Schneller zum Einsatz 25.01.2017, 13:24 Uhr

So können Rettungswagen das Autoradio abschalten

Nicht erschrecken, wenn künftig Radio oder CD-Player im Auto abschalten und sich von hinten ein Rettungswagen mit laufender Sirene nähert. Schwedische Ingenieure haben eine Technik entwickelt, um Entertainmentsysteme im Auto zu unterbrechen, damit Autofahrer Warnsignale hören können.

Rettungswagen in Stockholm sollen künftig schneller durch den Verkehr kommen. Dazu werden sie mit einem Gerät ausgestattet, das in den Autos das Radioprogramm unterbricht und auf den Rettungswagen hinweist.

Rettungswagen in Stockholm sollen künftig schneller durch den Verkehr kommen. Dazu werden sie mit einem Gerät ausgestattet, das in den Autos das Radioprogramm unterbricht und auf den Rettungswagen hinweist.

Foto: Nicolas Armer/dpa

Die Idee der drei Ingenieur-Studenten der Königlichen Technischen Universität KTH in Stockholm ist überraschend einfach: Sie nutzen das Radio Data System (RDS), über das auch Rundfunkstationen für ihre Verkehrsdurchsagen das Programm des Radios oder die Musik vom CD- oder MP3-Player unterbrechen.

Krankenwagen stoppen das Radioprogramm

Krankenwagen in Schweden sollen künftig während eines Einsatzes die Entertainmentsysteme der Autos auf der Strecke per UKW stumm schalten und einen Warnhinweis übertragen können. Der wird gesprochen und kann zudem auf dem Display des Radios angezeigt werden. Zugleich hören die Autofahrer die Sirenen durch das Abschalten des Musikprogramms viel früher und können dadurch eher und gezielter eine Gasse freimachen.

In Kürze soll in Stockholm das System im Einsatz erprobt werden. Die Erfinder nennen ihre Entwicklung EVAM-System und hoffen, dass die Rettungskräfte dadurch schneller zum Unfallort kommen und Opfer schneller ins Krankenhaus fahren können. Zugleich sollen Unfälle mit Autofahrern vermieden werden, die wegen lauter Musik im Auto die Rettungsfahrzeuge überhören.

Warnsignal über Radio Data System

Allerdings funktioniert das System nur bei Radios, die das Radio Data System unterstützen. Damit sind aber alle modernen Autoradios ausgestattet, lediglich Uraltradios in älteren Fahrzeugen dudeln weiter. Allerdings dürften diese Autos so schlecht isoliert und die HiFi-Anlagen so schwach auf der Brust sein, dass die Sirenen ohnehin kaum zu überhören sind. Florian Curinga, einer der Entwickler, geht davon aus, dass die Technik wenigstens zwei Drittel aller Fahrzeuge erreichen wird.

Rettungswagen in der Notaufnahme der Charité in Berlin: In Schweden wollen Rettungsdienste künftig Warnhinweise während eines Einsatzes über den Verkehrsfunk senden, damit Autofahrer gewarnt sind und schneller eine Rettungsgasse freimachen können.

Rettungswagen in der Notaufnahme der Charité in Berlin: In Schweden wollen Rettungsdienste künftig Warnhinweise während eines Einsatzes über den Verkehrsfunk senden, damit Autofahrer gewarnt sind und schneller eine Rettungsgasse freimachen können.

Foto: Maurizio Gambarini/dpa

„Die optimale Vorwarnzeit ist mindestens zehn bis 15 Sekunden“, erklärt Mikael Erneberg, einer der Entwickler an der TU Stockholm. Das wäre eine relativ lange Zeit. Denn eine übliche Sirene hört man erst wenige Sekunden, bevor der Rettungswagen an einer Einmündung kreuzt oder von hinten angerauscht kommt. Und oft sind die Fahrer erschrocken und reagieren nicht immer besonnen.

Rettungsgassen werden früher gebildet

 „Wir wollen die Aufmerksamkeit von Fahrern früh erreichen und Stress reduzieren, der die Verkehrssicherheit beeinträchtigt“, betont Erneberg. Ob das wirklich klappt, soll der Test zeigen, der in wenigen Wochen beginnt. Zurzeit werden einige Einsatzfahrzeuge in Stockholm mit den notwendigen Geräten ausgerüstet. Allerdings wollen die Ingenieure die Vorwarnzeit an die Verkehrssituation anpassen. Auf einer Autobahn mit hohen Geschwindigkeiten wird das Signal beispielsweise früher übertragen als im zähen Stadtverkehr.

Die drei Studenten gehen davon aus, dass sich die Technik auch im Einsatz bewährt und wollen anschließend das Gerät auf den Markt bringen. Das Start-up H&E Solutions haben die jungen Leute schon gegründet.

Ein interessantes Rettungssystem hat sich auch der Energieversorger EnBW ausgedacht. Er will Straßenlaternen, die zugleich als Ladestation für Elektroautos fungieren, auch zur Notrufsäule aufrüsten.

Von Axel Mörer-Funk

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