Fußball-WM 2026 15.06.2026, 08:03 Uhr

SoFi Stadium in Inglewood: Das teuerste Stadion der Welt im Technik-Check

SoFi Stadium in Los Angeles: Warum das Spielfeld 30 m tief liegt und welche Technik hinter dem teuersten Stadion der Welt steckt.

SoFi Stadium

Das in der Dämmerung beleuchtete SoFi Stadium ist einer der Hauptspielorte der FIFA-Weltmeisterschaft 2026. Die Arena entstand direkt unter der Einflugschneise des Flughafens LAX und gilt als Meisterleistung moderner Ingenieurbaukunst.

Foto: picture alliance / Newscom | Image of Sport

Millionen Fußballfans blicken derzeit gebannt auf das SoFi Stadium in Inglewood. Als einer der wichtigsten Spielorte der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 flimmert die Arena regelmäßig über die Bildschirme rund um den Globus.

Was die meisten Zuschauer vor dem Fernseher kaum ahnen: Das eigentliche Spektakel hat schon lange vor dem Anpfiff stattgefunden – und zwar auf der Baustelle. Hinter der futuristischen Hülle verbirgt sich eines der technisch anspruchsvollsten Stadionprojekte der Welt.

Die nackten Zahlen des Mega-Baus sind für Technik-Fans ein absolutes Highlight:

  • Die 30-Meter-Baugrube: Um die strengen Höhenbeschränkungen der nahegelegenen Einflugschneise des LAX-Flughafens einzuhalten, mussten die Ingenieure das Stadion tief in den Boden eingraben.
  • Ausgeklügelter Erdbebenschutz: Aufgrund der Nähe zur San-Andreas-Spalte ist das gesamte Bauwerk so konstruiert, dass es massiven Erschütterungen flexibel standhalten kann.
  • Das gigantische Seilnetzdach: Eine freitragende, ultraleichte Konstruktion, die gigantische Lasten trägt und gleichzeitig die offene Architektur des Stadions ermöglicht.

Vom gigantischen Erdaushub bis zur millimetergenauen Dachmontage: Bei diesem Projekt mussten die Ingenieurteams für nahezu jede statische Herausforderung völlig neue Lösungen erfinden. Schauen wir uns das einmal etwas genauer an.

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Bauen in der Einflugschneise des Flughafens

Die Planenden standen vor einer Herausforderung, die zunächst kaum lösbar erschien. Das Stadion sollte mehr als 70.000 Zuschauerinnen und Zuschauer aufnehmen, entstand aber direkt unter der Einflugschneise des internationalen Flughafens Los Angeles (LAX). Gleichzeitig befindet sich das Bauwerk nur wenige hundert Meter von einer aktiven Verwerfungszone entfernt.

Wie baut man unter solchen Bedingungen eine der größten Sportarenen Nordamerikas? Die Antwort der Ingenieurteams war ebenso einfach wie radikal: Statt das Stadion in die Höhe wachsen zu lassen, verlegten sie große Teile davon rund 30 m tief in den Boden.

Heute gilt das SoFi Stadium mit Baukosten von rund 5,5 Mrd. US-Dollar als teuerstes Stadion der Welt. Zugleich ist es ein Lehrstück moderner Ingenieurbaukunst – von der gewaltigen Baugrube über die Erdbebensicherung bis hin zum größten Seilnetzdach seiner Art.

Vom Pferderennplatz zum Milliardenprojekt

Lange bevor hier die Los Angeles Rams und die Los Angeles Chargers ihre Heimspiele austrugen, befand sich auf dem Gelände eine der bekanntesten Pferderennbahnen Kaliforniens. Der Hollywood Park Racetrack prägte das Areal seit 1938. Nach seiner Schließung im Jahr 2013 entstand mitten im Großraum Los Angeles eine der letzten großen Entwicklungsflächen.

2014 begann Rams-Eigentümer Stan Kroenke damit, Grundstücke rund um das ehemalige Rennbahngelände aufzukaufen. Sein Ziel war nicht allein der Bau eines Stadions. Geplant war ein vollständig neues Stadtquartier.

Heute umfasst der Hollywood Park:

  • das SoFi Stadium
  • das YouTube Theater
  • Hotels und Bürogebäude
  • Wohnungen
  • Restaurants und Einzelhandel
  • öffentliche Parks und Seen

Das gesamte Areal erstreckt sich über rund 120 Hektar. Damit ist es etwa doppelt so groß wie der Vatikanstaat.

Mehr als 70.000 Zuschauer finden im SoFi Stadium Platz. Die Arena liegt rund 30 Meter unter dem ursprünglichen Geländeniveau und wurde speziell für die Anforderungen von Erdbebenschutz und Luftfahrtbehörden entwickelt. picture alliance / DeFodi Images | Marco Steinbrenner

Die „Sunken Bowl“

Die größte technische Herausforderung entstand durch die Nähe zum Flughafen LAX. Die US-Luftfahrtbehörde FAA begrenzte die zulässige Bauhöhe des Projekts. Gleichzeitig bestand die Sorge, dass die gewaltige Metallkonstruktion bestehende Radarsysteme beeinträchtigen könnte. Ein klassisches NFL-Stadion hätte die zulässigen Höhen überschritten.

Die Ingenieurteams von HKS Architects und Walter P Moore entschieden sich deshalb für einen ungewöhnlichen Ansatz. Sie senkten das Spielfeld und große Teile der Tribünen rund 30 mr unter das ursprüngliche Geländeniveau ab.

Für diese sogenannte „Sunken Bowl“ mussten mehr als sechs Millionen Kubikmeter Erdreich bewegt werden.

Die Lösung brachte einen weiteren Vorteil mit sich. Besucherinnen und Besucher gelangen nicht über hohe Treppenanlagen in die Arena. Stattdessen führen sanft abfallende Wege und Rampen nach unten. Das Stadion erinnert dadurch eher an ein natürliches Amphitheater als an einen klassischen Großbau.

Die MSE-Wand: Eine statische Meisterleistung

Mit dem Aushub war die Arbeit allerdings längst nicht beendet. Eine 30 m tiefe Baugrube mitten im Stadtgebiet stellt enorme Anforderungen an die Statik. Die Ingenieurteams mussten verhindern, dass sich die umliegenden Erdmassen bewegen oder die Baugrube unter Belastung versagt. Zum Einsatz kam deshalb eine sogenannte MSE-Wand (Mechanically Stabilized Earth).

Das Prinzip ist vergleichsweise einfach. Tausende Stahlbänder verankern die Betonwand tief im umgebenden Erdreich. Insgesamt kamen mehrere tausend Kilometer dieser Bewehrungselemente zum Einsatz. Die Konstruktion nutzt das Eigengewicht des Bodens, um sich selbst zu stabilisieren.

Der große Vorteil liegt in ihrer Flexibilität. Anders als starre Betonbauwerke kann sich die Konstruktion kontrolliert verformen. Genau diese Eigenschaft macht sie für den Einsatz in Erdbebengebieten besonders interessant.

Die Seitenansicht zeigt das markante Dach des SoFi Stadiums. Es wird von 38 freistehenden Stützen getragen und ist durch spezielle Lager vom eigentlichen Stadionbauwerk entkoppelt. Foto: picture alliance / Newscom | Dylan Stewart

Erdbebenschutz direkt neben einer Verwerfungszone

Das SoFi Stadium liegt nur wenige hundert Meter von der Newport-Inglewood-Verwerfung entfernt. Anstatt das Stadion möglichst starr auszulegen, entschieden sich die Ingenieurteams für einen anderen Weg. Das Bauwerk sollte Bewegungen kontrolliert zulassen.

Herzstück des Konzepts ist ein rund 3,6 m breiter Sicherheitsgraben. Dieser sogenannte „Seismic Moat“ trennt die Stadionwanne vollständig vom Dachtragwerk. Im Erdbebenfall können sich Dach und Tribünen unabhängig voneinander bewegen, ohne miteinander in Kontakt zu geraten.

Zusätzlich integrierten die Planenden mehr als 1000 sogenannte Buckling Restrained Braces (BRB). Diese Spezialstreben nehmen einen Teil der Verformungsenergie auf und verhindern, dass sich einzelne Bereiche des Tragwerks unkontrolliert verformen.

Ergänzt werden sie durch hydraulische Dämpfer, die auf schnelle Bewegungen reagieren und das Tragwerk zusätzlich stabilisieren.

Das schwebende Dach

Das Dach prägt die Silhouette des Stadions wie kein anderes Bauteil. Mit einer Fläche von rund 120.000 Quadratmetern überspannt es nicht nur die Arena selbst, sondern auch angrenzende Bereiche des Hollywood Parks.

Dabei ruht es nicht auf den Tribünen. Die Konstruktion steht auf einem eigenständigen Tragwerk mit 38 freistehenden Stützen. Ein äußerer Druckring aus rund 20.000 Tonnen Stahl nimmt die Druckkräfte auf. Im Inneren spannt sich ein Netz aus hochfesten Stahlseilen.

Die Konstruktion ähnelt dem Aufbau eines riesigen Fahrradrads: Der Außenring nimmt die Druckkräfte auf, während die Seile die Zugkräfte übertragen.

Damit Erdbebenkräfte nicht direkt in die Konstruktion eingeleitet werden, lagerten die Ingenieurteams das Dach auf speziellen Pendelgleitlagern. Dadurch kann sich das Tragwerk kontrolliert bewegen.

Wie stimmt man ein Dach wie ein Musikinstrument?

Die Montage des Seilnetzdachs gehörte zu den anspruchsvollsten Bauabschnitten des Projekts. Ein Dach dieser Größe lässt sich nicht einfach in der Luft zusammensetzen. Deshalb bauten die Ingenieurteams große Teile der Konstruktion zunächst auf temporären Hilfskonstruktionen in Bodennähe auf.

Anschließend kamen sogenannte Strand Jacks zum Einsatz – computergesteuerte hydraulische Hubsysteme, die die Seilkonstruktion millimeterweise in ihre endgültige Position brachten.

Jede Veränderung an einem Seil beeinflusste die Kräfte im gesamten Netz. Deshalb überwachten Sensoren permanent Zugkräfte, Verformungen und Bewegungen. Erst nachdem alle Seile ihre berechnete Vorspannung erreicht hatten, erhielt das Dach seine endgültige Form und Tragfähigkeit. Insgesamt wurden rund 28 km Stahlseile verbaut.

Warum Kunststoff statt Glas zum Einsatz kam

Für die Dacheindeckung verzichteten die Planenden bewusst auf Glas.

Stattdessen fiel die Wahl auf ETFE, einen fluorhaltigen Hochleistungskunststoff.

Das Material bietet mehrere Vorteile:

Vorteil Nutzen
Geringes Gewicht Entlastet das Tragwerk
Hohe Lichtdurchlässigkeit Tageslicht gelangt ins Stadion
UV-Beständigkeit Lange Lebensdauer
Selbstreinigung Weniger Wartungsaufwand
Hohe Flexibilität Unterstützt die freie Dachform

Das Ergebnis ist ein Stadion, das weder vollständig offen noch vollständig geschlossen ist. Das Dach schützt vor Sonne und Regen, während die offenen Seitenflächen für natürliche Belüftung sorgen.

Der Oculus: Die größte Videowand ihrer Art

Das auffälligste Element im Innenraum schwebt direkt über dem Spielfeld.

Der sogenannte Oculus ist eine ringförmige, doppelseitige Videowand, die von jedem Platz im Stadion sichtbar ist.

Einige Kennzahlen verdeutlichen die Dimensionen:

  • rund 110 m Länge
  • knapp 80 Millionen Pixel
  • rund 1000 Tonnen Gewicht
  • 260 Lautsprecher
  • 56 integrierte Mobilfunkantennen

Die Lasten des Oculus wurden von Beginn an in die statischen Berechnungen des Dachtragwerks integriert. Dach und Videowand mussten als Gesamtsystem betrachtet werden.

Die Konstruktion wurde zunächst am Boden vormontiert und anschließend mit hydraulischen Hubsystemen an ihre endgültige Position gehoben.

Der Innenraum des SoFi Stadiums wird von einem riesigen Seilnetzdach überspannt. Über dem Spielfeld schwebt der rund 110 Meter lange „Oculus“, die größte doppelseitige Videowand ihrer Art mit fast 80 Millionen Pixeln.
Der Innenraum des SoFi Stadiums wird von einem riesigen Seilnetzdach überspannt. Über dem Spielfeld schwebt der rund 110 Meter lange „Oculus“, die größte doppelseitige Videowand ihrer Art mit fast 80 Millionen Pixeln. Foto: picture alliance / DeFodi Images | Marco Steinbrenner

Hightech unter den Tribünen

Viele technische Besonderheiten bleiben für Besucherinnen und Besucher unsichtbar. Große Teile der Tribünen bestehen aus vorgefertigten Bauelementen. Bereits während der Produktion integrierten die Hersteller Leerrohre, Kabelkanäle und Anschlusspunkte für die digitale Infrastruktur.

Dadurch konnten Kommunikationssysteme, Medientechnik und Sensorik nahezu unsichtbar im Bauwerk untergebracht werden.

Bauen während der Pandemie

Als die COVID-19-Pandemie Anfang 2020 die USA erreichte, befand sich das Projekt in einer entscheidenden Bauphase. Zeitweise arbeiteten mehr als 4000 Menschen gleichzeitig auf der Baustelle. Trotz umfangreicher Schutzmaßnahmen kam es zu Einschränkungen und organisatorischen Herausforderungen.

Den beteiligten Unternehmen Turner Construction und AECOM Hunt gelang es dennoch, die Arbeiten weitgehend planmäßig abzuschließen. Die Eröffnung erfolgte im September 2020 zunächst ohne Publikum. Erst ein Jahr später konnte das Stadion erstmals vor vollständig besetzten Rängen genutzt werden.

Nachhaltigkeit in einer trockenen Region

Wasser zählt in Südkalifornien zu den knappsten Ressourcen. Deshalb entwickelten die Planenden ein umfangreiches Wassermanagementsystem für den gesamten Hollywood Park.

Herzstück ist ein künstlicher See mit einem Volumen von mehr als 60.000 Kubikmetern Wasser. Er sammelt Regenwasser, speichert es und stellt es für die Bewässerung der Grünflächen bereit.

Mehr als 5000 heimische Bäume ergänzen das Konzept. Sie verbessern das Mikroklima und fördern die biologische Vielfalt auf dem Gelände.

Für die WM 2026 musste sogar der Rasen weichen

Während das SoFi Stadium im NFL-Betrieb mit Kunstrasen genutzt wird, schreibt die FIFA für Weltmeisterschaften Naturrasen vor. Für die laufende Weltmeisterschaft 2026 erhielt das Stadion deshalb ein speziell entwickeltes Naturrasensystem.

Die Umrüstung war technisch anspruchsvoll. Belichtung, Bewässerung und Belastbarkeit mussten unter den Bedingungen eines teilweise überdachten Stadions gewährleistet werden. Die Erfahrungen aus diesem Umbau werden auch für künftige Großveranstaltungen wertvoll sein.

Von der Weltmeisterschaft zu Olympia 2028

Aktuell gehört das SoFi Stadium zu den wichtigsten Austragungsorten der FIFA-Weltmeisterschaft 2026.

Bereits heute laufen die Vorbereitungen für die Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles. Dann wird das Stadion erneut umfangreich umgebaut. Geplant sind unter anderem temporäre Schwimmbecken sowie die Nutzung für Teile der Eröffnungs- und Abschlusszeremonien.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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