Vom Kasernengelände zum Wohnviertel: Trier legt den Irrbach frei
Ein verrohrter Bach soll in Trier wieder offen fließen. So verbinden die Planer das neue Wohnviertel mit Grünflächen und einer neuen Entwässerung.
Auf dem Gelände der ehemaligen Jägerkaserne in Trier-West entsteht ein neues Wohnquartier. Die Luftaufnahme zeigt freigeräumte Bauflächen und erhaltene Bestandsgebäude. Im Zuge der Entwicklung soll ein Abschnitt des Irrbachs offengelegt werden.
Foto: EGP
In Trier-West soll ein bislang verrohrter Bach wieder offen fließen. Auf dem Gelände der ehemaligen Jägerkaserne entsteht ein Wohnquartier, dessen Grünflächen und Entwässerung auf den Irrbach abgestimmt werden. Die Herausforderung: Der Bach muss bei Starkregen genügend Wasser abführen können, fällt in trockenen Zeiten aber zeitweise trocken.
Der Irrbach fließt durch Trier – doch auf weiten Strecken bekommt ihn niemand zu sehen. Er verschwindet unter Straßen und bebauten Flächen. Auf dem Gelände der ehemaligen Jägerkaserne soll ein Abschnitt nun wieder an die Oberfläche kommen.
Die Offenlegung des Bachs und der Bau der angrenzenden Freiräume sollen nach Angaben von Drees & Sommer im vierten Quartal 2026 beginnen. Sie gehören zum „Projekt im Westen“, mit dem die Entwicklungsgesellschaft EGP das frühere Militärgelände in ein Wohnquartier umwandelt. Drees & Sommer begleitet die Entwicklung mit Beratung und Projektmanagement.
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Wohnungen statt Kasernenbetrieb
Die aktuelle Projektmitteilung nennt rund 460 geplante Wohnungen, davon etwa 220 im ersten Bauabschnitt. Neben Mehrfamilienhäusern sind zwei Spielplätze, gemeinschaftliche Gartenflächen und Räume für nachbarschaftliche Aktivitäten vorgesehen. Die EGP plant, die Wohngebäude nach ihrer Fertigstellung im eigenen Bestand zu halten.
Auf ihrer Projektwebsite beschreibt die EGP bislang rund 220 Wohnungen auf einer etwa 6,2 Hektar großen Fläche. Mindestens ein Drittel davon soll geförderter Wohnraum werden. Für die südliche Bebauung sind rund 160 Mietwohnungen vorgesehen, darunter Wohnungen in Holz- beziehungsweise Holzhybridbauweise. Die unterschiedlichen Gesamtangaben von Website und aktueller Mitteilung sind bislang nicht eindeutig räumlich abgegrenzt.
Die Bundeswehr gab den Standort 2014 frei. Die Stadt Trier kaufte das Grundstück 2017; 2022 erhielt die EGP den Zuschlag im Investorenauswahlverfahren. Der 2023 beschlossene Bebauungsplan umfasst auch das ehemalige Busdepot östlich der Eurener Straße. Diese Fläche entwickeln die Stadtwerke Trier. Einzelne Bestandsgebäude der Kaserne bleiben erhalten und werden weitergenutzt.
Ein Teil des Irrbachs kommt zurück ans Licht
Der Irrbach ist nach einer städtischen Beschlussvorlage von 2017 rund 2,1 Kilometer lang. Etwa 500 Meter verliefen damals offen und naturnah. Auf den übrigen rund 1,6 Kilometern wurde das Gewässer unter dem Stadtgebiet durch das Mischwassersystem geführt.
Die geplante Öffnung betrifft den Bereich der ehemaligen Jägerkaserne westlich der Eurener Straße. Weiter in Richtung Mosel soll der Bach nach der damaligen Planung unterirdisch bleiben, weil seine Leitung dort zu tief liegt. Dafür ist ein eigener Ableitungsweg vorgesehen.
In einer Mischkanalisation fließen Schmutz- und Regenwasser gemeinsam. Die Trennung soll dem Irrbach einen Weg zur Mosel geben, der unabhängig von diesem Abwassersystem funktioniert.
Der offene Abschnitt wird zugleich Teil eines öffentlichen Grünzugs. Nach der städtischen Planung soll dieser die Moselhänge mit dem Moselufer verbinden und die bislang durch das Kasernengelände getrennten Wohngebiete miteinander verknüpfen.
Regenwasser bekommt mehrere Wege
Für das neue Viertel stellt sich die Frage, wohin der Regen von Dächern, Wegen und Plätzen fließen soll. Ein öffentlich zugänglicher Vorentwurf von 2019 sieht dafür Rinnen, Mulden und sogenannte Mulden-Rigolen vor. Rigolen sind unterirdische Speicherräume, die Wasser vorübergehend aufnehmen.
Nach diesem Konzept soll ein Teil des Niederschlags vor Ort versickern. Überschüssiges Wasser wird zurückgehalten und gedrosselt weitergeleitet. Der Irrbach erhält dabei zusätzliche Zuflüsse aus dem Quartier. Wo Altlastenverdacht eine Versickerung ausschließt, sahen die Planer abgedichtete Rigolen vor. Welche Einzelheiten des damaligen Konzepts heute umgesetzt werden, geht aus der aktuellen Projektmitteilung nicht hervor.
Die Rückhaltung übernimmt somit ein System aus mehreren Anlagen. Den Bach selbst mit einer Rigole gleichzusetzen, würde seine Funktion falsch beschreiben. Wie solche Anlagen zusammenarbeiten können, erläutert der HLH-Beitrag „Den Umgang mit Regenwasser neu denken“. Beispiele aus Hamburg zeigen außerdem, wie sich versiegelte Flächen öffnen und Regenwasser dezentral speichern lässt.
Auch Trockenphasen gehören zur Planung
So wichtig die Ableitung bei Starkregen ist: Im Sommer kann dem Irrbach Wasser fehlen. Das Gewässer führt nicht ganzjährig Wasser. Der Vorentwurf sah deshalb vor, aus einem oberhalb gelegenen Hochwasserrückhaltebecken kontrolliert Wasser abzugeben. Auch Regenwasser aus dem Quartier sollte den Abfluss stützen.
Trotzdem schlossen die Planer ein zeitweiliges Trockenfallen ausdrücklich nicht aus. Ein dauerhaft gefüllter Bach lässt sich aus diesen Unterlagen nicht versprechen.
Als Nächstes folgen Bachbett und Freiräume
Bevor der Irrbach offen durch das Viertel fließen kann, müssen seine unterirdischen Anschlüsse funktionieren. Laut aktueller Projektmitteilung ist die Unterquerung der Eurener Straße Richtung Mosel bereits fertiggestellt. Auf dem Kasernengelände werden derzeit Flächen entsiegelt und die technische Infrastruktur vorbereitet.
Ab dem vierten Quartal 2026 sollen die Arbeiten am offenen Bachlauf und den angrenzenden Aufenthaltsflächen beginnen. Die neuen Spielplätze sollen den Kindern im Stadtteil nach Angaben der Projektbeteiligten bereits während der weiteren Bauarbeiten zur Verfügung stehen.
Quellen
- Drees & Sommer: Aktuelle Projektmitteilung zur ehemaligen Jägerkaserne
- Stadt Trier: Konversion der Jägerkaserne zum Irrbachquartier
- EGP: Projekt im Westen – Wohnungsbau und Quartierskonzept
- Stadt Trier: Entkopplung des Irrbachs vom Mischwassersystem, 2017
- Ingenieurbüro Obermeyer: Vorentwurf zur Freilegung des Irrbachs, 6. März 2019 (PDF; älterer Planungsstand)
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