Forschung 12.07.2019, 07:00 Uhr

Satellitenradar erkennt drohenden Gebäudeeinsturz

Ingenieure ziehen Lehren aus dem Einsturz der Morandi-Brücke. Künftig könnten hochaufgelöste Sattelitendaten Verschiebungen am Gebäude erkennen, bevor es zum Schlimmsten kommt.

Brückeneinsturz

Die Morandi-Brücke nach ihrem Zusammenbruch. Neue Satellitenradarbilder können die Bewegung von Strukturen millimetergenau abbilden.

Foto: panthermedia.net/izanbar

Vor knapp einem Jahr, am 14. August 2018, kam es in Italien zur Katastrophe. Ein Pylon der Morandi-Brücke brach zusammen. Die vierspurige Autobahnbrücke der Autostrada A10 in Genua war stark befahren. 43 Menschen starben bei dem Unglück. Seither stellen sich Bauingenieure die Frage, ob es gelingen könnte, anhand von Messungen kritische Veränderungen zu erkennen, bevor es zum Einsturz kommt. Bisherige Techniken der Vermessung lieferten bei dem italienischen Bauwerk keine Anhaltspunkte, dass Gefahren drohen.

Forscher des Nasa Jet Propulsion Laboratory (JPL) und der University of Bath haben ein satellitengestütztes Frühwarnsystem entwickelt, das winzige Bewegungen in Brücken erkennt. Ihr Überwachungssystem kombiniert Daten einer neuen Generation von Satelliten mit einem eigens programmierten Algorithmus. Das Tool könnte als automatisches Warnsystem verwendet werden, um die Sicherheit großer Infrastrukturprojekte zu gewährleisten. Anhand der Daten wird ein mögliches Risiko gefährlicher Prozesse im Hochbau errechnet.

Historische Aufnahmen der Morandi-Brücke analysiert 

Gebäude werden schon lange in regelmäßigen Abständen vermessen. Gängige Ansätze zur Überwachung haben jedoch ihre Schwächen: Es werden nur ausgewählte Stellen mit Sensoren kontrolliert, etwa solche, die bereits als gefährdet gelten. „Unsere Methode erlaubt aber die Kontrolle der gesamten Infrastruktur und das beinahe in Echtzeit“, sagt der Projektleiter Pietro Millo von JPL.

Das geht so: Ingenieure arbeiteten bei ihrem Forschungsprojekt mit Satellitenbilder der Morandi-Brücke. Da urbane Regionen regelmäßig fotografiert werden, stand ihnen ein umfangreicher Fundus zur Verfügung, um zeitliche Dynamiken zu untersuchen. Sobald Bauwerke aus unterschiedlichen Richtungen aufgenommen werden, können daraus dreidimensionale Darstellungen errechnet werden. „Dank einer neuen Generation von Satelliten ist dies inzwischen millimetergenau möglich“, sagt Giorgia Giardina von der University of Bath. Kombiniert mit einem Algorithmus, der diese Daten auswertet, lassen sich Bewegungen nahezu in Echtzeit überwachen, berichtet das Forscherteam.

Stellenangebote im Bereich Bauwesen

Bauwesen Jobs
Landratsamt Zollernalbkreis-Firmenlogo
Projektingenieur (m/w/d) Straßen- und Radwegebau Landratsamt Zollernalbkreis
Balingen Zum Job 
Energie und Wasser Potsdam GmbH-Firmenlogo
Investitions- und Projektsteuerer (m/w/d) Schwerpunkt Bau Energie und Wasser Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
HAMBURG WASSER-Firmenlogo
Bauingenieur / Architekt als Gruppenleitung Ingenieurbau Wasserwerke (m/w/d) HAMBURG WASSER
Hamburg Rothenburgsort Zum Job 
Werner & Balci GmbH-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur [BIM] (m/w/d) für die Planung Infrastruktur- und Hochbauprojekte Werner & Balci GmbH
Esslingen am Neckar Zum Job 
Nibelungen-Wohnbau-GmbH Braunschweig-Firmenlogo
Leitung Technisches Immobilienmanagement (m/w/d) Nibelungen-Wohnbau-GmbH Braunschweig
Braunschweig Zum Job 
Stadtwerke Potsdam GmbH-Firmenlogo
Experte (m/w/d) Energieinfrastruktur und Bauprojekte - Planung und Realisierung - Stadtwerke Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
Netzgesellschaft Potsdam GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Sonderbauvorhaben Umspannwerke | Hochspannungsfreileitungen Netzgesellschaft Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
Stadt Offenburg-Firmenlogo
Straßen- und Verkehrsplaner*in Fachbereich Tiefbau und Verkehr, Abteilung Verkehrsplanung Stadt Offenburg
Offenburg Zum Job 
Stadt Köln-Firmenlogo
Ingenieur*in (TGA) als Rechnungsprüfer*in (m/w/d) für technische Prüfungen beim Rechnungsprüfungsamt Stadt Köln
DMT GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Sachverständige:r im Explosionsschutz (m/w/d) DMT GmbH & Co. KG
Dortmund Zum Job 
ONTRAS Gastransport GmbH-Firmenlogo
Projektmanager für Wasserstoff (m/w/d) ONTRAS Gastransport GmbH
Leipzig Zum Job 
Gemeinde Steinen-Firmenlogo
Leiter/in des Fachbereichs Bauen und Umwelt (w/m/d) Gemeinde Steinen
Steinen Zum Job 
ERGO Group AG-Firmenlogo
Objektmanager Bautechnik (m/w/d) ERGO Group AG
Klinikum Leverkusen Service GmbH-Firmenlogo
Projektmanager (m/w/d) Bau & Technik Klinikum Leverkusen Service GmbH
Leverkusen Zum Job 
Leviat GmbH-Firmenlogo
Diplom-Ingenieur (TH/FH) (m/w/d), Master/Bachelor (m/w/d), Dr.-Ing. (m/w/d) im Bereich «Bewehrungssysteme / Verankerungssysteme« Konstruktiver Ingenieurbau / Massivbau Leviat GmbH
Langenfeld (Rheinland) Zum Job 
HAMBURG WASSER-Firmenlogo
Projektingenieur Planung Tiefbau / Infrastruktur (m/w/d) HAMBURG WASSER
Hamburg Zum Job 
Max Bögl Stiftung & Co. KG-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) TGA Mechanik -Systembau Max Bögl Stiftung & Co. KG
Liebenau bei Nienburg / Weser Zum Job 
AOK Hessen. Die Gesundheitskasse.-Firmenlogo
Ingenieur / Elektrotechniker (m/w/d) AOK Hessen. Die Gesundheitskasse.
Groß-Gerau Zum Job 
Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Gebäudemanagement (m/w/d) Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen
Eggenstein-Leopoldshafen Zum Job 
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Bauherrenaufgaben (m/w/d) Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)
Kiel, Flensburg, Lübeck, Eutin, Eckernförde Zum Job 

Frühwarnsystem besteht den Praxistest

Anhand von Daten der Italian Space Agency dokumentierte Giardinas Team zum ersten Mal Verformungen, weit bevor es zum Einsturz der Morandi-Brücke kam. Veränderungen im Millimeterbereich seien mit Standard-Verfahren der Vermessung nicht ersichtlich gewesen, schreiben die Experten. Bauingenieure hatten schon länger auf einen schlechten, aber keineswegs bedrohlichen Zustand des Bauwerks hingewiesen.

Beim neuen Verfahren betrachteten Ingenieure die Dynamik des gesamten Bauwerks – und nicht nur Veränderungen an einzelnen Stellen. Ihren Ergebnissen zufolge kam es speziell im Bereich des kollabierten Pylons schon ab 2015 zu ersten Deformationen, und zwar an mehreren Stellen. Die Verformungen beschleunigten sich zwischen März 2017 und August 2018 rapide. Die Katastrophe kam – im Nachhinein betrachtet – also nicht überraschend.

Bessere Satellitendaten, präzisere Messwerte

Ihre Ergebnisse führen Millo und Giardina vor allem auf Fortschritte in der Satellitentechnologie zurück. Früher konnten Radarbilder mit einer Genauigkeit von etwa einem Zentimeter erstellt werden. Jetzt werden Strukturen im Millimeterbereich erfasst. Die Detailgenauigkeit reicht aus, um kritische Verformungen früh zu erfassen.

Speziell in Italien hat sich das Cosmo-Skymed-Programm (Constellation of small Satellites for Mediterranean basin Observation) bezahlt gemacht. Vier Satelliten umkreisen die Erde auf einer sonnensynchronen Bahn. Sie sind mit hochauflösenden Radarsystemen ausgestattet (Synthetic Aperture Radar). Beobachtungssatelliten aus dem Sentinel-Programm der Europäische Weltraumorganisation ESA kamen mit hinzu. Da sie Informationen eines Bauwerks aus verschiedenen Winkeln liefern, sind zeitlich aufgelöste, dreidimensionale Rekonstruktionen per Software möglich.

Bauwerke künftig kontinuierlich überwachen

Die Tragödie von Genua lässt sich nicht mehr rückgängig machen, sollte aber zumindest dazu beitragen, ähnliche Katastrophen zu vermeiden. Mit Satellitendaten und intelligenten Tools könnten große Bauwerke vielleicht schon bald automatisch überwacht werden, hoffen die Autoren.

Ihre Technik könnte auch bei Tunnelbohrungen zum Einsatz kommen. Giardina kritisiert, derzeit würden viele Daten im Erdgeschoss erfasst, während kaum Messungen von sonstigen Strukturen verfügbar seien. Als Beispiel nennt sie die Crossrail-Route, eine sich noch im Bau befindliche U-Bahn-Strecke unter London.

Mehr zum Thema Bau:

Ein Beitrag von:

  • Michael van den Heuvel

    Michael van den Heuvel hat Chemie studiert. Unter anderem arbeitet er für Medscape, DocCheck, für die Universität München und für pharmazeutische Fachmagazine. Seit 2017 ist er selbstständiger Journalist und Gesellschafter von Content Qualitäten. Seine Themen: Chemie/physikalische Chemie, Energie, Umwelt, KI, Medizin/Medizintechnik.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.