Chemie 12.03.2010, 18:33 Uhr

Gefährlicher Kandidat Borsäure  

Die EU-Chemikalienagentur Echa hat für die Liste der gefährlichen Substanzen, deren Anwendungen möglicherweise zugelassen werden, jetzt weitere Kandidaten vorgeschlagen. Damit könnte die Liste bereits ab Juni 37 Substanzen umfassen. VDI nachrichten, Berlin, 12. 3. 10, ber

Das EU-Chemikaliengesetz Reach entwickelt ein Eigenleben. Seit 2010 schlägt die EU-Chemikalienagentur Echa in Helsinki zweimal jährlich Substanzen für die Kandidatenliste vor. Diese Liste, auf der bislang 29 gefährliche Substanzen aufgeführt sind, ist für die Industrie wichtig. Denn daraus werden jene Substanzen ausgewählt, die einem Zulassungsverfahren unterzogen werden. Solche Stoffe können nach einer Übergangsfrist dann nur noch eingesetzt werden, wenn die jeweilige Anwendung ausdrücklich erlaubt ist.

Die jüngsten Vorschläge kamen aus Dänemark, Deutschland und Frankreich. Aus Deutschland – genauer aus dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin – stammt die Empfehlung, sich die Anwendungen von Borsäure genauer anzuschauen.

Borsäure, die bei Versuchstieren nachweislich die Fruchtbarkeit schädigt, wird in vielen Verbraucherprodukten eingesetzt: in Kosmetika, Glasuren, Gläsern und als Flammschutzausrüstung für Textilien. Für kosmetische Pflegemittel für Kinder unter drei Jahren ist Borsäure allerdings nicht zugelassen.

Als Konservierungsstoff (E 284) darf Borsäure echtem Kaviar zugesetzt werden. Sie reichert sich im Gewebe an und wird vom Körper nur langsam ausgeschieden. In hohen Dosen kann sie Vergiftungserscheinungen und Nierenschäden hervorrufen.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
LWL-PsychiatrieVerbund Westfalen-Firmenlogo
Diplom-Ingenieur:in oder Bachelor of Engineering (FH) der Fachrichtung Nachrichtentechnik (m/w/d) LWL-PsychiatrieVerbund Westfalen
Lippstadt, Warstein Zum Job 
Werner Sobek AG-Firmenlogo
Projektingenieure / Projektleiter Gebäude- / Versorgungstechnik (m/w/d) Werner Sobek AG
Frankfurt, Stuttgart, Weinheim, Mannheim Zum Job 
HOERBIGER Flow Control GmbH-Firmenlogo
Industrial Engineer (w/m/d) HOERBIGER Flow Control GmbH
Altenstadt Zum Job 
Stadtwerke Wolfenbüttel GmbH-Firmenlogo
Bereichsleiter Technik (m/w/d) Stadtwerke Wolfenbüttel GmbH
Wolfenbüttel Zum Job 
Dürkopp Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Electrical Automation Engineer (m/w/d) - R&D Department Dürkopp Fördertechnik GmbH
Bielefeld Zum Job 
Stadt Neumünster-Firmenlogo
Ingenieur*in in der Fachrichtung Architektur Stadt Neumünster
Neumünster Zum Job 
Stadtreinigung Hamburg-Firmenlogo
Ingenieur (all genders) Hochbau Stadtreinigung Hamburg
Hamburg Zum Job 
Thüringer Landgesellschaft mbH-Firmenlogo
Sachbearbeiter Bereich Wasserwirtschaft (m/w/d) Thüringer Landgesellschaft mbH
Erfurt-Mittelhausen Zum Job 
WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Planungsingenieur (m/w/d) für Siedlungswasserwirtschaft WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH
Donauwörth, München-Ost (Grasbrunn), München-West (Planegg), Pfaffenhofen an der Ilm Zum Job 
TenneT-Firmenlogo
HSE Manager Baustellen & Infrastrukturprojekte (m/w/d) TenneT
Stadtreinigung Hamburg-Firmenlogo
Ingenieur (all genders) Tiefbau Stadtreinigung Hamburg
Hamburg Zum Job 
VDZ Service GmbH-Firmenlogo
Auditor (m/w/d) für die Validierung von Umweltmerkmalen und für die Produktzertifizierung VDZ Service GmbH
Düsseldorf Zum Job 
Thüringer Landgesellschaft mbH-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Thüringer Landgesellschaft mbH
Thüringer Landgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektingenieur Wasserbau (m/w/d) Thüringer Landgesellschaft mbH
Erfurt, Meiningen, Neustadt an der Orla, Sondershausen Zum Job 
Handtmann Reutlingen GmbH-Firmenlogo
Elektrokonstrukteur / Electrical Design Engineer (m/w/d) EPLAN P8 Handtmann Reutlingen GmbH
Reutlingen Zum Job 
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Support-Techniker/-Ingenieur (m/w/d) LED-Lithographieanlagen Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH-Firmenlogo
Planungsleiter / Projektleiter (m/w/d) für Kläranlagen mit Schwerpunkt Ingenieurbau WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH
verschiedene Einsatzorte Zum Job 
WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH-Firmenlogo
Planungsleiter / Projektleiter (m/w/d) für Kläranlagen mit Schwerpunkt Verfahrenstechnik WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH
verschiedene Einsatzorte Zum Job 
Hochschule Reutlingen-Firmenlogo
W2-Professur (m/w/x) Energiewirtschaft und Energienetze Hochschule Reutlingen
Reutlingen Zum Job 
OST  Ostschweizer Fachhochschule-Firmenlogo
Professor/in für Integrierte Digitale Systeme OST Ostschweizer Fachhochschule
Rapperswil Zum Job 

Borsäure wird zudem bei der Glas- und Keramikherstellung oder als Flammschutzmittel in Dämmstoffen eingesetzt. Auch Dünger kann die Säure enthalten. Bor ist für Pflanzen in geringen Mengen essentiell, in höheren Dosen wirkt Bor aber wie ein Herbizid.

Dänemark will zwei weitere reproduktionstoxische Borverbindungen auf die Kandidatenliste setzen. Frankreich sorgt sich indes um Gesundheitsgefahren durch das krebserregende Lösungsmittel Trichlorethen (Tri) und durch vier giftige Chromatverbindungen.

Doch es ist ein langer Weg, bevor eine Substanz von der Kandidatenliste in einem Zulassungsverfahren auf Herz und Nieren geprüft wird. Derzeit beginnt die Kommentierungsphase. Jeder Betrieb und Industrieverband, aber auch jeder Bürger kann sich 45 Tage lang zu den Dossiers äußern. Die Frist endet am 22. April 2010. Die Echa wünscht sich weitere Hinweise zu den Stoffeigenschaften, den Einsatzgebieten sowie dazu, wie Mensch und Umwelt mit diesen Substanzen belastet sind und ob es Alternativen zu diesen Substanzen gibt.

Lesen Sie auch:

Wohl im Juni berät dann ein Ausschuss der EU-Staaten über die Kommentare. Er muss einstimmig über die Vorschläge zur Aufnahme auf die Kandidatenliste entscheiden.

Mit anderen Worten: Der Ausschuss der EU-Staaten wird wahrscheinlich noch vor dem Sommer 2010 die aktuelle Kandidatenliste um bis zu acht Substanzen erweitern. Damit steigt auch das Auskunftsrecht der Bürger. Sie dürfen in jedem Geschäft erfragen, ob ein Produkt zu mehr als 0,1 % einen der Kandidatenstoffe enthält. Das Geschäft muss nach spätestens 45 Tagen antworten.

Danach sucht sich Echa aus der Kandidatenliste jene Substanzen heraus, die das Zulassungsverfahren durchlaufen sollen. Die EU-Kommission formuliert dann einen eigenen Vorschlag. Letztlich aber entscheiden die EU-Staaten, welche Substanzen zugelassen werden.

Noch gibt es keine Zulassungsliste. Echa hat zwar bereits im Juni 2009 sieben Substanzen dafür vorgeschlagen, doch die Kommission hat noch keinen eigenen Vorschlag gemacht.

Ein Grund ist, dass um den Leitfaden zur Zulassung gestritten wird. Darin soll Industrieunternehmen erklärt werden, worauf sie beim Zulassungsantrag achten müssen. Doch die Generaldirektionen Umwelt und Unternehmen der EU-Kommission sind sich uneins darüber, wie weitgehend Unternehmen verpflichtet werden sollen, auch auf sichere Anwendungen einer gefährlichen Substanzen zu verzichten.

Doch es geht voran. Die neue EU-Kommission will in diesem Frühjahr die offenen Streitpunkte klären. Dann kann die erste Zulassungsliste bald veröffentlicht werden. Der Verband der Chemischen Industrie rechnet mit September 2010. RALPH AHRENS

Ein Beitrag von:

  • Ralph H. Ahrens

    Chefredakteur des UmweltMagazins der VDI Fachmediengruppe. Der promovierte Chemiker arbeitete u.a. beim Freiburger Regionalradio. Er absolvierte eine Weiterbildung zum „Fachjournalisten für Umweltfragen“ und arbeitete bis 2019 freiberuflich für dieverse Printmedien, u.a. VDI nachrichten. Seine Themenschwerpunkte sind Chemikalien-, Industrie- und Klimapolitik auf deutscher, EU- und internationaler Ebene.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.