzwald-Baar Klinikum
Villingen-Schwenningen Zum Job 
Ingenieure Wüst-Firmenlogo
Projektmanager Bauüberwachung / Bauleiter (m/w/d) Ingenieure Wüst
Erlenbach am Main Zum Job 
Energieversorgung Halle Netz GmbH-Firmenlogo
Ingenieur Elektrotechnik - Netz- & Energietechnik, Smart Grid (m/w/d) Energieversorgung Halle Netz GmbH
Halle (Saale) Zum Job 
Staatliches Hochbauamt Karlsruhe-Firmenlogo
Bachelor oder Techniker (m/w/d) der Fachrichtung Ingenieurbau / Maschinentechnik Staatliches Hochbauamt Karlsruhe
Karlsruhe Zum Job 
Staatliches Hochbauamt Karlsruhe-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) der Fachrichtungen Elektrotechnik und Versorgungstechnik Staatliches Hochbauamt Karlsruhe
Karlsruhe Zum Job 
Landeshauptstadt München-Firmenlogo
Bauingenieur*in für den Wasserbau und Bauwerksunterhalt (w/m/d) Landeshauptstadt München
München Zum Job 
Wirtgen GmbH-Firmenlogo
Versuchsingenieur Produktvalidierung (m/w/d) Wirtgen GmbH
Windhagen Zum Job 
Kreiskrankenhaus Emmendingen-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur oder Bautechniker als Projektleiter / Projektsteurer (m/w/d) Kreiskrankenhaus Emmendingen
Emmendingen Zum Job 
Hitachi Energy Germany AG-Firmenlogo
Service-Steuerungsingenieur für Frequenzumrichter (w/m/d) Hitachi Energy Germany AG
Mannheim Zum Job 
Messe München GmbH-Firmenlogo
Meister / Ingenieur / in der Elektrotechnik als Technical Manager (m/w/d) Messe München GmbH
München Zum Job 
RICHARD WOLF GmbH-Firmenlogo
Konstrukteur (m/w/d) für medizinische Instrumente und Endoskope RICHARD WOLF GmbH
Knittlingen Zum Job 

Dies beruht auf Informationen des Reaktorherstellers GE, der in den 1970ern die Blöcke 1, 2 und 6 des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi bestückte. Block 3 enthält Technologie von Toshiba. Weiß die IAEA also überhaupt, wie die Sicherheitssysteme dort wirklich aussehen?

Besser informiert wirkt das Krisenzentrum der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) in Köln. Stand 16. 3.: Die GRS meldete zum bereits vor dem Erdbeben abgeschalteten Daiichi-Block 4 „vermutlich Schäden am Reaktorgebäude (2 m x 8 m große Löcher). Der Brand wurde kurzfristig gelöscht.“

Das Abklingbecken von Block 4 gilt als eine wichtige Quelle für die erhöhte Strahlenbelastung in Fukushima. Es liegt oberhalb des inneren Beton-Containments und wurde durch eine vorherige Knallgasexplosion freigelegt. „Das Becken konnte aber bislang wohl noch nicht wieder aufgefüllt werden“, heißt es bei der GRS. „Versuche mit Hubschrauber bzw. Feuerlöschspritzen erfolgen. Dach der Reaktorhalle beschädigt, mindestens zwei Feuer im Brennelemente(BE)-Lagerbecken, Kernschäden im Lagerbecken.“

Wenn Brennelemente nicht mehr im Druckbehälter sind, können sie nicht sich selbst überlassen werden: Sie heizen sich auf. Durch die beiden Brände wurden erhebliche Mengen radioaktiven Materials in die Luft gewirbelt. Die kontaminierte Wolke trieb zumindest am Dienstag an der Megastadt Tokio vorbei. Daher der Versuch, durch Hubschrauber das Becken erneut mit Wasser zu füllen, welches aber immer schnell wieder verdampft.

Hans-Josef Allelein, Lehrstuhlinhaber für Reaktorsicherheit und -technik an der Fakultät für Maschinenwesen der RWTH Aachen, sieht „das nicht zu wässernde Brennelementelager von Block 4 wohl als das größte Problem. Was dort an radioaktivem Material rauskommt, kommt relativ direkt in die Umgebung, eine recht kritische Freisetzung.“

Aufgrund der hohen Strahlung wurde die Anlage am Mittwoch um 10.45 Uhr Ortszeit komplett geräumt. Die Ortsdosisleistung am Tor lag im Bereich von 2,5 mSv/h bis 6,5 mSv/h. Mittlerweile ist ein Teil der Mannschaft wegen gesunkener Strahlenpegel wieder aufs Anlagengelände zurückgekehrt.

Sollte es zu Kernschmelzen gekommen sein, könnten diese wieder gestoppt werden, versichert Heinz-Christian Sonnenburg von der GRS. Auch hier sei laufende Kühlung nötig. Wenn der Wasserstand im Reaktorkern sinke und die Brennstäbe teilweise freilägen, komme es zum „Candelling, also dem Abschmelzen der Brennstabspitzen. Die fallen dann als Debris in den unteren Teil des Reaktorkerns. Sofern Kühlwasser wieder zugeführt wird, bestehen gute Aussichten dieses Debris, wie in Three Mile Island, USA (Harrisburg, Kernschmelze am 28. 3. 1979), beobachtet, wieder zu kühlen.“

Allen japanischen Reaktorfehlern voraus ging das Problem: Aufgrund des Erdbebens und der Tsunami
welle waren die Notfalldiesel nicht zu starten. Lediglich Batterien konnten die Notkühlpumpen noch 8 h lang antreiben, danach ging nichts mehr mit der Reaktorkühlung. Bei deutschen Reaktoren wäre schon nach 2 h Batteriebetrieb Schluss gewesen.

Im Jahr 1999 veröffentlichten deutsche Sicherheitsforscher den GRS-Bericht A-2679 „Erkenntnisse aus dem UPTF-TRAM-Versuchsvorhaben“. Darin sahen sie den Ausfall sämtlicher Kühl- und Speisepumpen zumindest bei Druckwasserreaktoren als „weit ab von jeder Realität“ an. Die Auslegung hatte diesen möglichen Störfallzustand zunächst nicht vorgesehen: „Im TRAM-Programm (Transient Accident Management) wurden auslegungsüberschreitende Störfälle simuliert“, bestätigt Sonnenburg von der GRS.

Siedewasserreaktoren – die jetzt in Japan betroffenen sind solche – seien dagegen „zugegeben etwas stiefmütterlich behandelt worden“, gibt Sonnenburg zu. Der Hauptgrund sei der gegenüber Druckwasserreaktoren (160 bar) recht niedrige Druck von 70 bar im Reaktordruckbehälter. Weshalb „Siedewasserreaktor-Störfallanalysen hinsichtlich der Aufrechterhaltung der Kernkühlung immer relativ unkritisch waren“, so Sonnenberg. „Dennoch haben wir Siedewasserreaktoren weiterhin im Visier.“

So wurde zuletzt 2007 die GRS-Sicherheitsstudie A-3291 für Siedewasserreaktoren der „Baulinie 69“ veröffentlicht. Darunter fällt neben deutschen Reaktoren Isar 1, Brunsbüttel, Philippsburg 1 und Krümmel auch das nie in Betrieb genommene österreichische Kernkraftwerk Zwentendorf.

Genau an diesem nicht radioaktiven Kernkraftwerk hat ein deutsch-österreichisches Team um Wolfgang Kromp von der Universität für Bodenkultur Wien im Auftrag mehrerer österreichischer Bundesländer im vergangenen Jahr einen „Schwachstellenbericht Siedewasserreaktoren Baulinie 69“ erarbeitet. Dessen Ergebnis: „Mit zunehmendem Alter werden ursprünglich nachgewiesene Sicherheitsabstände kontinuierlich abgebaut möglicherweise unentdeckt gebliebene Alterungserscheinungen erhöhen die Gefahr schwerer Unfälle.“

Weil man in Zwentendorf „an Schweißnähten unzulässig hohe Materialspannungen festgestellt“ habe, die man aber in laufenden Kernkraftwerken „nicht genau messen kann, schlagen wir vor: abschalten, ja freilich!“, so Kromp gegenüber den VDI nachrichten.

Zumindest für die nächsten drei Moratoriumsmonate hat die deutsche Bundesregierung diese Forderung bereits erfüllt.

HEINZ WRANESCHITZ

Ein Beitrag von:

  • Heinz Wraneschitz

    Freier Fachjournalist in der Metropolregion Nürnberg. Der Ingenieur für Elektrische Energietechnik arbeitet viele Jahre in der Industrie, u.a. Zentrumsleiter für ein herstellerunabhängiges Solarberatungsunternehmen. Seit 2005 ist er mit dem Redaktionsbüro bildtext.de hauptberuflich journalistisch tätig. Seine Themen sind Umwelt, Energie und Wirtschaft.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.