Start-up-Porträt 15.07.2011, 12:09 Uhr

ZIM Plant Technology: Durstige Pflanzen schicken eine SMS

Mit einem Sensorsystem für Landwirtschaft, Gärtnerei und Försterei will das Brandenburger Start-up ZIM Plant Technology die künstliche Bewässerung revolutionieren. Durstige Pflanzen müssen demnach nicht mehr die Blätter hängen lassen

Revolution in der künstlichen Bewässerung.

Revolution in der künstlichen Bewässerung.

Ulrich Zimmermann hat ein Luxusproblem: Die Kundschaft rennt ihm die Türen ein. „Wir liefern unser Produkt in der ganzen Welt aus“, sagt der Mehrheitseigner der ZIM Plant Technology GmbH. Der Würzburger Professor für Biotechnologie hat das Unternehmen, das Sensorsysteme für den pflanzlichen Wasserbedarf herstellt, vor sechs Monaten mit zwei seiner Doktoranden gegründet.

Das Sondensystem von ZIM beschädigt die Pflanze nicht. Eines ihrer Blätter wird zwischen zwei kleine magnetische Zylinder geklemmt. In einem davon befindet sich ein drucksensibler Chip. Üblicherweise herrscht in pflanzlichen Zellen ein Überdruck. Prall gefüllt sind es bis zu 7 bar. „Der Überdruck, genannt Turgor, ist praktisch der Blutdruck der Pflanze“, so Zimmermann. „Unter 0,5 bar wird es gefährlich – und bei 0 ist sie tot.“ Das System misst die Differenz zwischen der konstanten Magnetkraft und dem wechselnden Druck im Blatt.

Die Methode der ZIM Plant Technology eignet sich für alles, was Blätter hat

Geeignet sei die Methode für alles, was Blätter hat. Drei magnetische Sonden reichen für 20 ha, versichert der Professor. Sie sind mit einem Transmitter verbunden, der die Daten an eine Kontrollstation funkt. Diese erkennt, von welcher Sonde das jeweilige Signal kommt, versieht es mit einem Zeitstempel und sendet es an den Server. So hat der Landwirt seinen Wasserbedarf stets im Blick Rund 3500 € kostet ein Basis-Set.

Weil die Kunden in Australien, Spanien oder Chile sitzen, bietet die ZIM Fernwartung an. „Sobald der Laptop des Kunden an die Kontrollstation angedockt ist, sehen wir, was im Gerät nicht in Ordnung ist“, erklärt Zimmermann.

Künftig kann er sich ein anderes Geschäftsmodell vorstellen, ähnlich dem der Mobilfunkbetreiber. Kunden zahlen dann für die Dienstleistung eine monatliche Gebühr und bekommen die Technik (fast) geschenkt. „Wir wollen die Betreuung der Anlage übernehmen und dem Bauern per SMS oder E-Mail mitteilen, wann er wässern muss.“ Und wenn es genug ist, kommt die Aufforderung, die Ventile nun zuzudrehen.

ZIM Plant Technology will nach Afrika

Das Interesse sei in Südamerika, Australien und den Mittelmeerländern sehr groß – Regionen, die auf künstliche Bewässerung angewiesen sind. Auch in Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz steige die Nachfrage.

„Wir wollen aber auch nach Afrika“, sagt der Gründer. „Wir sind der Meinung, dass unsere Technologie gerade für Entwicklungsländer gut geeignet ist. Die Sonden lassen sich leicht setzen, dann läuft das System praktisch wartungsfrei und wir können es von hier aus steuern.“

In den Tests sparte das System im Schnitt 40 % der üblichen Wassermengen – ohne Einbußen für die Quantität oder Qualität der Produktion. Bisher gab es, wenn überhaupt, nur Fühler, die die Bodenfeuchtigkeit messen. Doch sie sagen nichts darüber aus, wie viel davon die Pflanzen aufnehmen.

Die Wasserersparnis ist aber nur das eine: Gezieltes Gießen soll die Bodenversalzung vermeiden. Überflüssiges Wasser versickert nämlich und löst die in der Erde vorhandenen Salze auf. Wenn es dann in heißen Gegenden verdunstet, bildet sich eine Salzkruste. Auf diese Weise werden rund 10 Mio. ha Ackerland pro Jahr weltweit unbrauchbar.

Die Wassermenge beeinflusst ebenfalls die Qualität des Endprodukts. So sei für einen guten Rotwein ein milder „Wasserstress“ nötig, so Zimmermann.

ZIM Plant Technology erhält Konkurrenz

Das Start-up ist allerdings nicht das einzige Unternehmen, das den enormen Durst der Agrarwirtschaft erkannt hat. 2012 will etwa die Lehner Sensorsysteme GmbH ein ähnliches System auf den Markt bringen. Es registriert – im Unterschied zur ZIM-Technologie – die elektrischen Signale der Pflanze, eine Art pflanzliches EKG. Das soll Auskunft darüber geben, ob das Gewächs vertrocknet, von Schädlingen befallen ist usw. Dadurch will Lehner sowohl den Wasser- als auch den Pestizidverbrauch steuern.

Zimmermann ist zuversichtlich, dass sein System sich behaupten wird. Elektrische Signale gäben nur indirekt Auskunft über den Wasserbedarf der Pflanze, der Turgor sei dagegen der entscheidende Faktor. Gegenwärtig entwickelt sein Team die Sensorik für Nadelbäume weiter. Das Nächste sei, sie mit einem Aktor auszustatten. So könnte die Mitteilung „genug gewässert“ direkt an die Ventile der Berieselungsanlage gehen.

Die Entwicklung wird unter anderem mit 0,5 Mio. € Risikokapital vom Hightech-Gründerfonds (HTGF) vorangetrieben. Eine knappe Million gab die Zukunftsagentur und die Investitionsbank des Landes Brandenburg. Über 100 000 € kamen außerdem aus den BMWI-Förderprogrammen Exits und Pro Inno. Bis 2012 sieht Zimmermann weiteren Finanzbedarf von 1,5 Mio. € und guckt sich nach strategischen Investoren um. „Wir möchten kein Kapital, das nach zwei Jahren wieder abgezogen wird, sondern ein kontinuierliches Wachstum“, sagt er.

 

Von Matilda Jordanova-Duda

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