Reaktor lief weiter 12.10.2016, 12:41 Uhr

Atombehörde bestätigt: Es gab Hackerangriff auf Kernkraftwerk

Prinzipiell sind Atomkraftwerke gegen Attacken von außen gesichert, weil es keine Schnittstelle gibt. Irgendwie muss es Hackern dennoch gelungen sein, ein Kernkraftwerk anzugreifen und für Probleme zu sorgen. Das hat IAEO-Chef Yukiya Amano preisgegeben. Es könnte die Spitze eines Eisbergs sein.

IAEO-Kontrolleure in der Urananreicherungsanlage im niederländischen Almelo: Offenbar ist es Hackern gelungen, in Atomanlagen einzudringen.

IAEO-Kontrolleure in der Urananreicherungsanlage im niederländischen Almelo: Offenbar ist es Hackern gelungen, in Atomanlagen einzudringen.

Foto: Dean Calma/ IAEO

Als Computer begannen, Kernkraftwerke zu kontrollieren, waren sich die Behörden bereits einer großen Gefahr bewusst. Cyber-Kriminelle, die von außen in dieses Netzwerk eindringen würden, könnten unermessliche Schäden anrichten. Aus diesem Grund ist dieses Netzwerk streng von der Außenwelt abgeriegelt. Vor allem hat es keinen Kontakt zum Internet.

IAEO-Chef deutet Probleme mit Hackern an

Eigentlich kann also nichts passieren. Oder doch? Yukiya Amano, der Generalsekretär der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien, eine Aufsichtsbehörde, die weltweit für Sicherheit in Kernkraftwerken sorgen soll, hat kurz nach der 60. Generalversammlung der IAEO der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, es habe bereits mehrfach Cyber-Angriffe auf Atomanlagen gegeben.

In einem Fall sei der Betrieb dadurch gestört worden. Der Vorfall habe sich „vor zwei oder drei Jahren“ ereignet. Wäre Amano nicht der Chef einer äußerst seriösen Behörde würde man derart unklare Äußerungen – er sagte nicht einmal, um welche Anlage es sich gehandelt hat – als Unsinn abtun. Doch das geht nicht. Es scheint eine Gefahr zu geben.

Bedrohung durch eine „schmutzige“  Bombe

Amano berichtete von einem weiteren gefährlichen Zwischenfall. Eine ungenannte Person habe vor vier Jahren versucht, eine kleine Menge an hoch angereichertem Uran zu stehlen. Die Menge war so gering, dass man daraus nicht einmal ansatzweise eine Atombombe hätte bauen können.

Für eine „schmutzige“ Bombe hätte es allerdings gereicht. Sie lässt sich relativ leicht aus konventionellem Sprengstoff und dem relativ schwach radioaktiv strahlenden Uran herstellen. Bei der Explosion verteilt sich das radioaktive Material über eine große Fläche. Das Problem dann wäre ein langfristiges: Die Halbwertzeit beträgt 700 Millionen Jahre. Nach dieser Zeit sind also nur 50 Prozent des Materials zerfallen.

Yukiya Amano, Generalsekretär der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien, hat eingeräumt, dass es Hackern bereits gelungen ist, in Atomanlagen einzudringen und für Probleme zu sorgen.

Yukiya Amano, Generalsekretär der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien, hat eingeräumt, dass es Hackern bereits gelungen ist, in Atomanlagen einzudringen und für Probleme zu sorgen.

Quelle: Dean Calma / IAEO

„Cyber-Attacken sollte man sehr ernst nehmen“, sagt Amano. Der von ihm öffentlich gemachte Angriff habe zwar eine Störung bedeutet. Die Anlage hätte ihren Betrieb jedoch nicht unterbrechen müssen. Aber: „Wir wissen nie, ob wir alles wissen oder nur die Spitze eines Eisbergs sehen.“

Deutscher Reaktor war ein Hacker-Ziel

Tatsächlich sind zwei Attacken genau bekannt. Korea Hydro & Nuclear Power, Betreiber von 23 Kernkraftwerken in Südkorea, und der deutsche Energiekonzern RWE waren betroffen. In Südkorea erbeuteten Hacker unkritische Daten aus dem Computersystem der Verwaltung, also nicht aus der Reaktorsteuerung. Im Netz des Kernkraftwerks Gundremmingen fand sich vor einigen Jahren Schadsoftware. Daraufhin verschärfte RWE die Sicherheitsvorkehrungen.

Wie ernst die IAEO die Bedrohung nimmt, zeigt die hohe Zahl von 10.000 Personen, die Agentur seit 2010 in nuklearer Sicherheit geschult hat. Langfristig könne das Problem größer werden. Laut Amano haben rund 30 Länder, die bisher keine Kernkraftwerke betreiben, Interesse am Bau solcher Anlagen. Tatsächlich im Bau sind vier Reaktoren in den Vereinigten Arabischen Emiraten. 2017 soll der erste Block in Betrieb gehen.

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