Organische Elektronik 12.03.2019, 07:00 Uhr

Anorganische Elektroden nach Maß – Mit organischer Deckschicht

Leitfähige organische Moleküle verbessern die Eigenschaften von Gold- und Silberelektroden. Das berichten Forscher aus Marburg. Sie zeigen, dass ihre Systeme auch unter Alltagsbedingungen funktionieren.

Gold-Elektrode

Gold-Elektrode (links unbeschichtet, rechts mit einer monomolekularen Schicht Phthalocyanin bedampft). Grafik: Felix Widdascheck

Mit organischen Molekülen lassen sich die Eigenschaften anorganischer Elektroden präzise steuern. Je nach verwendeter Substanz änderte sich die Energie-Barriere von Elektronen beim Übergang vom Metall in den organischen Halbleiter, berichten die Forscher der Universität Marburg. Damit lassen sich maßgeschneiderte Elektroden entwickeln.

Bei der organischen Elektronik arbeiten Forscher mit halbleitenden aromatischen Moleküle, von denen es Tausende Vertreter gibt. Elektrische Leitfähigkeit setzt Ladungsträger voraus. Das sind im Fall von organischen Molekülen konjugierte Doppelbindungen, also C=C-Doppelbindungen mit jeweils einer C-C-Einfachbindung dazwischen. Sie erstrecken sich über das gesamte Molekül. Als eigentliche Ladungsträger fungieren wie bei Halbleitern Defektelektronen, die man durch chemische Dotierung einbringt.

Bei der Kombination mit Metallelektroden gab es vor allem durch den Kontaktwiderstand an der Grenzfläche zwischen Metallelektroden und organischem Halbleiter Schwierigkeiten. Wissenschaftler der Philipps-Universität Marburg lösten die Probleme, indem sie organische Moleküle, sogenannte Phthalocyanine, als monomolekulare Schicht auf einkristalline Gold- und Silber-Elektroden aufbrachten. Trotz der geringen Dicke erwies sich die Schicht als erstaunlich stabil.

Präzise Steuerung der Energiebarriere

Messungen zeigten, welche Potenziale das System hat, indem Forscher zwei Stellschrauben veränderten. Änderten sie die prozentuale Bedeckung ihrer Elektroden mit Phthalocyaninen, konnten sie die Energiebarriere für elektronische Übergänge zwischen dem Metall und dem Halbleiter präzise steuern. Noch stärkeren Einfluss hatten Varianten bei der Chemie. Unterschiedliche Moleküle führten zu unterschiedlich starken Änderungen der Barriere. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass mithilfe der richtigen Moleküle und bei sorgfältiger Präparation eine genaue Kontrolle der Grenzfläche zwischen Metall und Halbleiter möglich ist“, sagt Gregor Witte. Der Professor für Festkörperphysik forscht an der Uni und hat das Forschungsprojekt geleitet.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den Bereich Straßenbau Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Kiel, Flensburg, Rendsburg, Itzehoe, Lübeck Zum Job 
Siegfried PharmaChemikalien Minden GmbH-Firmenlogo
Betriebsingenieur Mehrprodukte-Betrieb (w/m/d) Siegfried PharmaChemikalien Minden GmbH
ifp | Executive Search. Management Diagnostik.-Firmenlogo
Geschäftsführung (m/w/d) ifp | Executive Search. Management Diagnostik.
Ruhrgebiet Zum Job 
HYDRO Systems GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Teamlead Shopfloor Service Station Norderstedt (m/w/d) HYDRO Systems GmbH & Co. KG
Norderstedt Zum Job 
GVG Immobilien Service GmbH-Firmenlogo
Projektassistenz (m/w/d) Baumanagement GVG Immobilien Service GmbH
München Zum Job 
Birkenstock Productions Hessen GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Meister / Techniker Elektrotechnik / Automatisierungstechnik (m/w/d) Birkenstock Productions Hessen GmbH
Steinau an der Straße Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Architekten, Bau- und Elektroingenieure (m/w/d) Staatliches Baumanagement Region Nord-West
Wilhelmshaven Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Architekten / Bauingenieure (m/w/d) Hochbau Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Versorgungstechnik bzw. Technische Gebäudeausrüstung Staatliches Baumanagement Region Nord-West
Wilhelmshaven, Bad Iburg, Oldenburg, Aurich, Meppen, Emden Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) der Fachrichtungen konstruktiver Ingenieurbau/Tiefbau/Geo-/Naturwissenschaften/Landschaftsbau Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Elektrotechnik Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
WITTENSTEIN SE-Firmenlogo
Werkleitung (w/m/d) mit Leitwerksfunktion WITTENSTEIN SE
Igersheim-Harthausen Zum Job 
Sparda-Bank Südwest eG-Firmenlogo
Leitung Facility Management (m/w/d) Sparda-Bank Südwest eG
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Prüfingenieur Konstruktiver Ingenieurbau / Bauwesen (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung (w/m/d) Bauwerks- und Erhaltungsmanagement Die Autobahn GmbH des Bundes
Stadtwerke Leipzig GmbH-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) Elektrotechnik Stadtwerke Leipzig GmbH
Leipzig Zum Job 
TenneT TSO GmbH-Firmenlogo
Lead Asset Management & Engineering (m/w/d) TenneT TSO GmbH
Lehrte, Bayreuth Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für Straßenplanung / Verkehrsplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Hochschule Merseburg-Firmenlogo
Professur (W2): Automatisierungstechnik Hochschule Merseburg
Merseburg Zum Job 

Wie sein Team gezeigt hat, steckt ein großes Potenzial in Phthalocyaninen. Die Molekülklasse wurde erstmals 1907 beschrieben und ab 1928 synthetisiert. 1934 begann die gezielte Produktion von Kupferphthalocyanin als Farbstoff. Über Jahrzehnte hinweg haben Chemiker diverse Synthesemethoden entwickelt. Dazu gehören neben nasschemischen Methoden auch elektrochemische Verfahren. Als weitere Energiequellen kommen Laser, UV-VIS- oder Mikrowellenstrahlung infrage. Dank der gezielten Verfahren gelingt es heute, Hunderte Vertreter der Molekülklasse herzustellen. Konjugierte Doppelbindungen erklären sowohl die Farbigkeit als auch die elektrischen Eigenschaften.

Ergebnisse vom Labor in die reale Welt übertragen 

Ein idealisiertes Modellsystem ist für theoretische Überlegungen wichtig. Die Wissenschaftler stellten sich jedoch die Frage, welche Eigenschaften Systeme unter weniger idealen Bedingungen haben. Das sind beispielsweise polykristalline statt monokristalliner Elektroden. Und Sauerstoff der Luft könnte Ergebnisse aus Messungen im Vakuum verändern. Lassen sich die Moleküle erneut korrekt anordnen, wenn sie durch Lufteinwirkung in Unordnung geraten sind? Denn Elektronik-Bauteile müssen eben auch unter realen Bedingungen funktionieren.

Das Team untersuchte deshalb, ob im Labor gemessene Effekte auch auf polykristallinen Elektroden auftreten. Eine andere Befürchtung war, dass Luft die Ordnung auf Elektrodenoberflächen irreversibel stört. Das war nicht der Fall. Glühten Wissenschaftler ihr System im Vakuum aus, konnten sie die molekulare Ordnung wiederherstellen. Dieser Befund belege, dass der Ansatz auch in einer echten Fertigungsreihe funktionieren könne, erklärt Witte.

Technik mit Potenzial – aber noch offene Fragen

Bei Ingenieuren gilt die organische Elektronik nämlich als Technologie mit großem Potenzial und zwar aus mehreren Gründen. Sie ermöglicht es, preisgünstige Komponenten herzustellen, etwa für Wegwerfprodukte wie RFID-Chips. Außerdem lassen sich mit Polymeren Werkstücke produzieren, die mit klassischen Halbleitern nicht möglich wären. Besonders groß ist das Interesse an Folien. Dem stehen einige Nachteile gegenüber. Aussagen zur Lebensdauer organischer Komponenten lassen sich nicht treffen. Wie lange Daten stabil sind, bleibt ebenfalls offen. Bekannte Probleme mit Elektroden konnten zumindest geklärt werden. Witte: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass mithilfe der richtigen Moleküle und bei sorgfältiger Präparation eine genaue Kontrolle der Grenzfläche zwischen Metall und Halbleiter möglich ist.“

Weitere News zu organischer Elektronik:

  • Data Mining hilft bei der Suche nach organischen Halbleitern
  • Schaltkreise lassen sich biegen und dehnen
  • Dieser Oled-Fernseher lässt sich einfach zusammenrollen

Ein Beitrag von:

  • Michael van den Heuvel

    Michael van den Heuvel hat Chemie studiert. Unter anderem arbeitet er für Medscape, DocCheck, für die Universität München und für pharmazeutische Fachmagazine. Seit 2017 ist er selbstständiger Journalist und Gesellschafter von Content Qualitäten. Seine Themen: Chemie/physikalische Chemie, Energie, Umwelt, KI, Medizin/Medizintechnik.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.