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2,5 Millionen Smart Meter bis 2030: Start der größten Einbau-Offensive Deutschlands

02. April 2026

Ein Techniker schraubt mit einem Schraubendreher an einem alten analogen Stromzähler in einem Sicherungskasten. Daneben ist bereits ein digitaler Zähler installiert.
Noch analoger Alltag in vielen deutschen Kellern: Ein Techniker tauscht einen alten Ferraris-Zähler aus. Metrify will bis 2030 insgesamt 2,5 Millionen Haushalte mit intelligenten Messsystemen ausstatten. Foto: Smarterpix/Rateland
Ein Messstellenbetreiber will 2,5 Millionen Smart Meter kostenlos einbauen. Kann die beispiellose Offensive Deutschlands stockenden Rollout retten?
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Deutschlands Smart-Meter-Rollout dümpelte lange vor sich hin. Obwohl intelligente Messsysteme (iMSys) als Schlüsseltechnologie für die Energiewende gelten, haben viele der über 800 grundzuständigen Messstellenbetreiber (gMSB) bisher kaum Geräte verbaut. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat kürzlich gegen 77 von ihnen Verfahren eingeleitet, weil sie ihre gesetzlichen Einbauquoten nicht erfüllen. Nun prescht ein privater Anbieter vor und kündigt die bislang größte Rollout-Offensive in Deutschland an.

Die Enpal-Tochter Metrify will bis 2030 insgesamt 2,5 Mio. Smart Meter installieren. Dabei wirbt sie jetzt mit einem ungewöhnlichen Angebot: Die Installation soll für Haushalte kostenlos sein. Im Rahmen einer bundesweiten Initiative will das Berliner Unternehmen nun rund 16 Mio. Haushalte kontaktieren.

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Inhaltsverzeichnis

Was Metrify konkret plant

Bis zu 2,5 Mio. Smart Meter will das Unternehmen in nur vier Jahren verbauen. Zum Vergleich: Seit der Ausgründung aus der Enpal-Gruppe im Sommer 2025 hat Metrify nach eigenen Angaben mehr als 70.000 Geräte installiert und bezeichnet sich damit als Deutschlands größten wettbewerblichen Messstellenbetreiber. Für das laufende Jahr plant das Unternehmen die Installation von weiteren 100.000 Geräten.

Zunächst wollen sich die Berliner auf Einfamilienhäuser fokussieren. Anschließend soll das Angebot auf Mehrfamilienhäuser ausgeweitet werden. Im Privatkundensegment tritt Metrify dabei über die Endkundenmarke „DMG Deutsche Messwesen“ auf. Die durchschnittliche Umsetzungsdauer vom Auftrag bis zum eingebauten Gerät beträgt laut dem Unternehmen sechs Wochen.

Laut Metrify wissen viele Verbraucherinnen und Verbraucher gar nicht, dass sie den Einbau eines intelligenten Messsystems unabhängig vom lokalen Netzbetreiber bei einem wMSB selbst beauftragen können. „Für viele Haushalte ist intelligente Messtechnik bislang wenig greifbar im Alltag“, so Geschäftsführer Bela Schramm. Die Installations-Offensive schaffe Aufmerksamkeit und ermögliche einen „einfachen, schnellen Zugang“ zum eigenen Smart Meter.

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Wer zahlt die Installation?

Bei dem Versprechen einer kostenlosen Installation drängt sich eine Frage auf: Wer finanziert das? Schramm erklärt gegenüber Ingenieur.de, dass „ein Finanzierungspartner“ den Einbau übernehme. „So können wir nicht nur langfristig eine kostenlose Installation anbieten, sondern haben gleichzeitig mehr Mittel, um in die Weiterentwicklung unseres Geschäfts zu investieren“, so der Geschäftsführer.

Wichtig dabei: Kostenlos ist ausschließlich die Installation selbst, danach fallen die üblichen Entgelte für den Messstellenbetrieb an. Langfristig refinanziere sich das Modell über diese laufenden Einnahmen.

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Konkurrenz oder Ergänzung zu Stadtwerken?

Wie reagieren Netzbetreiber und grundzuständige Messstellenbetreiber, wenn ein privater Anbieter in ihr Gebiet vordringt und Haushalten kostenlose Installationen anbietet? Metrify-Chef Schramm beantwortet die Frage pragmatisch: „Wir sind der Überzeugung, dass wir beim Smart-Meter-Rollout alle verfügbaren Ressourcen aktivieren sollten.“ Wettbewerbliche und grundzuständige Messstellenbetreiber ergänzten sich sinnvoll. „Als wettbewerblicher Anbieter werden wir nie die gleiche Reichweite haben wie grundzuständige Messstellenbetreiber in ihren Regionen. Dafür bringen wir andere Stärken mit – zum Beispiel Flexibilität und Schnelligkeit.“

In der Praxis könnte es aber auch Komplikationen geben. Wenn Metrify einen Haushalt als Kunden gewinnt, entfallen für den bisherigen gMSB die laufenden Entgelte für diesen Zählpunkt. Bei der angestrebten Größenordnung von 2,5 Mio. Zählern wäre das für manche Stadtwerke durchaus spürbar.

Die Initiative könnte dem Smart-Meter-Rollout einen weiteren Schub geben, sofern sich ein signifikanter Teil der ambitionierten Zahlen tatsächlich realisieren lässt. Der Sprung von 70.000 auf 2,5 Mio. installierte Geräte in nur vier Jahren entspräche immerhin einer Versechsunddreißigfachung des aktuellen Bestands. Ob die Finanzierung, die Fachkräfte und vor allem die Nachfrage der Endkunden dafür ausreichen, wird sich zeigen.

Woher kommen die Installateure?

Der Smart-Meter-Rollout war auch aufgrund der mangelnden Fachkräfte im Handwerk ins Stocken geraten. Denn für den massenhaften Einbau intelligenter Messsysteme braucht es vor allem eines: qualifizierte Elektrikerinnen und Elektriker. Metrify profitiert hier von der Konzernmutter: Über die Enpal Academy in Brandenburg würden kontinuierlich Fachkräfte ausgebildet, erklärt Schramm.

Die Kapazitäten skaliere man dabei mit der Nachfrage. Zusätzlich greife das Unternehmen auf ein bundesweites Netzwerk an Handwerksbetrieben zurück: „So können wir unseren Bedarf gut decken“, erklärt Schramm.

Warum stockt der Rollout?

Smart Meter zeigen den Stromverbrauch in Echtzeit an und ermöglichen die Nutzung dynamischer Tarife, was im besten Fall zu niedrigeren Strompreisen führt. Zudem sind sie die Voraussetzung dafür, dass steuerbare Lasten wie Solaranlagen, Wärmepumpen und Heimspeicher intelligent ins Stromnetz eingebunden werden können. Eine von der Berliner Enpal-Gruppe – Metrifys Mutterkonzern – in Auftrag gegebene Studie von Roland Berger bezifferte den wirtschaftlichen Nutzen dezentraler Energielösungen im September 2025 auf 185 bis 255 Mrd. € bis 2045. Doch ohne Smart Meter ist hier wenig zu holen.

Aktuell liegt die Verbreitung laut den jüngsten Zahlen der BNetzA bei rund 5,5 %, bis 2032 sollten es gemäß dem Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende (GNDEW) von 2023 schon rund 90 % sein.

Für Ende 2025 lag der Zielwert bei 20 %. Im Gesamtdurchschnitt wurde er mit 23,3 % sogar übertroffen, doch vor allem kleinere Messstellenbetreiber hinken hinterher. Die Ende März eingeleiteten Verfahren gegen 77 säumige gMSB richten sich gezielt gegen solche, die noch gar nicht mit dem Rollout begonnen haben. Metrifys Initiative dürfte den Installationsdruck auf die Nachzügler weiter erhöhen. Für die Energiewende ist das eigentlich keine schlechte Nachricht.



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