Neuartiges Waschmittel 27.07.2014, 07:58 Uhr

Kasseler Forscher waschen ihre Wäsche mit Sand

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Gewöhnlicher Sand ist der Rohstoff für ein effektives und umweltfreundliches Waschmittel, das an der Uni Kassel entwickelt wurde. Bevor jetzt jeder in den Baumarkt fährt: Für die Herstellung sind eine ganze Menge komplizierter Schritte notwendig. 

Waschaktion in einem Technik-Kaufhaus in Hamburg: Kasseler Forscher haben ein Waschmittel entwickelt, das auf gewöhnlichem Sand basiert. Es belastet nicht die Gewässer und baut sich in der Natur wieder in seine Bestandteile ab.

Waschaktion in einem Technik-Kaufhaus in Hamburg: Kasseler Forscher haben ein Waschmittel entwickelt, das auf gewöhnlichem Sand basiert. Es belastet nicht die Gewässer und baut sich in der Natur wieder in seine Bestandteile ab.

Foto: dpa

Kinder im Sandkasten, die ihre Kleidung spielerisch mit Matsch „waschen“, liegen nicht komplett falsch. Das jedenfalls legen die Ergebnisse einer Forschergruppe der Universität Kassel nahe, die Waschmittel auf Sandbasis hergestellt hat. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht: Auf dem Weg zum Flecklöser sind einige durchaus komplizierte Schritte zu bewältigen.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern-Firmenlogo
Projektingenieur im Brückenbau für Neubau-, Ausbau- und Erhaltungsmaßnahmen (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern
Kempten Zum Job 
Stadtwerke München GmbH-Firmenlogo
Bauingenieur*in / Fachkraft für Arbeitssicherheit (m/w/d) Stadtwerke München GmbH
München Zum Job 
DRK-Blutspendedienst Nord-Ost gemeinnützige GmbH-Firmenlogo
Techniker / Mitarbeiter technischer Dienst (m/w/d) DRK-Blutspendedienst Nord-Ost gemeinnützige GmbH
C. Josef Lamy GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur (m/w/d) Fertigungstechnik C. Josef Lamy GmbH
Heidelberg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern-Firmenlogo
Abteilungsleitung Grunderwerb, Liegenschaftsverwaltung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern
Kempten (Allgäu) Zum Job 
LVR-Klinik Köln-Firmenlogo
Ingenieurin / Ingenieur der Fachrichtung Versorgungstechnik / Technische Gebäudeausrüstung (m/w/d) LVR-Klinik Köln
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur Konstruktiver Ingenieurbau/Brückenbau (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Gelnhausen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Fachrichtung Straßenbau Die Autobahn GmbH des Bundes
Darmstadt Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur/in als Bauwerksprüfer (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Darmstadt Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Teamleitung (m/w/d) Straßenbau Die Autobahn GmbH des Bundes
Darmstadt Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Projektingenieur/in Planung Ingenieurbauwerke Die Autobahn GmbH des Bundes
Darmstadt Zum Job 
Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF)-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) in der Lieferantenbetreuung Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF)
Karlstein Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Experte Brückenprüfung (m/w/d) in unserer Niederlassung West Die Autobahn GmbH des Bundes
Montabaur Zum Job 
Pinck Ingenieure Consulting GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Projektingenieur (m/w/d) Elektrotechnik Pinck Ingenieure Consulting GmbH & Co. KG
Hamburg Zum Job 
über maxmatch Personalberatung GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Fachplaner / Systemplaner Elektrotechnik (m/w/d) über maxmatch Personalberatung GmbH
Stuttgart, München, Ulm, Rosenheim Zum Job 
Cargill Deutschland GmbH-Firmenlogo
Maintenance Manager (m/w/d) Cargill Deutschland GmbH
Salzgitter Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) konstruktiver Ingenieurbau/Brückenbau Die Autobahn GmbH des Bundes
Darmstadt Zum Job 
Pinck Ingenieure Consulting GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Projektingenieur Raumlufttechnik (m/w/d) Pinck Ingenieure Consulting GmbH & Co. KG
Hamburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Teamleitung (m/w/d) Vergabestelle Bauleistungen Die Autobahn GmbH des Bundes
Montabaur Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Ingenieur (w/m/d) Straßenbau Die Autobahn GmbH des Bundes

Am Ende steht jedoch das „silanol-basierte Tensid“, wie die Neuentdeckung heißt, und das kann alles, was waschaktive Substanzen können sollten: Tenside vereinen Flüssigkeiten wie zum Beispiel Öl und Wasser, die eigentlich nicht mischbar sind, indem sie die Oberflächenspannung reduzieren. So wird es möglich, zum Beispiel Fettflecken aus Kleidungsstücken zu lösen und mit Wasser wegzuspülen.

Das Zwischenprodukt ist der Trick

Um aus dem Sand ein Tensid herzustellen, muss er zunächst zu Silicium reduziert werden. Genau wie bei der Silikonherstellung wird dieses dann mittels Direktsynthese zu Organosiliciumverbindungen weiter umgesetzt. Dabei tritt ein Zwischenprodukt auf, ein sogenanntes Silantriol. Dieses – und das war entscheidend – synthetisierten die Kasseler Forscher zu einer besonders stabilen Variante, indem sie es ein wenig umbauten. Sie modifizierten den Stoff so, dass er stabil genug ist, um sich nicht von selbst zu verändern, und dabei in der Lage ist, Fett in Wasser zu lösen.

Verladung des Waschmittels Henkel: Kasseler Forschern ist es gelungen, aus normalem Sand Tenside herzustellen. Sand als Basis für Waschmittel ist praktisch unbegrenzt vorhanden.

Verladung des Waschmittels Henkel: Kasseler Forschern ist es gelungen, aus normalem Sand Tenside herzustellen. Sand als Basis für Waschmittel ist praktisch unbegrenzt vorhanden.

Quelle: dpa

„Unser silanol-basiertes Tensid reduziert die Oberflächenspannung von Wasser in vergleichbarem Maße wie andere bekannte Tenside“, sagt Prof. Rudolf Pietschnig, Leiter des Fachgebiets Chemische Hybridmaterialien an der Universität Kassel. Damit sei es grundsätzlich gut geeignet, um zukünftig als Kernbestandteil von Waschmitteln, Seifen und Spülmitteln verwendet zu werden.

Mehr zum Thema

Gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Dr. Natascha Hurkes vom Institut für Chemie und seiner interdisziplinären Forschungsgruppe der Universitäten Kassel und Graz hat er die Ergebnisse jetzt im Fachmagazin „Chemistry“ veröffentlicht. Ganz einfach sei das Verfahren jedoch nicht gewesen, gibt er zu. In diesem Umstand vermutet er auch den Grund, warum bisher noch niemand darauf gekommen ist, waschaktive Substanzen aus Sand herzustellen, obwohl Silantriole bereits seit einem halben Jahrhundert erforscht werden.

Neues Waschmittel belastet nicht die Umwelt

Dabei liegen die Vorteile auf der Hand. Der Rohstoff – gewöhnlicher Quarzsand – ist in rauen Mengen vorhanden: Er besteht aus Silicium und Sauerstoff, den zwei häufigsten chemischen Elementen der Erdkruste.

Prof. Rudolf Pietschnig von der Universität Kassel hat das neue Verfahren zur Herstellung von Tensiden aus Sand entwickelt.

Prof. Rudolf Pietschnig von der Universität Kassel hat das neue Verfahren zur Herstellung von Tensiden aus Sand entwickelt.

Quelle: Universität Kassel

Außerdem ist das neue Tensid anders als phosphathaltige Waschmittel nicht umweltschädlich: Es lässt Gewässer nicht umkippen, indem es sie mit algenfördernden Nährstoffen anreichert, sondern wird in der Umwelt oder bei Verbrennung einfach wieder zu Siliciumdioxid, Kohlendioxid und Wasser umgewandelt. Daneben ist es nicht giftig für menschliche Zellen, wie die Forscher in Test nachgewiesen haben.

Auch die industrielle Produktion sei gerade in Deutschland gut möglich, glaubt Pietschnig: „Deutsche Unternehmen sind bei der Organosiliciumchemie traditionell gut aufgestellt.“ Natürlich müsse man den Prozess noch wirtschaftlich optimieren: Bisher gebe es nur Erfahrung in der Herstellung von laborüblichen Mengen.

Ein Beitrag von:

  • Judith Bexten

    Judith Bexten ist freie Journalistin. Ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen Technik, Logistik und Diversity.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.